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Google Earth, die Terroristen und die Sicherheit

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Der jüngste, vom FBI vereitelte Anschlagsplan islamistischer Terroristen hat erneut eine Debatte um Gefährdungen der Sicherheit durch Google Earth ausgelöst. Am vergangenen Freitag wurde vom US-Justizministerium die Festnahme von drei muslimischen Männern bekannt gegeben, die zusammen mit einem weiteren Flüchtigen seit Januar 2006 geplant hatten, auf dem "John F. Kennedy"-Flughafen in New York Benzintanks, Pipelines und Gebäude zu sprengen. Das FBI hatte nach eigenen Angaben im Sommer 2006 einen Informanten in die Gruppe einschleusen und dadurch zahlreiche Gespräche aufzeichnen können. Die Anschlagsplaner hätten versucht, die Pläne radikalen Gruppen in Südamerika und in der Karibik zu unterbreiten, um Finanzierung und Sprengstoff zu erhalten.

Als sie mit der Führung der Terrorgruppe Jamaat Al Muslimeen ("JAM") aus Trinidad Kontakt aufnehmen wollten, wurden sie gefasst. Allerdings hatten die Verdächtigen bislang kein Geld aufgetrieben; auch wäre ihr Plan, die Benzintanks und Pipelines zu sprengen und damit die Anschläge vom 11.9.2001 zu überbieten, angeblich technisch gar nicht möglich gewesen. "Wenn der Plan ausgeführt worden wäre", sagte Staatsanwältin Roslynn Mauskopf gleichwohl, "hätte er zu unvorstellbaren Schäden, Toten und Zerstörungen geführt." Es sei "einer der erschreckendsten Pläne, die man sich überhaupt vorstellen" könne (vgl. Der geplante Terroranschlag und die Medien in Telepolis).

Tanks auf dem J.F.K.-Flughafen. Aufnahme von Microsoft Virtual Earth

Unter den Festgenommenen befand sich ein 63-jähriger, in Guyana geborener US-Bürger, der früher auf dem Flugplatz gearbeitet hatte und diesen zusammen mit einem ehemaligen Abgeordneten aus Guyana für den geplanten Anschlag ausgespäht hat. Dazu haben die beiden ab September 2006 Informationen gesammelt, Fotografien und Videos gemacht, Karten angefertigt und auch Satellitenbilder von Google Earth heruntergeladen, weil die Videoaufnahmen zu ungenau waren. Mit den Satellitenbildern konnten, so die Anklageschrift, die Treibstofftanks und der Kontrollturm lokalisiert werden.

Bereits am 3. Mai fand im US-Senat eine Anhörung über das Internet als "Portal für islamistische Extremisten" statt, in der Google Earth ebenfalls schon als Problem ausgemacht wurde. Senator Joseh Lieberman, der Vorsitzende des Ausschusses, sagte, man dürfe den Cyberspace nicht den Terroristen überlassen, die zur Rekrutierung, zur Propaganda und Planung von neuen Anschlägen benutzen. Man müsse die Online-Aktivitäten überwachen, die Websites stören oder vom Netz nehmen und "Trolle" einsetzen, um die Glaubwürdigkeit der Terroristen für deren Anhänger zu untergraben oder interne Streitigkeiten zu fördern. Google Earth wurde als eine der Informationsquellen im Internet genannt, die die "Dschihadisten" für ihre "operative und strategische Aufklärung nutzen: "Google Earth bietet leicht zu verwendende Karten aufgrund von verfügbaren Satellitenaufnahmen und wurde benutzt", erklärte Leutnant Joseph H. Felter, Direktor des Combat Terrorism Center der U.S. Military Academy, "um Angriffe im Irak zu planen."

Google ist schon mehrmals wegen der Satellitenbilder von möglichen Angriffszielen unter Druck geraten und hat im Irak, in Großbritannien, in den USA, in Indien oder Südkorea bereits neuere Bilder durch ältere ersetzt, die Auflösung von Bildern herabgesetzt, Aufnahmen unscharf gemacht oder Details eingeschwärzt.

Auf dem Hintergrund der neuen Anschuldigungen aus Washington teilte Google mit, man verfolge mit großer Aufmerksamkeit die Sorgen, dass Google Earth "neue Sicherheitsrisiken" schaffe, und sei zur Kooperation bereit: "Google nimmt die Sicherheitsbedenken sehr ernst und ist stets dazu bereit, sie mit den Behörden zu diskutieren." Google verweist auf Studien, nach denen die Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen, wenn man Bilder der Öffentlichkeit zugänglich macht, und sagt, dass die Regierung die Verfügbarkeit von Satellitenbildern einschränken könne. Zudem sei Google keineswegs der einzige Anbieter von Satelliten- und Luftaufnahmen. Dazu käme, dass "jeder, der über ein Grundstück fliegt oder durch es hindurchfährt, ähnliche Informationen erhalten kann". Sicherheitsbedenken sollten in erster Linie daher an die Firmen und Behörden gerichtet werden", die die Bilder sammeln und verbreiten".

Auch in Australien steht Google Earth gerade in der Kritik, da auch hier Satellitenbilder von militärischen Stützpunkten oder Regierungsgebäuden zugänglich sind. Google Australia argumentiert ähnlich wie die US-Zentrale und erklärt, die Satellitenbilder seien nicht als geheim klassifiziert und die Sicherheitsbehörden hätten bislang noch nicht darum gebeten, bestimmte Orte zu zensieren. Kritisiert wird, dass es zwar verboten sei, über manche Orte zu fliegen, man aber trotzdem Satellitenbilder von diesen haben könne. Man nehme die australischen Sicherheitsbedenken ernst, meinte Google-Sprecher Rob Shilkin. "Da aber die Bilder nicht in Echtzeit zugänglich sind und von zahlreichen anderen privaten und staatlichen Quellen angeboten werden, glauben wir, dass Google Earth und Google Maps keine Bedrohung der australischen Sicherheits darstellen."

Es steht zu erwarten, dass sich die Zensurforderungen der Regierungen auf immer größere Bereiche erstrecken könnten, schließlich sind besiedelte Gebiete, zahlreiche Industrieanlagen oder Teile der Infrastruktur allesamt potenzielle Ziele von terroristischen Anschlägen. So wies die New Yorker Polizei im Kontext des Anschlagsplans auf den Flughafen darauf hin, dass es noch unzählige weitere gefährdete Ziele wie Wasserleitungen, Belüftungsanlagen von Tunnels oder andere symbolische Gebäude gebe, die man alle schützen müsse. Allein die Pipeline, die zum Flughafen führt, geht nicht nur durch viele Stadtteile, sondern ist auch Teil eines nationalen Netzwerks, das Flughäfen in New York, Chicago, Detroit oder Pennsylvania sowie Stützpunkte der Luftwaffe versorgt. (fr)