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Globaler Elektroschrottberg ist auf 45 Millionen Tonnen angewachsen

Im Vergleich zu 2014 hat sich die Menge weggeworfener Elektrogeräte 2016 weltweit um acht Prozent vergrößert, nur rund 20 Prozent davon wurden recycelt. Auf das Konto von Deutschland gehen 1,9 Millionen Tonnen Elektromüll.

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Alte Computer

(Bild: dpa, Stefan Sauer/Symbol)

Die globale Müllhalde von alten Eletrogeräten wächst trotz verstärkter Recyclingbemühungen vor allem in Europa weiter rasant an. Der Berg an weggeworfenen Computern, Fernsehern oder Kühlschränken ist einer neuen Studie zufolge weltweit 2016 gegenüber 2014 um acht Prozent auf 44,7 Millionen Tonnen gewachsen. Das entspricht dem Gewicht von 4500 Eiffeltürmen. Einem Recycling zugeführt wurden davon nur 8,9 Millionen Tonnen, also rund 20 Prozent. Bis 2021 ist so mit einer weiteren Zunahme der Schrottmenge um 17 Prozent auf 52,2 Millionen Tonnen zu rechnen.

Die Zahlen stammen aus dem "Global E-Waste Monitor 2017", den die Genfer International Telecommunication Union (ITU) am Mittwoch gemeinsam mit der Universität der Vereinten Nationen (Unu) und der International Solid Waste Association (ISWA) veröffentlicht hat. Die ITU warnt in diesem Zusammenhang vor wachsenden Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit, wenn immer mehr Elektroschrott unsachgemäß auf Müllkippen lande oder verbrannt werde. Auch der wirtschaftliche Schaden sei groß: der Wert nicht wiederverwerteter Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Platin oder Palladium habe beim E-Müll 2016 rund 55 Milliarden US-Dollar betragen.

Als Hoffnungsschimmer bezeichnen es die Studienautoren, dass derzeit 66 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern lebten, in denen das Recycling von Elektrogeräten gesetzlich vorgeschrieben sei. Das entspreche einem Plus von 44 Prozent gegenüber 2014. Dennoch führe die Digitalisierung dazu, dass immer mehr strombetriebene Apparate gekauft und wieder weggeworfen würden. In Deutschland etwa betrage die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones nur 19 Monate, in den USA knapp 21. Allein die jährlich gefertigten Stecker und Ladegeräte für Handys und Laptops wögen eine Million Tonnen. Einer weiteren Zunahme in diesem Bereich könnten einheitliche Ladeadapter entgegenwirken.

Auf die USA entfielen im vorigen Jahr 6,3 Millionen Tonnen Elektroschrott oder 19,4 Kilo pro Einwohner; auf Europa 12,3 Millionen. Auf dem alten Kontinent kommen damit pro Nase durchschnittlich 16,6 Kilogramm des entsprechenden Mülls; der weltweite Vergleichswert liegt bei 6,1 Kilogramm. Deutschland hat mit 1,9 Millionen Tonnen den größten Anteil am europäischen Aufkommen, was 22,8 Kilogramm pro Einwohner entspricht. Den höchsten Ausstoß pro Kopf verursachen in Europa die Norweger mit 28,5 Kilogramm. Die EU und benachbarte Länder haben der Analyse nach auch die fortschrittlichsten Recycling-Praktiken. Die Wiederverwertungsrate liege in Nordeuropa mit 49 Prozent weltweit am höchsten.

ITU-Generalsekretär Houlin Zhao bezeichnete das Sammeln und Recyceln von Elektromüll als "dringende Angelegenheit" in der digital-vernetzten Welt von heute. Die UN-Organisation habe dafür in ihrer einschlägigen Agenda 2020 entsprechende Ziele gesetzt. Die Mitgliedsstaaten müssten nun rasch die notwendigen Strategien und Standards entwickeln. Unu-Vizerektor Jakob Rhyner warb dafür, die nationalen Datenlagen zu E-Schrott zu verbessern und international stärker vergleichbar zu machen. Die bestehenden globalen und regionalen Schätzungen basierten auf Produktions- sowie Handelsstatistiken und berücksichtigten so die Risiken einer unangemessenen Entsorgung nicht hinreichend. (Stefan Krempl) / (vbr)

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