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Giesecke & Devrient hat Appetit auf Bundesdruckerei

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Der Smartcard- und Banknotenhersteller Giesecke & Devrient hat zur Vorlage seines Bilanzberichtes angedeutet, dass das Unternehmen an einer Übernahme der Bundesdruckerei interessiert ist. Ein Erwerb des privatisierten Banknoten- und Ausweisherstellers sei als Option auf der Agenda, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Karsten Ottenberg, nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf der Bilanz-Pressekonferenz (kostenfreie Zusammenfassung).

Mit einem Umsatzplus von fünf Prozent entsprechend 1,3 Milliarden Euro blickt Giesecke & Devrient auf ein gutes Geschäftsjahr 2006 zurück, in dem ein Jahresüberschuss von 81 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. 2007 soll dieses Ergebnis noch einmal übertroffen werden und der Umsatz um 10 Prozent wachsen. Den größten Anteil am positiven Ergebnis hat dem Bilanzbericht zufolge der Geschäftsbereich Banknote, der seinen Umsatz mit 696 Millionen Euro um 13 Prozent steigern konnte und insgesamt 54 Prozent des Gesamtumsatzes bestreitet.

Mit einem Plus von 3,8 Prozent entsprechend 484 Millionen Euro trug der Geschäftsbereich Cards & Services ebenfalls zum Umsatzplus bei, während sich Goverment Solutions mit 113 Millionen Euro nicht so gut entwickelte. In diesen Geschäftsbereich sind Ausweisdokumente und die Produktion der deutschen elektronischen Gesundheitskarte angesiedelt, die noch nicht über kleine Stückzahlen für die Modellregionen herausgekommen ist. Durch die Verlagerung der Kartenproduktion von München in die Slowakei konnte das Problem allerdings in Grenzen gehalten werden.

"Wir werden unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in diesem Jahr nochmals um 30 Prozent auf fast 100 Millionen Euro erhöhen", kündigte Karsten Ottenberg an. Besonders im Banknotenbereich können die Forscher auf Erfolge blicken, die das Geschäft ankurbeln. Gemeinsam mit IBM hat Giesecke & Devrient ein Pecuron genanntes System entwickelt, das für weitere Umsätze sorgen soll. Mit Pecuron wird die Kassiererin vom Kassieren entlastet und ist fürderhin nur noch für das Scannen der Ware zuständig. Alle europäischen Handelsketten sollen an dem System interessiert sein.

Die vor sieben Jahren privatisierte Bundesdruckerei hat im Geschäftsjahr 2006 vor allem mit der Produktion von Ausweisen wie dem elektronischen Reisepass ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Ihre Techniken würden bestens passen, den flauen Geschäftsbereich Government Solutions anzuschieben. Giesecke & Devrient war seinerzeit Bieter beim Verkauf der Bundesdruckerei, konnte jedoch bei der Höhe des Preises nicht mithalten. Diesmal ist das Unternehmen offenbar zuversichtlich, mit der gestiegenen Ertragskraft die Übernahme zu stemmen. "Wir bereiten uns auf einen möglichen Verkaufsprozess in diesem Jahr vor", erklärte Karsten Ottenberg auf der Bilanz-Pressekonferenz.

Weltweit beschäftigt Giesecke & Devrient 8300 Mitarbeiter. Für die 3360 deutschen Mitarbeiter verhandelt der Konzern derzeit über die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden. "Ziel ist es, dass die Mitarbeiter sich stärker einbringen und zugleich am Erfolg beteiligt werden", so Ottenberg zu den Verhandlungen. (Detlef Borchers) / (anw)