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Google-Gründer Brin: Die Offenheit des Internets ist in Gefahr

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Google-Gründer Sergej Brin sieht die Freiheit und Offenheit des Internets mehr denn je in Gefahr. Einige machtvolle Kräfte auf der Welt stellten sich gegen die Grundprinzipien, die die Schaffung des Internets vor dreißig Jahren gestützt hätten, sagte Brin in einem Gespräch mit dem Guardian: Regierungen, indem sie die Kommunikation ihrer Bürger kontrollieren, die Unterhaltungsindustrie im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen und die proprietären Systeme von Unternehmen wie Facebook und Apple.

Am meisten zeigte sich Brin über Zensurbestrebungen in Ländern wie China, Saudi-Arabien und Iran besorgt. Er warnte aber laut Guardian auch davor, dass Facebook und Apple mit ihren geschlossenen Systemen und der Kontrolle über die Nutzer Innovationen behinderten und das Internet balkanisierten, also abgetrennte eigene Bereiche schüfen. Beispielsweise seien Informationen, die über Apps auf mobilen Geräten dargestellt würden, für Web-Crawler nicht erreichbar, also auch nicht über Suchmaschinen auffindbar.

Wenn das Internet schon länger von Facebook dominiert worden wäre, hätte er zusammen mit Larry Page Google wohl nicht aufbauen können, so Brin weiter. Man habe sich nach deren Regeln zu richten, und die seien sehr einschränkend. Auch erschwere es Facebook seinen Nutzern, mit ihren Daten zu anderen Diensten zu wechseln. Apple kontrolliere streng, welche Software seine Nutzer installieren dürfen.

Der weitgehende Rückzug Googles aus China vor zwei Jahren wegen Online-Attacken aus China und der dort herrschenden Zensur war auch durch persönliche Gründe Brins motiviert. Er war 1979 im Alter von sechs Jahren aus der Sowjetunion in die USA übergesiedelt und sah sich laut einem Zeitungsinterview bei der Volksrepublik an das totalitäre Regime seiner alten Heimat erinnert. Vor fünf Jahren habe er nicht gedacht, dass Länder wie China in der Lage sein würden, den Zugang zu Online-Informationen auf Dauer einschränken könnten, inzwischen sei er eines Besseren belehrt, sagte Brin nun.

Brin äußerte sich auch zu Besorgnissen über die große Menge an persönlichen Daten, die auf Google-Servern in Reichweite von US-Behörden gespeichert seien. Sein Unternehmen tue alles Mögliche zu deren Schutz und habe viele Anfragen zur Datenherausgabe abwehren können. Wenn er einen Zauberstab hätte, der es ihm ermöglichte, würde er die Daten der US-Gerichtsbarkeit entziehen an einen Standort, dem jeder vertrauen würde. (anw)

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