Menü

Google Books lebt: Oyster-Personal bringt Erfahrung mit E-Book-Flatrate

Oyster, US-Anbieter von E-Book-Flatrates, sperrt zu. Google heuert einen Gutteil der Belegschaft samt Chefetage an, und zahlt auch dafür. In der Folge könnte Google Books doch noch finanzielle Früchte tragen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 2 Beiträge
Oyster Logo

Das Oyster-Logo wird wohl bald eingemottet.

(Bild: Studio SBV)

Das New Yorker Unternehmen Oyster hat die Einstellung seiner E-Book-Flatrate "in den nächsten Monaten" angekündigt. US-User können über Oyster für knapp zehn US-Dollar monatlich mehr als eine Million Bücher lesen. Ist das Projekt gescheitert? Jein. Die Geschichte dürfte bei Google fortgeschrieben werden.

Die Verwendung wird c't-Lesern zum individuellen Gebrauch gestattet. Jede Weiterverbreitung / Wiederveröffentlichung ist untersagt.

(Bild: Schlagseite aus c't 16/2014 )

"Wir glauben mehr als je, dass das Handy das weltweit wichtigste Lesegerät im nächsten Jahrzehnt sein wird", heißt es in Oysters Blog; es gelte "neue Gelegenheiten wahrzunehmen, um unsere Vision für E-Books voll zu verwirklichen." Warum der bestehende Oyster-Dienst eingestellt wird, oder was die "neuen Gelegenheiten" sein könnten, wird nicht verraten.

Alphabet heißt eine mögliche Antwort. Re/code hat herausgefunden, dass ein Gutteil der Oyster-Belegschaft zur Alphabet-Tochter Google wechselt. Dazu sollen sogar Oyster-CEO Eric Stromberg sowie die beiden Mitgründer Andrew Brown und Willem Van Lancker zählen. Google entschädige die Oyster-Investoren entsprechend. Eine formelle Übernahme findet also nicht statt, dafür holt sich Google die einschlägige Erfahrung auf dem kurzen Dienstweg ins Haus. Und die Oyster-Eigentümer gehen nicht leer aus.

Google Books

Seit 2004 scannt Google Bücher und stellt winzige Ausschnitte online zur Verfügung. Nicht (mehr) urheberrechtlich geschützte Publikationen sowie Werke, für die die Verleger ihre Zustimmung erteilt haben, sind bei Google Books in voller Länge abrufbar. Millionen Bände wurden für das ursprünglich Google Print genannte Projekt erfasst, nennenswerte Einnahmen fehlen jedoch nach wie vor.

Sergey Brin und Larry Page auf der Frankfurter Buchmesse 2004.

Dafür regnete es Klagen. Das berühmteste Verfahren ist die vor ziemlich genau zehn Jahren erhobene Sammelklage der Authors Guild. 2008 und 2009 einigten sich die Parteien zwar jeweils, doch der zuständige Bundesbezirksrichter erkannte die Vergleiche nicht an. 2013 urteilte er, dass Google Books legal ist.

The Authors Guild legte Berufung ein, die mündliche Berufungsverhandlung fand Anfang Dezember 2014 statt. Doch das Bundesberufungsgericht für den zweiten US-Gerichtsbezirk (Second Circuit) hat mehr als neun Monate später noch immer keine Entscheidung gefällt. Und auch eine Fortführung des Prozesses vor dem Supreme Court kann nicht ausgeschlossen werden.

Karten neu gemischt

Zweifelsohne hat das zugunsten Googles ausgefallene Urteil der ersten Instanz Bewegung hinter den Kulissen ausgelöst. Niemanden würde es wundern, wenn sich die Verhandlungspositionen der Verleger gegenüber Google geändert haben. Google Books mit angeschlossenem Vertrieb könnte beiden Seiten gutes Geld bringen.

Also könnte es sich nun auszahlen, Nägel mit Köpfen zu machen, auch wenn die Sammelklage noch nicht ausjudiziert ist. Wenn der Datenkonzern bloß Personal fände, das bereits ein Vertrauensverhältnis mit Verlegern hat, und weiß, wie man daraus Einnahmen generieren kann...

Zu den juristischen Argumentes des Bezirksrichters lesen Sie in einem Hintergrundbericht:

(ds)

Anzeige
Anzeige