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Gewandhaus Leipzig setzt auf Download und Chat

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"Silberpudel" wurden die Besucher sinfonischer Konzerte einst gern genannt. Oft waren sie nur unwesentlich jünger oder älter als die mitunter betagten Dirigenten. Das Gewandhaus Leipzig will nun den Beweis antreten, dass dieses Klischee nicht mehr zeitgemäß ist. Der Altersdurchschnitt im größten Berufsorchester der Welt liegt bei 42 Jahren. Und weil Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly (53) wieder mehr junge Menschen von Beethoven, Brahms und Co. begeistern möchte, will er sich kommenden Montag (11. Dezember) erstmals in einem Internet-Chat Fragen von Journalisten und Fans stellen.

Es ist eine Premiere, heißt es bei Chaillys Plattenlabel Decca in London. Die erste Online-Kooperation zwischen einem europäischen Orchester und einem bedeutenden Musikunternehmen stelle "eine harmonische Verbindung aus Tradition und Innovation" dar. Zugleich will der Maestro aus Mailand aber auch die Werbetrommel für die neue Reihe "Decca Concerts" rühren. Sie bietet Konzertmitschnitte zum kostenpflichtigen Herunterladen im Internet, bevor die Aufnahmen auf CD im Handel erhältlich sind.

Die Leipziger steuern als erstes europäisches Orchester das erste Konzert der Serie bei, "das ausschließlich online zu erwerben ist, nachdem es live im Gewandhaus mitgeschnitten wurde", sagt Gewandhaus- Sprecher Dirk Steiner. Zum Auftakt im "virtuellen Konzertsaal" erklingen Werke von Robert Schumann mit Martha Argerich als Solistin am Klavier.

Mit der neuen Vermarktungsplattform beschreitet das Konzerthaus einen neuen Weg zu der von Chailly beabsichtigten Verjüngung im Saal und am Pult. Erst im Herbst war im Foyer die so genannte HÖRbar eröffnet worden, wo Heranwachsende auf fest installierten iPods in alle Werke der aktuellen Spielzeit reinhören können. "Die Vermittlung über ein technisches Medium, das aus der Alltagswelt der jungen Leute stammt, soll den Zugang zur Klassik erleichtern", erklärt Steiner das nach eigenen Angaben bundesweit einmalige Angebot.

Der Chat mit Chailly dient auch der internationalen Ausrichtung. "Wir erreichen so eine Vielzahl von Menschen weltweit, und nicht jeder muss zu uns nach Leipzig kommen", sagt Gewandhausdirektor Andreas Schulz. (Tobias D. Höhn, dpa) / (anw)