Gillette will von Bespitzelung durch RFID-Tags nichts wissen

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Der US-amerikanische Rasierklingen-Hersteller Gillette hat Beschwerden von Verbraucherschützern zurückgewiesen, seine auf Produktpackungen aufgeklebten RFID-Tags dienten dazu, das Kaufverhalten von Kunden auszuspähen. In einer Filiale der britischen Supermarktkette Tesco in Cambridge waren vor rund einem Monat erstmals Rasierklingen der Marke Gillette Mach3 aufgetaucht, auf denen solche RFID-Tags -- kleine Chips, die per Funk eine Kennung aussenden, um Gegenstände zu identifizieren -- angebracht waren.

Nach Angaben von Gillette-Sprecher Paul Fox diente der Ende Juli abgeschlossene Testlauf mit RFID-Tags lediglich einer möglichen Verbesserung der Logistikkette. Die Vereinigung Consumers Against Supermarket Privacy Invasion and Numbering (CASPIAN) hatte allerdings herausgefunden, dass der Supermarktbetreiber zusätzlich jeden Kunden heimlich fotografierte, der nach den mit Funk-Etiketten ausgestatteten Rasierklingenpackungen griff. Auch an den Kassen waren Kameras postiert, die alle Kunden filmten, die mit einer RFID-Ware den Laden verlassen wollten.

CASPIAN rief daraufhin zu einem weltweiten Boykott gegen Gillette auf. "Wir machen Gillette und anderen Unternehmen damit klar, dass Verbraucher es nicht tolerieren, beim Einkaufen bespitzelt zu werden", sagte CASPIAN-Direktorin Katherine Albrecht. Gillette-Sprecher Fox beteuerte jedoch gegenüber US-Medien, dass sein Unternehmen "weder früher noch jetzt die Absicht hatte, Kunden nachzuspionieren, sie zu fotografieren oder zu filmen". Ein Vertreter der Supermarktkette räumte allerdings ein, Tesco habe im Rahmen des Gillette-Projekts auch "sicherheitsrelevante Vorteile" von RFID-Tags getestet. So habe man aufgrund der Informationen aus dem RFID-System einen vermeintlichen Dieb der örtlichen Polizei übergeben können.

Die Supermarktkette Wal-Mart hatte unlängst ebenfalls Rasierklingenpackungen von Gillette mit den Funk-Etiketten ausstatten wollen, den Versuch aber wieder gestoppt. Bekleidungshersteller wie Benetton planen unterdessen, RFID-Tags künftig ihre Produkte einzunähen. Chiphersteller Texas Instruments hat dazu gerade ein RFID-Tag für den Einsatz in Textilien entwickelt, das eine chemische Reinigung in einer Wäscherei übersteht. (pmz)