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Google-Chef: Internet spielt große Rolle für globale Meinungsfreiheit

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Eric Schmidt glaubt an das Gute im Internet: Es werde sich zu einem selbstverwalteten System von Leuten und Gemeinschaften entwickeln, prophezeite der Google-Chef bei einer Rede vor der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in Washington. In seinen Alpträumen sehe die Zukunft des Netzes allerdings anders aus: Während weitere Milliarden Menschen online gingen, würden in diesem Szenario die Mächtigen über den Mißbrauch persönlicher Informationen derart "ausflippen", dass sie das Netz mit rigiden Vorschriften ersticken würden, zitiert der Newsdienst CNet den Google-Chef. In der Folge würden Nutzer nur noch über wenige Firmen Zugang zum Internet erhalten und wären gezwungen, ihre Identität nachzuweisen und sich auf höchst reglementierte Weise im Netz zu bewegen, malte Schmidt das Schreckensbild weiter aus.

Nach Ansicht von Eric Schmidt wird das Internet die nationalen Regierungen in den nächsten Jahren mit einer Reihe von Fragen konfrontieren. In diesem Zeitraum werde voraussichtlich die zweite Milliarde Menschen online gehen, und sie würden das Internet dazu benutzen, die eigene Regierung mit der anderer Länder zu vergleichen – "und sie werden sehen, dass ihre Regierung sie schlecht behandelt hat. Das wird sie verärgern", zitiert Infoworld den Google-Chef. Damit müssten sich vor allem jene Länder auseinander setzen, in denen es eine Tradition der Zensur für andere Nachrichtenmedien gibt.

Die Frage, wo freie Meinungsäußerung beginnt und endet, werde für Spannungen sorgen, auch in westlichen Demokratien, führte Schmidt weiter aus: So seien in Deutschland und Frankreich die Verbreitung von nationalsozialistischem Gedankengut verboten. In Brasilien seien rassistische Äußerungen geächtet, in Indien begehe ein Verbrechen, wer nationale Symbole wie Mahatma Gandhi entweihe.

Gleichzeitig käme dem Internet eine stetig wachsende Rolle zu, freie Meinungsäußerungen rund um den Globus zu ermöglichen, betonte Schmidt. Dies könne das Internet aber nur leisten, wenn die Bestrebungen, es zu regulieren, keinen Erfolg hätten. Allerdings erzeugt das Internet nach Meinung des Google-Chefs auch paradoxe Situationen: Zwar verbreite sich die Wahrheit im Netz schneller als über andere Medien, aber es erlaube gleichzeitig, falsche Informationen zu streuen. Trotz aller politischen Fragen rief Schmidt das Publikum auf, daran zu arbeiten, dass weltweit mehr Menschen Zugang zu Informationen bekämen. (pek)

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