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Google I/O 2016: Android hält Einzug auf Chromebooks

Bald werden ChromeOS-Geräte auch Android-Apps ausführen können. Denn Google spendiert seiner Linux-Variante ein Android-Framework samt Play Store.

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Chromebook Pixel

ChromeOS ist nach US-Verkaufszahlen zum zweitbeliebtesten PC-Betriebssystem aufgestiegen.

(Bild: Google<br>)

Chromebooks und -boxes werden bald aus der Fülle der Android-Apps schöpfen können. Denn Google spendiert seinem Linux-basierten Betriebssystem ChromeOS ein Android-Framework samt dem Play Store. Das hat der Konzern auf seiner Entwicklerkonferenz I/O 2016 am Donnerstag bekanntgegeben. Dieser Schritt erweitert auch die Offline-Fähigkeiten der ChromeOS-Geräte, weil die meisten Android-Apps auch ohne Internetverbindung gut funktionieren.

Das Android-Framework läuft in einem eigenen Linux-Container sowohl auf ARM als auch x86-Geräten mit ChromeOS. Es soll mindestens alle sechs Wochen mit Updates versorgt werden. Multitasking wird ebenso unterstützt wie der Austausch von Dateien oder anderen Inhalten zwischen Android-Apps untereinander sowie zwischen Android-Apps und ChromeOS-Programmen.

"Das ist keine Emulation", sagte Hiroshi Lockheimer, der bei Google sowohl für Android als auch ChromeOS zuständig ist, "das ist Android, das in einem Container ausgeführt wird". Dabei werden alle Schnittstellen und Sensoren unterstützt, die auch auf reinen Android-Geräten angeboten werden. Also stellen auch In-App-Zahlungen kein Problem dar. Android-Benachrichtigungen werden in die ChromeOS-Benachrichtigungen integriert.

Hiroshi Lockheimers Position als Chef von Android und ChromeOS wurde einst von Google-CEO Sundar Pichai bekleidet.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Zunächst wird das Android-Framework Entwicklern zu Verfügung gestellt. Wer sein ChromeOS aus dem Developer Channel bezieht, wird in einigen Wochen mit dem Update auf Version M53 Android-Apps ausprobieren können. Die Allgemeinheit soll zu einem späteren Zeitpunkt noch im Laufe des Jahres das Framework samt Play Store nutzen können. Viele Apps werden dann überhaupt erstmals auf einem PC zur Verfügung stehen.

Auf der I/O 2014 hatte Google mit ARC Welder ein Werkzeug eingeführt, mit dem Android-Apps (APK) für den Einsatz auf ChromeOS aufbereitet werden können. Dabei blieben aber nicht alle Funktionen 1:1 erhalten. Und seit Herbst wird der ARC Welder nur noch für ARM-Hardware unterstützt, wo er nun ebenfalls ein Ablaufdatum hat. Denn Apps umzustricken ist müßig, wenn man Android-Apps nativ ausführen kann.

Gerüchte über eine Zusammenführung von ChromeOS und Android halten sich seit Jahren. "Den Zugang, den wir gewählt haben, ist, die besten Attribute jedes Systems zu nehmen, und sie auf das jeweils andere System zu bringen", stellte Lockheimer fest. Von einem Aus für ChromeOS wollte er nichts wissen.

Rajen Sheth auf der Google I/O 2016 in Mountain View

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Warum auch? Die einfach zu wartenden Geräte erfreuen sich in den USA einer steigenden Nachfrage. Laut Marktforscher IDC wurden dort im ersten Quartal 2016 mehr Chromebooks ausgeliefert als Macbooks. Damit kann sich ChromeOS rühmen, auf dem PC-Markt das zweitgrößte Betriebssystem zu sein.

"Was noch vor einigen Jahren ketzerisch gewirkt hat, passiert jetzt", freute sich Googles Produktmanager Rajen Sheth, "Schulen und Unternehmen wechseln zu Chromebooks." Im US-Bildungsbereich liege der Marktanteil der Chromebooks inzwischen bei über 50 Prozent. "Das hat [die Art und Weise], wie Schulen unterrichten, verändert", berichtete Sheth, "Und wir sehen [ähnliche Veränderungen] jetzt auch bei Unternehmen." (ds)

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