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Gewerkschaften werfen Telekom "brutalen Psychoterror" gegen US-Angestellte vor

Der Ver.di-Bundesvorstand und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Lothar Schröder, wirft dem Unternehmen vor, "brutalen Psychoterror" gegen seine mehr als 30.000 Beschäftigten in den USA auszuüben und Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Das berichtet Der Spiegel in seiner morgigen Ausgabe. Er beruft sich auf ein Dossier, das Schröder in den vergangenen Monaten zusammen mit dem Chef der US-Kommunikationsgewerkschaft (CWA), Larry Cohen, erarbeitet habe. Darin seien zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Mitarbeiterrechte bei der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile USA eklatant verletzt wurden. So hätten Callcenter-Mitarbeiter etwa als Zeichen ihres Versagens Eselsmützen tragen oder Strafarbeiten schreiben müssen, wenn sie ihre Leistungsvorgaben nicht erfüllten. Auch willkürliche Kündigungen seien dokumentiert.

Nach Ansicht der Gewerkschaften handle es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine systematische Unterdrückung von Arbeitnehmerrechten. In den nächsten Wochen soll deshalb eine große Kampagne gegen die Deutsche Telekom gestartet werden. Dabei sollen Arbeitnehmer auf beiden Seiten des Atlantik mobilisiert sowie Politiker und Ministerien in Stellung gebracht werden. Bereits im Juli 2012 hatten Ver.di und CWA eine Beschwerde gegen die Telekom bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eingereicht.

Das Unternehmen führe eine Kampagne, um seine Mitarbeiter von einem Gewerkschaftsbeitritt abzuhalten, sagte Schröder in einer Rede (PDF) während der Tarifverhandlungen bei T-Mobile USA im August. Das Management versuche, die Entscheidungen seiner Mitarbeiter zu beeinflussen. Dies stehe in deutlichem Widerspruch zu der Unternehmenskultur in Deutschland. Der Konflikt entstand nach der Übernahme der amerikanischen Mobilfunkgesellschaft Voicestream Wireless im Jahr 2001, die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannt wurde. Für die Übernahme hatte sich auch die US-Gewerkschaft ausgesprochen, unter anderem weil sich der Mutterkonzern Deutsche Telekom in einer Sozialcharta zu einer "offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit demokratisch legitimierten Arbeitnehmervertretungen" verpflichtet.

Bereits kurz nach der Übernahme seien aber gewerkschaftsfeindliche Berater engagiert worden, heißt es in dem Gewerkschaftsdossier. Das sei nicht nur auf die USA beschränkt geblieben: Auch in Großbritannien hätten solche Berater der Bourke Group den Auftrag gehabt, die Anstrengungen der 6500 Beschäftigten von T-Mobile UK zur Anerkennung einer Gewerkschaft niederzuschlagen. In den USA müssen 50 Prozent der Beschäftigten zustimmen, bevor eine Gewerkschaft sich überhaupt in einem Unternehmen betätigen darf.

Die Deutsche Telekom weist die Vorwürfe zurück. Vorstandschef René Obermann sagte dem Spiegel: "Wir nehmen jeden Einzelfall ernst, untersuchen ihn und stellen Missstände ab, sollten sie vorhanden sein." Im Übrigen glaubt er an eine "offensichtliche" Kampagne der Gewerkschaften, um ihren "Einfluss und ihre Machtstellung in den USA zu vergrößern“. Auch die Personalabteilung weist systematisches Vorgehen kategorisch zurück. Bei einigen älteren Fällen sei das Verhalten der Vorgesetzten bereits abgestellt worden.

Zudem verweist der Konzern laut Spiegel darauf, dass T-Mobile in den USA sogar diverse Preise als ausgezeichneter Arbeitgeber eingeheimst habe und die Mitarbeiter nach jüngsten Befragungen mit ihrem Unternehmen höchst zufrieden seien. (tig)

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