Menü

Gnome 3.34: Modellpflege am Vorzeige-Linux-Desktop

Die neue Version des Linux-Desktops ist etwas schneller und etwas schicker. Sysprof ist mächtiger als zuvor. Und es ist einfacher, Wallpaper zu verwalten.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 257 Beiträge

Die Vorschau neuer Hintergrundbilder ist bei Gnome 3.34 eleganter gelöst als bei den Vorgängern.

(Bild: gnome.org)

Von

Das Gnome-Projekt hat Version 3.34 seines Linux-Desktops veröffentlicht, der mit vielen beliebten Linux-Distributionen als Standard mitgeliefert wird. Die neue Version trägt den Codenamen "Thessaloniki".

Während im Zuge der im März veröffentlichten Version 3.32 größere Umbauarbeiten an der Benutzeroberfläche erfolgten (ungerade Versionsnummern sind bei Gnome Entwicklungs-Releases, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind), haben sich die Entwickler des Open-Source-Projektes diesmal auf Detailverbesserungen konzentriert und weiter an bereits begonnenen Änderungen gefeilt.

So wurden etwa die Systemeinstellungs-App, der mitgelieferte Browser Web und die Gnome-Music-App weiter überarbeitet. Auch die Performance der Benutzeroberfläche wurde noch einmal verbessert. Diese und weitere Neuerungen haben die Entwickler auch in den Release-Notes zu Version 3.34 zusammengefasst.

Vor allem Power User werden sich darüber freuen, dass das Analyse-Tool Sysprof nun mächtiger ist und mehr Möglichkeiten bietet. Dabei wurde nicht nur das Aussehen des Programms überarbeitet, sondern es kamen auch neue Datenquellen für Energieverbrauch, Netzwerk-Traffic und Platten-I/O hinzu. Außerdem integriert das Sysprof nun Logging für interne Gnome-Komponenten wie GTK und Mutter, mit dem Entwickler ihre Gnome-Programme auf Flaschenhälse und Performance-Probleme untersuchen können.

Ziel der Sysprof-Entwickler ist unter anderem, Programme, die zu Gnome gehören, effizienter zu machen – vor allem im Hinblick auf batteriebetriebene Systeme. Aber auch normale Anwender, die mit Sysprof Performance-Problemen ihres Systems auf die Spur kommen wollen, werden diese Verbesserungen begrüßen.

Eine schöne Änderung sind auch die Verbesserungen am Einstellungsbildschirm, mit dem Gnome-Nutzer ihre Desktop-Hintergrundbilder konfigurieren. Endlich muss man seine Wallpaper nicht mehr im Bilder-Ordner des Home-Verzeichnisses ablegen, sondern kann ein beliebiges Bild irgendwo auf dem System auswählen. Dass die Gnome-Entwickler hier endlich von ihrer dickköpfigen Design-Entscheidung abgerückt sind, wird sicherlich viele Nutzer freuen.

(Bild: gnome.org)

Music, die Standard-Musik-App der Desktopumgebung, kann in der neuen Gnome-Version automatisch Musik-Verzeichnisse überwachen. Neu hinzugefügte Musik wird in die Bibliothek aufgenommen, ohne dass der Nutzer etwas tun muss. Außerdem unterstützt Music nun die unterbrechungsfreie Wiedergabe von Alben – gute Nachrichten für Liebhaber von Live-Musik oder Hörspielen. Und natürlich wurde auch bei der Music-App weiter an der Benutzeroberfläche herumoptimiert.

(Bild: gnome.org)

Im mit Gnome ausgelieferten Browser namens Web, früher auch als Epiphany bekannt, können Anwender nun endlich einzelne Tabs auf der linken Seite der Tab-Leiste verkleinert anpinnen – ein Feature, das viele andere Browser seit Jahren bereitstellen. Web soll jetzt auch schneller im Web unterwegs sein, da unter der Haube die Geschwindigkeit des Browsers verbessert wurde. Diese Änderungen werden viele Gnome-Nutzer allerdings kaum betreffen, da sie im Alltag mit anderen Browsern wie Firefox oder Chromium unterwegs sind.

Nach der Modernisierung der App-Icons bei Gnome 3.32 gibt es in der neuen Version einige Nachzügler-Apps, die ebenfalls frische Symbole verpasst bekommen haben. Dazu gehören unter anderem die Programme für Fotos, Videos und die Todo-Liste.

In der Programmübersicht kann man nun außerdem viel einfacher Ordner anlegen, in denen sich mehrere Apps zusammenfassen lassen. Das funktioniert haargenau wie auf dem Home-Bildschirm eines iOS-Gerätes: Man zieht einfach ein Icon einer App auf das einer anderen und lässt los, sobald man die entsprechende Animation sieht. Solchen Ordnern kann man dann mit einem Rechtsklick einen beliebigen Namen geben.

Per Drag-and-Drop kann man Icons gruppieren.

(Bild: gnome.org)

Auch mit der neuesten Gnome-Version versprechen die Entwickler wieder Performance-Verbesserungen, vor allem bei den Animationen der Benutzeroberfläche. In einem eher kurzen Test mit mehreren Tagen Alltagsnutzung der letzten Entwicklungsversion kam uns der Desktop in der Tat ein kleines bisschen flotter vor als frühere Gnome-Ausgaben. Wie auch schon in der Vorgängerversion wurde auch die Gnome-eigene Virtualisierungslösung Boxes noch einmal verbessert und die in der letzten Version eingeführte Unterstützung für die 3D-Beschleunigung im Gastsystem ist nun optional.

Generell sollten Linux-Anwender warten, bis die von ihnen genutzte Distribution die neueste Version der Desktopumgebung von sich aus bereitstellt. Die meisten großen Distributionen warten mit solchen weitreichenden Upgrades bis zum nächsten Haupt-Release. Bei Ubuntu sollte das Version 19.10 (Eoan Ermine) sein, die Mitte Oktober veröffentlicht wird. Etwa zur gleichen Zeit sollte Fedora 31 veröffentlicht werden, das ebenfalls Gnome 3.34 erhalten soll.

Nutzer von Distributionen mit Rolling-Release-Modell kommen meist eher in den Genuss der neuen Desktop-Umgebung. Sofern diese auf Arch Linux basieren, ist sie meist sofort verfügbar. (fab)