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Gläubiger fordern Auflösung von Lernout & Hauspie

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Das von Skandalen gebeutelte Unternehmen Lernout & Hauspie steht vor dem endgültigen Aus. Laut dem Wall Street Journal hat sich jetzt die Mehrheit der Gläubiger für eine Auflösung des maroden Spracherkennungs-Spezialisten ausgesprochen. Mit einem Total-Ausverkauf sollen jetzt die Schulden der Firma abgetragen werden.

Der schmale Silberstreif am Horizont, der sich in Form einer Neugründung der Firma mit dem erfolgreichen Kerngeschäft Spracherkennung unlängst zeigte, ist damit auch gleich wieder in der Versenkung verschwunden. Die Befürworter des Ausverkaufs halten immerhin 99 Prozent der Gesamtforderungen. Zu den größten Gläubigern gehören nach Informationen des Wall Street Journal die Deutsche Bank und die Dresdner Bank. Die beiden waren Teil eines Konsortiums, das der belgischen Firma Kredite von mehr als 470 Mio. Euro gewährte, um Dictaphone aufzukaufen. Die Werte dieses Herstellers von Diktiergeräten werden natürlich ebenfalls veräußert.

Bevor der Verkauf jedoch beginnen kann, muss ein belgisches Handelsgericht dem Konkurs zustimmen. Eine Anhörung in dieser Sache soll am 20. Juni in Yper, wo sich auch der Hauptsitz von L&H befindet, stattfinden. Der Ausgang der Gespräche gilt dann auch nur für Belgien, für den Verkauf des Firmeneigentums in den USA müssen die amerikanischen Behörden noch ihr O.K. geben.

Der Niedergang von L&H liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Es begann Ende 2000 mit gefälschten Bilanzen, Schadenersatzklagen von Anlegern aus aller Welt folgten; man trennte sich von einigen Niederlassungen und vielen Mitarbeitern. Dann wurden Verbindungen mit dem Bundesnachrichtendienst BND aufgedeckt und der Konzern war mit Schulden in Milliardenhöhe wieder in der Presse. Schließlich wurden im April die Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie zusammen mit einem ihrer Spitzenmanager inhaftiert und sitzen seitdem hinter Gittern. Bis Ende Juni gilt noch der Gläubigerschutz, danach ist Lernout & Hauspie wieder zur Zahlung verpflichtet. (cgl)