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Gig Economy bei Foodora und Deliveroo: Die Folgen der Arbeitsorganisation mit Apps

Wissenschaftler haben die Auswirkungen der neuen Arbeitsorganisation vor allem für Mitarbeiter anhand von Essenslieferdiensten untersucht.

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Gig Economy bei Foodora und Deliveroo: Folgen der Arbeitsorganisation mit Apps

Foodora-Lieferradler in Berlin.

(Bild: dpa)

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In der sogenannten Gig Economy sind die Arbeitnehmer oft auf sich alleine gestellt – sie stehen in der Regel nur per App mit ihren Auftraggebern in Kontakt. Eine App ist Werkzeug und Überwachungs-Tool zugleich. Eine aktuelle Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Die Apps versprechen den Arbeitnehmern neue Freiheiten, üben aber auch eine ungeahnte Kontrolle aus.

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Die neuen Essensplattformen haben zumindest in deutschen Großstädten bereits das Stadtbild verändert. Nicht nur sind die Fahrer der Lieferdienste mit ihren neonfarbenen Essensrucksäcken gerade mittags und abends zu Tausenden auf den Straßen unterwegs – immer mehr Restaurants spezialisieren sich auf die Lieferungen. Auch der Büroalltag ändert sich: Statt gemeinsam in die Mittagspause zu gehen, wird stattdessen in vielen Büros der Online-Bestellzettel herumgereicht. Einfach alle Gerichte auf einem Online-Formular zusammenfassen, abschicken und wenig später steht ein Radfahrer mit dem gewünschten Essen vor der Tür.

Wie dieses Geschäft genau organisiert ist, haben Soziologinnen zusammen mit Juristinnen der Europa-Universität Viadrina anhand der Essenslieferdienste Foodora und Deliveroo überprüft. Zentrale Erkenntnis der Studie: Die Apps sind inzwischen ein zentraler Faktor des Plattformgeschäfts und bestimmen den Arbeitsalltag der Mitarbeiter. Die Fahrer sehen eher ihre Chefs selten oder sind in den Büros der Internet-Firmen wenig anzutreffen. Stattdessen läuft fast die gesamte Kommunikation und Organisation über die Apps, die die Unternehmen ihren Fahrern zur Verfügung stellen.

Beide Anbieter haben dabei gegensätzliche Ansätze. Während Foodora seine Fahrer sozialversicherungspflichtig unter Vertrag nimmt und sie per Stunde bezahlt, setzt Deliveroo auf ein System freier Unternehmer, die auf eigene Rechnung das Essen ausfahren. Die Entscheidung, welches System für die Fahrer einträglicher ist, ist dabei nicht pauschal im Voraus zu beantworten. Deliveroo-Fahrer erhalten in Berlin pro Lieferung 5 Euro und können sich insbesondere zu Stoßzeiten in lukrativen Gegenden ein einträgliches Auskommen sichern. Die Foodora-Angestellten hingegen erhalten etwas mehr als den Mindestlohn – gehen dafür aber nicht leer aus, wenn Auftragsflaute herrscht oder sie in einer wenig lukrativen Schicht eingeteilt werden.

Zentrales Management-Problem beider Anbieter ist es, so viele Fahrer auf die Straße zu bekommen, wie gerade benötigt werden. Ein Mittel dafür sind die Apps. Die Fahrer müssen jeden einzelnen Arbeitsschritt von der Annahme des Auftrags über die Entgegennahme des Essens bis hin zur tatsächlichen Übergabe an den Kunden per App dokumentieren – über die GPS-Funktion sind zudem die Bewegungsprofile der Fahrer transparent. Zudem kontrollieren die Plattformen über ihre Apps die komplette Kommunikation. Zumindest zum überwiegenden Teil: Lokal organisieren sich die Fahrer zuweilen selbst über Chat-Gruppen und Betriebsräte.

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