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Glanz und Elend der deutschen EDV -- zum 65. Geburtstag von Ilse Müller

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In der Geschichte der Computertechnik sind Frauen kaum präsent. Lichte Gestalten wie Ada Byron beziehungsweise Lady Lovelace und pflichtbewusste Soldatinnen wie Adele Goldberg sind bekannt, doch die Mühen der Ebenen sind schnell vergessen. Die heute vor 65 Jahren in Stuttgart geborene Ilse Müller gehört zu den Pioniergestalten der deutschen EDV, auch wenn die Beschreibung als Mutter der PC etwas verquer ist.

Zusammen mit ihrem Mann Otto Müller, Konstrukteur der Wanderer Logatronic (später Nixdorf 820), arbeitete sie an der Entwicklung des Telefunken-Rechners TRX 1959 mit und gründete schließlich 1972 die Konstanzer Firma Computer Technik Müller (CTM), die mit der CTM 70 und dem Betriebssytem CTM-ITOS die Bürokommunikation erschloss. Zeitweilig sah es aus, als ob die vernetzten Bürosysteme von CTM den Markt dominieren könnten, doch das Erscheinen der Personal Computer stoppte die Entwicklung. Nach dem Verkauf der Firma an die französische Alcatel gründete Ilse Müller mit ihrem Mann im Jahre 1986 die Firma Hyperstone, die zunächst RISC-Chips, später Flash-Controller und -Speicher entwickelte. Parallel zu dieser Arbeit schrieb sie ein Buch, "Glanz und Elend der deutschen Computerindustrie", eine sehr emotionsgeladene Abrechnung mit der Branche.

Obwohl sich Hyperstone eine Reihe wichtiger Patente sichern und Lizenzen an Firmen wie Zilog und LG Semicon verkaufen konnte, gelang es der Firma nicht, in direkter Konkurrenz zu Firmen wie ARM einen größeren Markt zu besetzen. Hyperstone wurde schließlich an die Firma CML Microcircuits verkauft. Heute hat Hyperstone Chips für Navigationssysteme und MP3-Player im Programm, während Ilse Müller über die Müller-Angstenberger-Stiftung residiert, die im Bereich der Krebsvorsorge aktiv ist. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (jk)

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