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Ghost Recon Breakpoint angespielt: Ubisofts eierlegende Wollmilchsau

Der Militär-Shooter Ghost Recon: Breakpoint bedient sich bei Vorbildern im Ubisoft-Universum. Das ist nicht gerade kreativ, funktioniert aber gut.

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(Bild: Ubisoft)

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Es war ja nur eine Frage der Zeit. Ubisoft, bekannt für seine großen, perfekt ausgereiften Open-World-Abenteuer, holt zum Rundumschlag aus: "Ghost Recon: Breakpoint" bedient sich großzügig bei "Far Cry", "The Division" und "Assassin’s Creed" – und will es dabei allen recht machen.

Man kennt das ja als Videospieler: Irgendwo läuft was schief, die Elite-Soldaten landen im Dreck und am Ende müssen sie doch die Welt retten. Exakt nach diesem Muster funktioniert auch die Story von Breakpoint. Es geht um Geheimorganisationen, Söldner, ein bisschen Rebellion und ganz viel High Tech. Nicht umsonst verweist Ubisoft im Titel auf Tom Clancy, der als literarischer Rechtsausleger gerne mal das Hohelied auf US-amerikanische Supersoldaten und ihre High-Tech-Ausrüstung preist.

In unseren Anspielstunden kommt die Geschichte nicht so recht in Gang. Ob es am Ende um glorreiche Soldaten geht, oder ob die Story noch die Wende zur kritischen Distanz schafft, können wir noch nicht sagen. Was aber sicher ist: Im Vergleich zu den Vorgängern ist die Story persönlicher. Anstatt mehr oder weniger anonyme Soldaten in die Schlacht zu schicken geht es um Kameradschaft, Vertrauen und Verrat.

Was dann kommt, ist typisch Ubisoft: Im Minutentakt bekommen die Spieler neue Missionen, die sie alleine oder zu viert über die Insel führen. Meist geht es nur darum, Basen auszuheben, Zielpersonen zu evakuieren oder Informationen zu beschaffen. Auf der ganzen Insel verteilt finden sich Autos, Hubschrauber oder andere Vehikel, mit denen die Spieler in arcade-lastiger Far-Cry-Manier von einem Ort zum anderen rasen können. Natürlich gehört ein umfangreicher Fähigkeitenbaum und Crafting genauso dazu wie Rastplätze, auf denen sich die Spieler auf ihre Mission vorbereiten können. Cool, aber auch nicht neu: Eine kleine Drohne hilft beim Auskundschaften der Feinde.

In Ghost Recon gibt es nicht nur haufenweise Missionen, sondern auch Waffen und Ausrüstung. Wer erst einmal ein stattliches Arsenal hat, verliert in den unübersichtlichen Menus schnell den Überblick. Dazu hat Ubisoft den Ingame-Shop vollgestopft: Neben kosmetischen Items bekommt man hier zum Beispiel auch Baupläne für neue Waffen – alles für harte Euro.

Ghost Recon Breakpoint angespielt (5 Bilder)

Action, Taktik und ganz viel Loot – Ghost Recon: Breakpoint will jeden Spielertyp erreichen. (Bild: heise online)

Ghost Recon Breakpoint wirkt dadurch wie ein Best-of der Ubisoft-Spiele. Von Far Cry kommt die Insel-Action, wie in Assassin’s Creed können die Spieler feindliche Basen ausheben, aus der Luft ausspionieren und durch Hinweise den nächsten Missionsort finden. The Division liefert nicht nur das Militär-Szenario, sondern auch die Loot-Mechanik.

Es fällt schwer, in diesem Spielemix etwas Besonderes zu finden. Ubisoft hakt alles ab, was wohl mal in irgendeinem Marketing-Meeting als erfolgversprechend angesehen wurde: Open-World-Action, ein bisschen Rollenspiel, ein bisschen Taktik, viel Bumm Bumm und ganz viel Loot. Das alles mag aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein, aber besonders kreativ ist das nicht.

Lässt man den Ideenklau der Macher und das zweifelhafte Monetarisierungskonzept außer Acht, funktioniert dieser Spielemix erstaunlich gut. Das Infiltrieren einer Basis ist für Solisten enorm herausfordernd und erfordert Planung und gezieltes Vorgehen – nach zwei drei Treffern kann das Abenteuer schon vorbei sein. Besonders im Team kommt dann die Taktik ins Spiel, die das ursprüngliche Ghost Recon einmal ausgezeichnet hat. Die Spieler schlüpfen in unterschiedliche Rollen, sorgen für Ablenkung, decken die Feinde aus der Luft mit Sperrfeuer ein oder krachen brachial durch die Mitte. Das birgt für Taktiktüftler und für Actionrabauken enorm viele Möglichkeiten.

Umso ärgerlicher sind dann technische und spielerische Schnitzereien. Die Computergegner gehen schon mal uninteressiert an der Leiche ihres Kameraden vorbei, die offene Spielwelt wirkt leblos, weil Zivilisten und Tiere dem ganzen Geballer meist teilnahmslos zuschauen. Nervig ist außerdem der Onlinezwang. Wird die Verbindung getrennt, ist der Missionsfortschritt weg. Bei den teilweise langen Missionen kann das sehr frustrierend sein. Das haben Far Cry oder Assassin’s Creed eleganter gelöst.

Ghost Recon Breakpoint spielt sich wie das Best-of-Album von Ubisoft: E-Gitarre und Gesang von Far Cry, The Division am Bass und auf die Drums haut Ezio Auditore. Das ist unterhaltsam, umfangreich und fordernd, aber man muss in diesem Spielmix schon lange nach dem Besonderen an der Marke „Ghost Recon“ suchen. Es ist zumindest diskussionswürdig, ob sich dieser Verlust an Identität in dem sich immer ähnlicher werdenden, mit Echtgeld-Angeboten vollgestopften Ubisoft-Universum am Ende wirklich rechnen wird.

Wenn man sich aber mit dem Wandel hin zum Loot-Shooter einmal abgefunden hat, erwartet Ballerfans ein umfangreiches Insel-Abenteuer, das sowohl Solisten als auch Multiplayer-Fans lange vor den Bildschirm fesseln wird.

Ghost Recon: Breakpoint erscheint am 04. Oktober für PS4, Xbox One und Windows. Es kostet ca. 60 €. USK ab 18. Für unseren Artikel haben wir die PS4-Version angespielt. (dahe)