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Gigabit-DSL: Broadcom will auch ein Stück vom G.fast-Kuchen

Gegen Jahresende dürften die letzten Details der G.fast-Spezifikation festgeklopft werden – und passend dazu rührt sich der Chip-Entwickler und verspricht eigene Käfer für Gigabit-schnelle Internet-Zugänge per Telefonleitung.

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Mit dem DSP BCM65200 und dem Analog-Frontend BCM65900 kündigt der Chip-Hersteller Broadcom seinen ersten für die G.fast-Technik ausgelegten Chip-Satz an. Netzwerk-Zulieferer können damit beispielsweise Linecards für DSLAMs entwickeln. Für die Teilnehmerseite, also den Heim-Router, bietet Broadcom den BCM63138. DSLAM und Router erzielen mittels G.fast über eine herkömmliche Telefonleitung auf Strecken bis 250 Metern Geschwindigkeiten auf Gigabit-Niveau. Beide, den DSLAM-Chipsatz und den Gateway-Chip hat der Hersteller zusätzlich für VDSL-Vectoring ausgelegt. Anfang Oktober hatte Lantiq bereits ein erstes Referenz-Design für G.fast angekündigt; es setzt auf einen Chipsatz von Sckipio.

Der für DSLAMs ausgelegte, im 28-Nanometer-Prozess gefertigte Chip-Satz versorgt bis zu sechs G.fast- oder bis zu 36 VDSL-Leitungen (Profil 17a), entsprechend sei auch simultane Crosstalk-Cancellation (Nebensprech-Unterdrückung) für die beiden Verfahren an Bord. Daneben ist der Chip-Satz auch für VDSL und ADSL geeignet; jede Leitung lasse sich einzeln für G.fast, Vectoring, VDSL oder ADSL konfigurieren. Die BCM65200/900-Familie sei damit die einzige kommerziell erhältliche, mittels der sich neue G.fast-Anschlüsse schalten lassen, während das gleiche System VDSL-Vectoring-, VDSL- und ADSL-Anschlüsse von Bestandskunden weiterhin versorgt werden, meldet Broadcom.

Zurzeit geben die Kabelnetzbetreiber beim Breitbandausbau das Tempo vor, die DOCSIS-Spezifikation liefert in Feldversuchen bereits bis zu 400 MBit/s pro Anschluss. Mittels G.fast könnten Netzbetreiber aufschließen, die nur eine herkömmliche Kupferleitungsinfrastruktur haben und nicht in den Glasfaserausbau bis zum Teilnehmer investieren wollen (Fiber-to-the-Home, FTTH).

(Bild: Broadcom)

Die Firma ist zuversichtlich, dass die Technik stark nachgefragt wird. Weltweit, so zitiert Broadcom Analysten von Infonetics, würden Netzbetreiber von 2014 bis 2018 rund 179 Millionen neue Anschlüsse schalten, von denen 63 Prozent für Vectoring geeignet sind – sei es für das einfache VDSL-Vectoring- oder für das erweiterte G.fast.

Zu den ersten Interessenten zählt das Schweizer Unternehmen Swisscom. Der Netzbetreiber will nun behilflich sein, die Technik zur Marktreife zu führen. Die Deutsche Telekom erklärte auf Anfrage von heisenetze, ebenfalls an G.fast interessiert zu sein, auch arbeite der Bonner Konzern an der Spezifikation mit. Broadcom führt sein Portfolio aktuell auf dem Broadband World Forum in Amsterdam auf dem Stand #MR7 vor. Erste Muster der neuen Chip-Sätze habe man bereits dabei. Wann die Massenfertigung startet, ließ Broadcom offen. (dz)