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Google Book Search: Opt-in oder Opt-out?

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Eine Opt-in-Variante für Googles gesamtes Book Search Program ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu verwirklichen, warnte der US-amerikanische New-Economy-Guru Hal Varian in einer Diskussion beim konservativen American Enterprise Institute (AEI). "Transaktionskosten können einen Deal killen", so Varian. Genau das werde passieren, wenn Google vor der Indexierung jedes Werkes den entsprechenden Rechteinhaber ausfindig machen, anfragen, auf seine Antwort warten und dann über Bedingungen verhandeln müsste. Nur rund 20 Prozent der Urheber seien überhaupt auffindbar.

Varian stellte sich auf den Standpunkt, dass die Indexierung keine Vermarktung der urheberrechtlich geschützten (oder auch nicht geschützten) Inhalte, sondern lediglich eine Katalogisierung darstellt. Google sei kein Wettbewerber, denn seine Einnahmen kämen aus Anzeigen, nicht aus dem Verkauf der Inhalte. Daher sei das Projekt vom juristischen Prinzip des Fair Use gedeckt.

Umstritten ist in den USA und weltweit vor allem das so genannte Google Library Program, bei dem Google auch von urheberrechtlich geschützten Werken kurze Textausschnitte (so genannte Snippets) zur Verfügung stellen will. Keine Probleme gibt es aus Sicht der Verleger dagegen mit dem parallel laufende Publishers Program.

Entschiedene Kritik am Findspezialisten Google, der derzeit mit einer PR-Kampagne positive Stimmung für seine Projekte verbreiten will, kam dagegen von Varians Chicagoer Kollegen Douglas Lichtman: Die Veröffentlichung der Ausschnitte könnte sich negativ auf die Einnahmen von Autoren auswirken. Ein Opt-out-Verfahren würde für Autoren dabei bedeuten, prognostizierte Lichtman, dass sie in Zukunft damit beschäftigt wären, bei 1000 Unternehmen anzurufen und die Nutzung ihrer Bücher zu untersagen. "Google tut so, als wäre man der einzige im Spiel. Aber das ist nicht so." Außerdem könne man kein Sonderrecht für Google schaffen.

Teilnehmer an der Diskussion warnten ebenfalls vor einem Google-Privileg. Im Musikbereich gelte klar, dass Rechte vorher eingeholt und bezahlt werden müssten, sagten mehrere Teilnehmer. Varians Argument, dass Google eben gerade nicht ganze Stücke (Bücher) im Bibliotheksprogramm anbiete, konterte Lichtman mit dem Hinweis, dass Google sich diese aber durch den Scan der Bücher beschaffe. Eine große Gefahr bestehe daher schließlich auch noch durch den möglichen Missbrauch der bei Google konzentriert vorliegenden Informationen. Auch deshalb seien die Rechteinhaber zu fragen. Sie müssten die Chance haben, die Indexierung zu stoppen, sollte sich Googles Projekt als anfällig für Hacks und damit möglicherweise für Piraterie der gesammelten Inhalte zeigen. Insoweit könnte sogar ein Fall ähnlich der Auseinandersetzung um Grokster gebildet werden, wenn nämlich die von Google eingesetzte Technologie Piraterie begünstige.

Einig sind sich beide Seiten nun zwar, dass eine Clearing-Stelle notwendig ist, um Rechtefragen schneller abzuklären. Lichtman warnte allerdings, sollten die Gerichte in den von der US Authors Guild und der Association of American Publishers angestrengten Verfahren zu Gunsten von Google entscheiden, entfalle der Druck, eine solche Clearing-Stelle zu schaffen und dann eine "legitime Bibliothek von Alexandria" zu errichten.

Varian dagegen warnte davor, bis zur Schaffung einer Clearing-Stelle zu warten, bis man den Zugang zu Büchern erleichtert, von denen immerhin 75 Prozent gar nicht mehr im Druck seien. Diese würden über Googles Book Search erst wieder auffindbar. Bestätigt fühlte sich Varian im Übrigen in einer neueren Gerichtsentscheidung zur Verwendung von Thumbnails als Hinweis auf urheberrechtlich geschützte Bilder. Das Gericht habe dies nur für den Fall für urheberrechtlich bedenklich erklärt, wenn der Kläger ein eigenes Thumbnail-Angebot habe. (Monika Ermert) / (ssu)