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Globaler Standard für opportunistische Frequenznutzung

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Die Internet Engineering Task Force arbeitet an einer Spezifikation zur Nutzung einer "Funk-Allmende". Beim 80. Treffen der IETF in Prag stellten Entwickler der Unternehmen NeuStar und Nokia ein Modell vor, das Cognitive Radios eine einheitliche Abfrage an nationale oder regionale Datenbanken zur jeweils aktuellen Verfügbarkeit wenig und nicht effektiv genutzter Frequenzen erlauben soll – im Wesentlichen im UHF-TV-Band. Die opportunistische Nutzung von zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Regionen durch die Lizenznehmer nicht ausgeschöpften Frequenzkapazitäten soll Spektrum für zusätzliche Dienste verfügbar machen, sagte Basavaraj Patil von Nokia in Prag.

Dabei soll ein simples Konzept Störungen für lizenzierte Dienste der Erstnutzer verhindern: "Wenn sich ein frequenzsuchendes Endgerät innerhalb eines festgelegten Radius befindet, in dem der Erstnutzer bereits eine solche Frequenz verwendet, kann es darauf nicht zugreifen", sagte Brian Rosen von NeuStar. In den USA gebe es gleich 10 verschiedene Klassen solcher Nutzer, darunter etwa kabellose Mikrophone.

NeuStar ist eines von neun US-Unternehmen, das vom US-Regulierer Federal Communications Commission (FCC) eine Lizenz für den Betrieb einer solchen Datenbank erhalten hat. In Europa haben allen voran der britische und der finnische Regulierer (Ficora) Konzepte für eine solche Zweitnutzung „weißer Flecken“ entwickelt. Die britische Ofcom anerkannte dabei zunächst grundsätzlich den Bedarf für mehr unlizensierte Frequenznutzung und favorisierte einen privat-kommerziellen Datenbankbetrieb.

Die EU-Kommission erhielt im Rahmen ihrer Konsultation zu Cognitive Radio Anfang des Jahres stark auseinander gehende Stellungnahmen: Der Verband der Mobilfunkbetreiber warnte, "Softwareradio-Technologien müssten vor einer Einführung noch besser untersucht werden, bevor lizenzfreie Nutzungsmodelle auf breiter Front eingeführt werden können". Dem hielt der Verband DigitalEurope entgegen, die Gemeinschaft müsse rasch geeignete Frequenzen ausweisen. Dabei sollte über ein einheitliches Modell für die Zulassung der nicht lizenzpflichtigen Nutzung in ganz Europa angestrebt werden. In DigitalEurope sind zahlreiche IT-Unternehmen und Verbände, aus Deutschland etwa die Bitkom und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, vertreten.

Eine schnelle Frequenzzuweisung erhoffen sich natürlich auch die Experten bei der IETF, auch wenn dort aktuell nur die Vorgaben der FCC vorliegen. In den maßgeblichen Dokumenten für die neue Arbeitsgruppe wird die Rückkoppelung mit anderen Standardisierungsorganisationen, wie IEEE und ETSI zugesichert. Die Datenbanken sollen die nationalen oder – aus Sicht der Standardisierer bevorzugten regionalen (etwa EU-weiten) Regulierungsvorgaben spiegeln. Die Art der Abfragen soll hingegen gleichförmig sein.

Das Interesse der Hersteller am globalen Standard ist groß, man möchte verschiedene Systeme wegen höherer Gerätekosten vermeiden. Eine "Sensing-Intelligenz" in den Geräten hat man laut Patil aus Kostengründen zurückgestellt; die Spektrumsabtastung direkt durch das Gerät soll zunächst durch die Abfrage der Datenbank ersetzt werden. Wie häufig dabei Updates notwendig sind? Etwa minütlich müsse aktualisiert werden, so Patil. (ea)