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Gewerkschaft: Avaya streicht jede sechste Stelle in Deutschland

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Der Telekommunikationskonzern Avaya will nach Informationen der IG Metall jede sechste Stelle in Deutschland abbauen. 609 von 3600 Stellen des US-Konzerns sollen bis September kommenden Jahres gestrichen werden, berichtete am Dienstag ein Gewerkschaftssekretär nach einer Betriebsräteversammlung im fränkischen Bad Kissingen. Besonders betroffen seien die Standorte Hamburg und Köln sowie der Stammsitz in Frankfurt. Das von Finanzinvestoren kontrollierte Unternehmen wollte die Pläne zunächst nicht kommentieren und kündigte eine Mitteilung für den Mittwoch an.

"Die Stimmung ist mehr als niedergeschlagen", berichtete der Gewerkschafter der dpa. Die Niederlassung in Hamburg solle ganz geschlossen werden, die Kölner werde nach Düsseldorf verschoben. In Frankfurt werde bei der rund 400 Leute starken Entwicklungsabteilung jede zweite Stelle gestrichen. Die Aufgaben der Entwickler wolle das US-Unternehmen künftig in Indien erledigen lassen.

Nach Einschätzung der Gewerkschaften sind die geplanten Entlassungen nicht auf die Wirtschaftskrise, sondern auf ein neues Geschäftsmodell der Avaya zurückzuführen. Vertrieb und Kundendienst sollten künftig ausgelagert und von kleineren, selbstständigen Partnerfirmen erledigt werden. Einzelne Techniker könnten möglicherweise dorthin wechseln, seien dabei aber ungeschützt und müssten schlechtere Arbeitsbedingungen fürchten.

Die IG Metall kündigte für den Mittwoch Protestkundgebungen in Bad Kissingen sowie Warnstreiks in ganz Deutschland an. Weltweit will Avaya den Angaben zufolge rund 12 Prozent der rund 18.000 Arbeitsplätze abbauenn. Das Unternehmen konzentriert sich auf Internet-Telefonie und Callcenter-Lösungen. Im November 2004 hatte Avaya das deutsche Telekommunikationsunternehmen Tenovis mit damals noch 5400 Beschäftigten übernommen. (dpa) / (vbr)