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Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen in Call-Centern

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Um die Arbeitsbedingungen der rund 3000 Beschäftigten in den 16 Call-Centern in Sachsen-Anhalt zu verbessern, haben die ver.di-Gewerkschaften (DPG, DAG, ÖTV, IG Medien und HBV) des Landes ein Call-Center-Projekt ins Leben gerufen. Beschäftigte aus sechs verschiedenen Call-Centern in Magdeburg haben am vergangenen Dienstag eine Gewerkschaftliche Arbeitsgemeinschaft zur Verbesserung der Beschäftigungs- und Bezahlungssituation gegründet. Das Call-Center-Projekt ist Teil des ver.di-Projektes Telekommunikation-Informationstechnik-Medien (T.I.M.).

"In Sachsen-Anhalt wurden in der Vergangenheit unter starker Begleitung der Öffentlichkeit zahlreiche Call-Center-Arbeitsplätze geschaffen. Die Bedingungen für die Beschäftigten in den Call-Centern werden den Schaufensterreden zur Eröffnung bei weitem nicht gerecht", heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. Im Gegensatz zu den Call-Centern der Deutschen Telekom AG, die einen gewerkschaftlichen Organisierungsgrad von 60–80 Prozent haben, sei die Situation in den freien Call-Centern besonders desolat, da es dort weder Tarifverträge noch Betriebsräte gebe, so Projektleiter Achim Fischer von der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) Sachsen-Anhalt gegenüber heise online.

Hauptaufgabe des Projektes sei es deshalb, die Bildung von Betriebsräten zu unterstützen, um überhaupt einen Überblick über die konkrete Situation in den Call Centern zu erhalten. Darüber hinaus will die Arbeitsgruppe auf die Förderpraxis von Call Centern in Sachsen-Anhalt politischen Einfluss nehmen. So gab die Landesregierung Sachsen-Anhalt auf eine Anfrage von Edeltraud Rogée vom 17. Juli 2000 bekannt, im Jahre 1999 vier Call Center mit knapp 36 Millionen Mark gefördert zu haben. Fischer forderte gegenüber heise online in erster Linie eine größere Transparenz der Fördergelder, insbesondere, was die Lohnkostenzuschüsse betrifft.

Nach Tarif seien eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden bei einem Stundenlohn von mindestens 19 Mark vereinbart. Davon können aber laut Fischer die Mitarbeiter in den freien Call Centern im Osten nur träumen. Hinzu käme die massive Standortkonkurrenz zwischen den einzelnen Bundesländern. "Während im Osten die Beschäftigten nicht selten unter 13 Mark verdienen, sind es im Westen unter den gleichen Bedingungen über 17 Mark", so Fischer gegenüber heise online. Als sehr bedenklich bezeichnete Fischer die Regelung der Jahresarbeitszeitkonten, die aus den Call-Center-Mitarbeitern quasi Saison-Arbeiter mache. "Im Sommer fallen vielleicht 20 Stunden an, und im Winter – wenn die neuen Versandkataloge erscheinen – müssen die Mitarbeiter bis zu 60 Stunden am Bildschirm sitzen." Um die Bildung von Betriebsräten nicht zusätzlich zu erschweren, wollte Fischer jedoch keine Firmen mit besonders miserablen Arbeitsbedingungen namentlich nennen. Die Arbeitsgemeinschaft habe schon jetzt mit erheblichem Gegenwind aus dem Arbeitgeberlager zu kämpfen. (hag)