Gipfel in Kopenhagen produziert viel heiße Luft

Am Ende des Weltklimagipfels steht eine vage Vereinbarung, die von den Politikern der Teilnehmerländern lediglich "zur Kenntnis" genommen wird.

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Von
  • Dorothee Wiegand

Die von vielen Hoffnungen begleitete Klimakonferenz in Kopenhagen ist beendet. Der fast zweiwöchige Verhandlungsmarathon schloss mit einer weitestgehend ergebnislosen Sitzung. Am Ende wurde nicht einmal über einzelne Punkte einer gemeinsamen Vereinbarung abgestimmt. Der Minimalkonsens des Weltklimagipfels lautet: Die Vertreter der teilnehmenden Länder nehmen die Abschlussvereinbarung "zur Kenntnis". Damit steht es jedem Land frei, die vereinbarten Ziele konkret umzusetzen oder nicht. Nachdem die Verhandlungen mehrfach unterbrochen worden waren und teils chaotische Zustände herrschten, gab der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen am Samstagvormittag die Konferenzleitung ab, berichtet die Wochenzeitung Die Zeit online.

Auf der offiziellen Webseite der Konferenz steht ein Entwurf des "Copenhagen Accord" zur Verfügung (englischsprachiges PDF). Der erste Satz der Vereinbarung lautet "Wir unterstreichen die Tatsache, dass der Klimawandel eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist." Sehr viel konkreter wird das Papier im Folgenden nicht. Es formuliert lediglich die Absicht, die von Wissenschaftlern geforderte Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad anzustreben. Klimaforscher gehen davon aus, dass zwei Grad Celsius eine kritische Grenze für die Erwärmung markieren. Für den Fall, dass diese Grenze überschritten wird, rechnen viele von ihnen mit irreversiblen Ereignissen, etwa dem vollständigen Schmelzen des Grönlandeises.

An der Formulierung der Vorlage waren der US-Präsident Barack Obama, der chinesische Regierungschef Wen Jiabao sowie Vertreter der EU-Länder beteiligt. Eine Gruppe ärmerer Länder hatte das Verfahren scharf kritisiert, den Text nicht im Plenum, sondern im kleinen Kreis zu verhandeln und zeigte sich über das Ergebnis tief enttäuscht. Der Chef-Unterhändler des Sudan, Lumumba Stanislaus Di-Aping, der als Sprecher auch alle in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen Entwicklungsländer vertritt, sprach von einer drohenden "Auslöschung von Afrika", berichtet Die Zeit online. Die Afrikaner seien in Kopenhagen aufgefordert worden, ihrem Selbstmord zuzustimmen, so der Sudanese. Als "schwarzen Tag für die Klimaforschung" bezeichnet der Klimaexperte Mojib Latif den Ausgang der Konferenz in einem Interview mit der ARD.

Siehe dazu in Telepolis:

(dwi)