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Google-Gründer Brin und Page treten zurück

21 Jahre nach Gründung Googles treten Sergey Brin und Larry Page plötzlich von der Konzernleitung zurück. Der gewählte Zeitpunkt erstaunt.

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Die Archivaufnahme aus 2012 zeigt das damalige Google-Führungstrio Eric Schmidt, Larry Page und Sergey Brin mit einem frühen computergesteuerten Auto vor der Firmenzentrale im kalifornischen Mountain View.

(Bild: dpa, Google)

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Die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page ziehen sich von der Leitung ihres Alphabet-Konzerns zurück. Brin war bislang Präsident, Page Chief Executive Officer der Google-Muttergesellschaft. Fortan werden die beiden nur noch im Verwaltungsrat sitzen. Von dort aus wollen sie weiter "Rat und Liebe" spenden, aber sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten.

Sergey Brin (rechts im Bild) mit einem Google-Glass Prototypen im Mai 2014 in San Francisco. Die Identität seines Gesprächspartners ist nicht überliefert.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Das haben Brin und Page Dienstagabend mitgeteilt. Durch den Rückzug vermeiden die beiden, sich dem wachsenden Konflikt mit der Google-Belegschaft stellen zu müssen. In dem Vorzeigekonzern gärt es. Anstoß gaben unter anderem Sexismus, die Beschäftigung ehemaliger Spitzenbeamter und umstrittene Regierungsaufträge. Auch die Zwei-Klassen-Gesellschaft mit "echten" Googlern mit berühmt guten Arbeitgeberleistungen und über Zeitarbeitsfirmen herangezogene Kräfte mit geringer Entlohnung und Extras sorgt für wachsenden Unmut.

Die internen Probleme Googles lassen sich nicht mehr unter den Teppich kehren. Mehrere Kundgebungen und kurzfristige Arbeitsniederlegungen, das Durchsickern interner Rundschreiben an die Öffentlichkeit, umstrittene Entlassungen und Anläufe zur gewerkschaftlichen Organisation zeichnen ein deutliches Bild. Kürzlich hat Google-CEO Sundar Pichai sogar die freitäglichen Treffen, bei denen offen über alles gesprochen werden konnte, abgeschafft. Dabei darf nur noch über Business und Strategie gesprochen werden. Für Arbeitsplatzbelange soll es seltenere Termine geben. Die regelmäßigen offenen Aussprachen, für die Google bekannt war, sind wohl ein Ding der Geschichte.

Angesichts dieser Konflikte kommt der Zeitpunkt, den Brin und Page für ihren Rücktritt gewählt haben, überraschend. Brins Posten als Präsident wird abgeschafft, jener Pages als Alphabet-CEO mit dem des Google-Chefs zusammengelegt. Sundar Pichai leitet nun also sowohl die Holding Alphabet als auch deren Gelddrucker Google.

Sundar Pichai im Gespräch mit Journalisten im Vorjahr

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Die Gründer (Brin und Page) haben uns allen eine unglaubliche Chance gegeben, die Welt zu beeinflussen", streute Pichai Rosen, "Dank ihnen haben wir eine zeitlose Mission, beständige Werte und eine Kultur der Zusammenarbeit und Erforschung, die es aufregend machen, jeden Tag zur Arbeit zu kommen."

"Wir sind tief demütig, ein kleines Forschungsprojekt in eine Quelle des Wissens und der Stärkung für Milliarden wachsen gesehen zu haben", schreiben die Google-Gründer in ihrer Mitteilung, "Eine Wette, die wir als Stanford-Studenten gemacht haben, hat zu einer Vielzahl anderer Technik-Wetten geführt. Wir hätten uns nicht ausmalen können, als wir damals, 1998, unsere Server von einem Studentenzimmer in eine Garage übersiedelt haben, welche Reise folgen würde." Der Management-Wechsel ist ab sofort wirksam, eine Übergangszeit gibt es nicht. (ds)