"Gigafactory" in Brandenburg: Demos gegen und für Tesla-Ansiedlung

Die geplante Tesla-Ansiedlung in Grünheide spaltet die Bürger. Kritiker fürchten um Natur und Wasser. Befürworter wollen gestalten statt verhindern.

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Zufahrt zu A10 am Rand von Freienbrink in der Gemeinde Grünheide.

(Bild: dpa)

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Mit Trillerpfeifen und bunten Transparenten haben am Samstag in Grünheide (Oder-Spree) nach Polizeiangaben rund 200 Menschen gegen die Ansiedlung des US-Elektroautobauers Tesla demonstriert. Das waren mehr Teilnehmer als erwartet. Laut Polizei war eine Demonstration gegen die geplante Fabrik mit bis zu 100 Teilnehmern angemeldet worden. "Keine Großfabrik im Wald" und "Geheim verhandelt – Umwelt verschandelt" stand auf Plakaten. Die Bürger protestierten damit gegen die Rodung des Waldes für das große Gelände, auf dem die Fabrik gebaut werden soll.

An einer weiteren Demo für die Tesla-Ansiedlung nahmen in der Gemeinde dagegen circa 30 Menschen teil, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte. Nach Angaben der Veranstalter waren es jedoch rund 50 Teilnehmer, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. Auf Transparenten stand "Elon, ich möchte ein Auto von Dir" oder "Gestalten statt verhindern." Einige Bewohner aus Grünheide waren mit ihren Tesla-Fahrzeugen gekommen.

In Grünheide bei Berlin sollen vom Sommer 2021 an Elektroautos der Typen Model 3 und Y gebaut werden. Der Vorstand hat den Kaufvertrag mit dem Land bisher noch nicht gebilligt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte dazu am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, es könne sein, das Tesla noch auf ein weiteres Gutachten zum Kaufpreis warte.

"Warum muss das alles so holterdiepolter gehen", sagte ein Tesla-Gegner einem dpa-Reporter in Grünheide. Das gehe alles viel zu schnell. Ein anderer Demonstrant ergänzte: "Da kommt ein Milliardär aus den USA und wedelt mit den Geldscheinen und auf einmal ist in Brandenburg alles möglich". Die Gegner des Baus der Tesla-Fabrik befürchten unter anderem auch, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte. Das Gelände der geplanten Fabrik liegt in einer Trinkwasserschutzzone.

Als ein Zug von Tesla-Gegnern an den Befürwortern vorbeilief, kam es kurzzeitig zu verbalen Auseinandersetzungen. Beide Seiten beschimpften sich gegenseitig. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Die Lage beruhigte sich anschließend wieder.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) äußerte in der Märkischen Oderzeitung (Samstag) Unverständnis für die Tesla-Skeptiker. Die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, sei nicht überall gegeben, sagte er dem Blatt. "Wir haben eine große Beharrungsmentalität". Die Leute wollten, dass ihre Kinder nicht mehr für gute Jobs wegziehen müssen. Es solle zu Hause gute Jobs geben – aber nicht in Form einer Fabrik, nicht vor der eigenen Haustür, so Steinbach.

Auch in den nächsten Tagen sollen die Demonstrationen von Tesla-Gegnern weitergehen, unter anderem mit einem Waldspaziergang. Von den Befürwortern hieß es hingegen, die Demonstration für Tesla sei eine einmalige Aktion gewesen, die ein Zeichen setzen sollte, dass Menschen im Ort den Autobauer willkommen heißen. (tiw)