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Gigabit-Internet: Deutsche Telekom startet Feldversuch für G.fast-Technik

Die Glasfaser ist unumstritten die zurzeit schnellste Internet-Zugangstechnik, aber der Ausbau stockt wegen hoher Kosten. Daher gilt G.fast unter Netzbetreibern als hilfreiche Brückentechnik – aber die Telekom probiert damit etwas neues.

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Gigabit-Internet: Deutsche Telekom startet Feldversuch für G.fast-Technik

Der Weg zu Gigabit-Internet-Anschlüssen führt in manchen Fällen über die gute alte Kupferdoppelader – wenngleich der Weg für so hohe Datenraten dann sehr kurz sein muss.

Die kleinen Netzbetreiber M-Net und Netcologne streben bereits seit einigen Monaten an, Gigabit-Internet-Geschwindigkeiten in München sowie in Köln per G.fast-Technik auf Basis der Kupferdoppelader anzubieten. Nun arbeitet auch die Deutsche Telekom an Plänen, die Highspeed-Technik in ihr Portfolio aufzunehmen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Netzbetreiber müssen ihre Glasfaser nur bis ans Haus der Teilnehmer heranführen (FTTB) und im Gebäude leiten sie das Signal auf der bestehenden Hausverkabelung – also der Telefonleitung – per G.fast zum Teilnehmer weiter.

Einer der ersten Schritte der Telekom besteht darin, G.fast mit bisher ungewöhnlichen Mitteln in einem Feldversuch auszuprobieren: Die Firma will in einem Feldversuch in Frankfurt Wege finden, um erstmals Open-Source-Komponenten zu verwenden. Das erklärte Robert Soukup, Senior Program Manager der Deutschen Telekom auf dem aktuell laufenden Broadband World Forum in Berlin. Unter anderem der Internet-Gigant Facebook hatte bereits 2015 vorgemacht, wie man Hardware unter Einsatz von Open-Soruce-Mitteln nach eigenen Bedürfnissen preisgünstig maßschneidern kann.

Die Telekom setzt für ihre ehrgeizigen Pläne auf die Unterstützung von Systemintegratoren und auf Konzepte des CORD-Projekts der Open Networking Foundation (ONF). Dabei wird quelloffene Software mit preisgünstiger handelsüblicher Hardware verknüpft. Die Experimente sollen bis Jahresende verwetbare Ergebnisse liefern. Erst dann dürfte entschieden werden, ob und wie G.fast von der Telekom angeboten wird. Offenbar schmecken der Telekom die Einkaufspreise der überschaubar wenigen G.fast-Zulieferer nicht. M-Net und Netcologne haben Huawei respektive ZTE ins Boot geholt und konnten daher schon im Mai auf der Anga Com in Köln G.fast-Übertragungen demonstrieren.

Generell eignet sich G.fast zwar auch für Einfamilienhäuser, aber Netzbetreiber haben bislang aus wirtschaftlichen Erwägungen nur größere Wohnblocks in Städten ins Visier genommen. Je nach Infrastruktur könnte die G.fast-Technik auch ab dem Distributionspunkt zu einem Gebäude herangeführt werden (FTTdp), zum Beispiel unter dem Gehweg. Entscheidend ist, welche Datenraten sich die jeweiligen Teilnehmer erhoffen. Gigabit-Niveau liefert G.fast nur auf sehr kurzen Strecken. Schon auf 100 Meter Entfernung zwischen Glasfaserende und G.fast-Modem beim Teilnehmer lassen sich allenfalls noch 500 MBit/s übertragen. Bei einer Distanz von 250 Metern sind noch bis zu 150 MBit/s erreichbar.

G.fast steht für fast access to subscriber terminals. Die Technik wird bereits seit einigen Jahren entwickelt, der Einsatz kommt also nicht überraschend. Weitere Details zu G.fast, darunter auch zu denkbaren neuen Tarifmodellen, finden Sie im kostenlos erhältlichen Beitrag "Gigabit-Internet auf der Telefonleitung: Was G.fast verspricht". (dz)

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