Google I/O 2016: Android N mit Barrierefreiheit für jedermann

Android N wartet mit deutlichen Fortschritten bei der Barrierefreiheit auf. Die mit und für Menschen mit Behinderungen erarbeiteten Bedienkonzepte haben das Potenzial, für jedermann nützlich zu sein.

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Googler hält Schild "ADA/Accessibility"

Google legt digitial und im realen Raum Wert auf Accessibilty

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov
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Touchscreens ohne Touch zu bedienen, ist schwierig, aber machbar: Android N wird genau dafür eine Programmierschnittstelle haben. Auch Software eines Drittanbieters für die Steuerung durch Kopfbewegungen gibt es bereits. Außerdem öffnete Google am Eröffnungstag der I/O den Beta-Test der App "Voice Access". Voice Access ermöglicht grundlegende Bedienschritte wie scrollen und tippen per Sprachkommando.

Google I/O 2016

Mit diesen Neuerungen gelang es Google am Eröffnungstag der I/O, Entwickler zu beeindrucken, ja zu begeistern. Daneben wurde eine Reihe kleinerer Optimierungen für Nutzer mit körperlichen Einschränkungen angekündigt. Und das ist eigentlich jedermann, wie Googlerin Maya Ben Ari betonte: "Wenn wir Autofahren, können wir nicht aufs Handy schauen. Wenn es laut ist, hören wir Signale vom Handy nicht. Und wenn wir gerade unsere Einkäufe nach Hause tragen, haben wir keine Hand frei, um [einen Touchscreen zu bedienen]."

Ben Ari leitet die Barrierefreiheitsagenden bei Android. Sie nennt die jedermann vorübergehend treffenden Einschränkungen "situationsbezogene Behinderung". Androids Werkzeuge für Barrierefreiheit könnten also jedem User in der einen oder anderen Situation zugutekommen, betonte die Googlerin.

Die neue Programmierschnittstelle, die Touchbedienung ohne Berührung des Bildschirms ermöglicht, heißt "Gesture Dispatch". Google führte zwei Implementierungen vor. Technisch aufwändiger ist die Bedienung durch kleine Kopfbewegungen. Die passende Software kommt von der israelischen Firma Sesame Enable. Sie nutzt die Frontkamera von Handys und Tablets, um das Antlitz des Benutzers zu erfassen.

Nach einigen Sekunden Kalibrierung geht es bereits los. Mit Konzentration kann der User den Cursor über den Bildschirm bewegen. Lässt er ihn dort verharren, öffnet sich ein Kontextmenü, das unter anderem Tippen oder Wischen anbietet.

Die zweite vorgeführte Implementierung besticht durch ihre Einfachheit. Dabei wird an das Gerät ein großer externer Schaltknopf angeschlossen. Diesen zu treffen ist für Menschen mit bestimmten Behinderungen wesentlich einfacher, als Präzisionsarbeit mit einer Fingerkuppe zu verrichten.

Eine App lässt dann einen Balken über den Bildschirm wandern. Zuerst von oben nach unten. Sobald die gewünschte Höhe erreicht ist, muss der Nutzer den Schalter drücken. Dann startet ein zweiter Balken einen Lauf von links nach rechts. Wenn die gewünschte Stelle erreicht ist, betätigt der User erneut seinen Schalter. So verortet er den Klick, den er ausführen möchte, auf der X- und Y-Achse.

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Schon jetzt können User in Android eine Reihe von Einstellungen vornehmen, die die Wahrnehmung und Interaktion erleichtern können. Beispielsweise können Kontraste verstärkt oder die Schriftgröße erhöht werden. Neu in Android N ist die Möglichkeit, eine anderen Pixeldichte (DPI) vorzugeben. Das führt zu einer größeren Anzeige nicht nur der Schrift, sondern aller Elemente, um maximal 45 Prozent.

Android-Einstellungsübersicht in der Standard-Ansicht, der Ansicht mit größerer Schrift und der zukünftig möglichen DPI-reduzierten Ansicht

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Ganz neue oder neu aufgesetzte Android-Geräte begrüßen ihre Benutzer mit einer Willkommen-Seite, der einige Einrichtungsschritte folgen. Damit das gut klappt, wird es ab Android N möglich sein, schon auf dem Willkommensschirm die Ansichtseinstellungen aufzurufen, noch bevor Android fertig eingerichtet ist.

Maya Ben Ari auf der Google I/O 2016

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Darüber hinaus enthält die kommende Version des Betriebssystems eine Funktion, die Stereoton in Mono zusammenmischt. Das hilft Personen mit einseitigem Gehörverlust, die Stereomusik hören möchten.

Übrigens gibt es seit Kurzem eine gebührenfreie App, die Entwickler bei der Arbeit unterstützen soll. Der Accessibility Scanner untersucht andere Apps auf häufige Barrieren und unterbreitet Verbesserungsvorschläge. (ds)