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Gimp 2.10 und das alte Versprechen der neuen Engine

Das Warten hat ein Ende: Gimp 2.10 ist da. Sechs Jahre sind seit der vorigen Version vergangen. Endlich rechnet die freie Bildbearbeitung in hoher Farbtiefe. Als Zugabe gibts viele moderne Funktionen und eine schicke Oberfläche.

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Gimp 2.10 und das alte Versprechen der neuen Engine

Gimp 2.10 unterstützt hohe Farbtiefe und somit Foto-Entwicklung. Dabei hilft auch ein neuer Dialog für Schatten und Lichter.

Gimp 2.10 markiert den größten Umbau des Open-Source-Grafikprogramms seit 15 Jahren. Die neue Version rechnet endlich in der bereits im April 2012 angekündigten Grafikbibliothek GEGL. Der vorige Unterbau stammt aus den 90ern und ist nun Geschichte.

Alle Korrekturen an Belichtung, Farbe, Helligkeit, Kontrast und Sättigung berechnet Gimp je nach Filter in 16 Bit beziehungsweise 32 Bit Farbtiefe pro Kanal – wahlweise in Gleitkommaoperationen – und schließt damit zu modernen Bildbearbeitungsprogrammen auf. Gimp 2.8 arbeitet lediglich mit 8 Bit Farbtiefe pro Kanal.

Damit einhergehend unterstützt Gimp die Formate PNG, TIFF, PSD und FITS mit mehr als 8 Bit Farbtiefe pro Kanal sowie das freie HDR-Format OpenEXR. Alle GEGL-Funktionen sollen alle vorhandenen CPU-Kerne nutzen können. Mit Hardware-Beschleunigung über OpenCL experimentiert das Gimp-Team noch. Ein Dashboard informiert über die Ressourcennutzung (im Titelbild oben rechts).

Zu den alten GEGL-Versprechen gehört auch, dass Gimp die Wirkung von Filtern wie dem Gauß'schen Weichzeichner oder des Unscharfen Maskierens bereits während der Bearbeitung im Dokumentenfenster anzeigt.

Die höhere Farbtiefe ermöglicht erst moderne Foto-Entwicklung unter Gimp. Über Darktable oder RawTherapee importiert Gimp 2.10 Raw-Fotos. Ein neuer GEGL-basierter Filter ermöglicht die gezielte Korrektur von Schatten und Lichtern. Eine Clip-Warning-Anzeige informiert über unter- und überbelichtete Bereiche. Außerdem bringt Gimp einen Dialog für Exif-, XMP- und IPTC-Metadaten mit.

Mit GEGL kommt vollständige ICC-Farbverwaltung. Eine wichtige Neuerung könnte im Alltag Stress vermeiden: Gimp stellt nach einem Absturz die Bilder aus dem Arbeitsspeicher wieder her. Die Oberfläche steht nicht nur in Hellgrau, sondern auch in Mittel- und Dunkelgrau zur Verfügung. Außerdem stehen die Symbole in vier Größen zur Verfügung, sodass sie sich auch für hochauflösende Monitore eignen. Die Arbeitsfläche lässt sich künftig rotieren.

Die Arbeitsfläche lässt sich rotieren; Pinsel bleiben dabei auf Wunsch in Standardstellung.

Die Verrechnungsmodi der Ebenenpalette hat das Gimp-Team komplett neu entwickelt und um einige Neuzugänge ergänzt. Die Modi alter XCF-Dateien bleiben aber erhalten. Masken lassen sich nun auf Ebenengruppen anwenden.

Das neue Werkzeug "Unified Transformation" erspart Klicks, indem es verschiedene Werkzeuge vereint. Es kann Ebenen skalieren, rotieren, verzerren oder die Perspektive ändern.

Nicht nur Ebenen, sondern auch Ebenengruppen können nun Masken tragen.

Das Gradientenwerkzeug – in anderen Programmen und Gimp 2.8 als Farbverlauf bekannt – verteilt die Farben wahlweise mit Wahrnehmungs- oder linearem Farbraum, was zu sehr unterschiedlichen Resultaten führen kann. Außerdem lassen sich Verläufe direkt auf der Arbeitsfläche bearbeiten.

Hinzu kommen etliche Detailverbesserungen in der Ansicht, an der Farbauswahl, bei der Freistellhilfe und bei der Arbeit mit Ebenen. Gimp 2.10 steht ab sofort auf der offiziellen Projektseite gimp.org zum Download bereit.

Siehe dazu auch:

  • Gimp bei heise Download
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