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Gewerkschaft droht mit Ausweitung des Telekom-Streiks

Im Arbeitskonflikt bei der Deutschen Telekom [1] um den Personalumbau will die Gewerkschaft den Streik zunächst unbegrenzt fortsetzen und notfalls ausweiten. Es gebe "kein neues Angebot" des Unternehmens, Berichte über eine angebliche Annäherung träfen nicht zu, sagte ver.di [2]-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer Lothar Schröder heute in Berlin. "Ein Griff in die Geldbeutel der Beschäftigten wird mit uns nach wie vor nicht zu machen sein." Die Beschäftigten streiken seit rund drei Wochen gegen die Auslagerung von rund 50.000 Mitarbeitern in den neuen Unternehmensbereich T- Service. Sie sollen dort länger arbeiten und zugleich weniger verdienen.

Schröder bot der Telekom an, über Langzeitkonten für die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu reden. So könne vorübergehend mehr gearbeitet werden, um die kritisierte Servicequalität zu verbessern. Eine Gewinnbeteiligung, wie sie das Management ins Spiel gebracht hatte, lehnte Schröder nochmals als "Risikoverlagerung zu Lasten der Beschäftigten" ab.

Der Konzern will die Einkommen von rund 50.000 Service-Mitarbeitern um neun Prozent senken, die Wochenarbeitszeit um vier Stunden erhöhen und so die Kosten um bis zu 900 Millionen Euro jährlich senken. Zu diesem Zweck sollen die Betroffenen zum 1. Juli in andere Unternehmensbereiche verlagert werden. Die Telekom will diesen Schritt auch ohne vorherige Einigung mit der Gewerkschaft vollziehen.

Auch in diesem Fall werde ver.di den Streik fortsetzen, kündigte Schröder an. Die 50.000 Betroffenen würden dann zwar unter Tarifverträgen mit schlechteren Bedingungen arbeiten. Ver.di werde dann aber dafür kämpfen, diese Tarife zu verbessern. "Wir sind in der Lage, den Konflikt länger durchzuhalten", auch wenn der Streik die Gewerkschaft "viel Geld kostet".

Streikleiter Ado Wilhelm sagte, der Arbeitskampf habe, anders als vom Unternehmen dargestellt, erhebliche Probleme bei der Annahme und Erledigung von Aufträgen verursacht. Derzeit seien rund 5000 Störungsmeldungen unerledigt, normalerweise seien es etwa 350. Die Erreichbarkeit der Callcenter sei von sonst üblichen 70 bis 90 Prozent auf 15 Prozent gesunken. Am Mittwoch beteiligten sich nach Angaben Wilhelms 15.450 Beschäftigte an dem Streik.

Schröder sagte, die Auseinandersetzung mit dem Bonner Konzern sei auch deshalb wichtig, weil zu befürchten sei, dass das "Modell Telekom" zum Handlungsmuster für andere Branchen werde. In dem Vorgehen sei auch "die Handschrift von Blackstone zu erkennen". Der US-Finanzinvestor Blackstone hält 4,5 Prozent an der Telekom und ist damit der größte Aktionär nach der Bundesregierung und der staatlichen KfW Bankengruppe.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske warf der Regierung in dem Konflikt Untätigkeit vor. "Der Bund drückt sich vor der Verantwortung. Er hat eine soziale Verpflichtung gegenüber den Telekom-Beschäftigten, die er endlich erfüllen muss", sagte Bsirske der "Bild"-Zeitung. Bislang vermissten die Beschäftigten "aufrichtige Unterstützung". "Stattdessen schweigen die Politiker betreten", sagte Bsirske.

Siehe zum Streik bei der Telekom auch die Linkliste in c't-Hintergrund:

(dpa) / (anw [4])


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http://www.heise.de/-133845

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[1] http://www.dtag.de
[2] http://www.verdi.de
[3] https://www.heise.de/ct/artikel/Der-Streik-bei-der-Deutschen-Telekom-302618.html
[4] mailto:anw@ct.de