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Gmail: Werbung soll E-Mails nicht mehr mitlesen

Google scannt E-Mails für personalisierte Werbung - nun will das Unternehmen das kontroverse Vorgehen einstellen. Auch seine anderen Werbeprogramme nimmt das Unternehmen zur Zeit unter die Lupe.

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(Bild: Google)

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Die Abkehr des Mail-Scans für Werbung kündigt die für Googles Cloud-Geschäft zuständige Managerin Diane Greene im Unternehmens-Blog an: "Nach dem Wechsel wird der Inhalt der Nachrichten in Gmail nicht mehr gescannt, um die Anzeigen zu personalisieren", erklärt die Google-Managerin. Den genauen Zeitpunkt verrät Greene aber nicht.

Bereits zum Start im Jahr 2004 hatte Google mit der umstrittenen Methode für seinen E-Mail-Service begonnen: Um den kostenfreien Dienst zu finanzieren, zeigte Google den Nutzern im Web-Interface Werbung an, die darauf zugeschnitten war, welche Inhalte die E-Mails im Posteingang des Nutzers hatten. Wer beispielsweise eine Urlaubsreise in nach New York plant, könnte beispielsweise Werbung für passende Hotels eingespielt bekommen.

Das Vorgehen von Google hatte damals für Empörung gesorgt. Dennoch war die Nachfrage für den werbefinanzierten Online-Dienst groß aufgrund des überlegenen Interface und des zu dem Zeitpunkt konkurrenzlosen Speicherangebots. Bei den inzwischen 3 Millionen Bezahl-Kunden für die Google G Suite entfiel diese Werbung.

Ganz verschwinden wird die Werbung in der kostenlosen Gmail-Variante aber auch weiterhin nicht, und auch die Personalsierung bleibt. Der Konzern wird sich jedoch nach anderen Kriterien richten, die ihm zur Verfügung stehen. So kann Google einem Kunden Anzeigen ausspielen aufgrund des vom Android-Smartphone gemeldeten Standorts, der besuchten Websites oder von Kreditkarten-Transaktionen. Hotelwerbung könnte jetzt zum Beispiel dann angezeigt werden, wenn ein Nutzer die Google-eigene Reise-App nutzt.

Gescannt werden die E-Mails auf Gmail weiterhin, um etwa Komfortaktionen des Google-Assistenten Now zu nutzen, wie das Zusammenstellen von Reiseplänen und Flugtickets etwa. Google-Kunden können ihr Nutzerprofil und verknüpfte Datenquellen in den eigenen Accounteinstellungen überprüfen und die Personalisierung der Werbung gegebenenfalls deaktivieren.

Auch bei anderen Plattformen stellt der Internetkonzern seine Werbeformen derzeit um und gestaltet seine Werbestrategie neu. Zum Werbefestival in Cannes präsentierte die Google-Videoplattform YouTube beispielsweise ihre neuen Bumper Ads, die nur sechs Sekunden dauern, dafür aber auch nicht übersprungen werden können. Gleichzeitig wirbt Google bei Werbepartnern dafür, Werbeformen mit programmatischen Informationen anzureichern, sodass die Mini-Werbespots auf die Interessen des jeweiligen Publikums zugeschnitten werden können.

Zudem hat der Konzern angekündigt, in seinen Browser Chrome ab 2018 einen eigenen Werbefilter einzubauen, der besonders störende Werbeformen wie Auto-Play-Videos mit Sound und Popups unterbinden soll. Damit will Google eigenen Angaben zufolge die Qualität auf dem Werbemarkt heben.

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe der c't verspricht der für Chrome zuständige Manager Google-Manager Rahul Roy-Chowdhury, dass der Konzern jedoch keinesfalls vorhabe, die Maßnahme zur Förderung der eigenen Werbung einzusetzen. Gleichzeitig gibt er den Adblockern für die Desktop-Version von Chrome Bestandsschutz: "Das Chrome-Team hat keinerlei Pläne, etwas daran zu ändern, wie Adblocker funktionieren."

Mehr Informationen zu Googles Werbeplänen und den Forderungen der Werbeindustrie finden Sie in der aktuellen Ausgabe der c't:

(acb)