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Google I/O: Chrome und Drive für iOS, Docs jetzt auch offline

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Googles Chrome-Browser gibt es ab sofort auch für iOS-Geräte.

Googles Browser Chrome ist ab sofort auch für iPhones und iPads verfügbar, die Android-Version wurde von Beta zu Stable hinaufgestuft. Auch der Cloud-Speicher Drive steht nun für Apples iOS zur Verfügung, außerdem wird jetzt Googles eigenes ChromeOS-Betriebssystem unterstützt. Nicht unerwartet kommt die Offline-Version der Office Suite Google Docs – sie funktioniert aber nur mit dem jüngsten Chrome-Browser. Diese und andere Neuigkeiten gab der Datenkonzern am zweiten Tag seiner Entwicklerkonferenz Google I/O am Donnerstag in San Francisco bekannt.

Chrome wird laut Google inzwischen von 310 Millionen Menschen aktiv genutzt. Das ist mehr als viermal so viel wie vor zwei Jahren. "Chrome ist der beliebteste Browser der Welt", frohlockte Googles Senior Vice President Sundar Pichai. Das antizipierende Laden von Webseiten bevor sie aufgerufen werden sowie das im Hintergrund laufende Pre-Rendering würden den Chrome-Usern in Summe täglich 13 Jahre Wartezeit ersparen.

Chrome ist stark darauf ausgerichtet, auf allen Geräten des Nutzers die gleiche Umgebung zu bieten. So können nicht nur Einstellungen, Passwörter und Bookmarks, sondern auch die gerade offenen Tabs und die Surf-History praktisch in Echtzeit synchronisiert werden. Der Benutzer kann in seine History aber auch getrennt nach Geräten Einsicht nehmen.

Ein Login mit dem Google-Account reicht, um das Gewohnte auch auf fremden Geräten zu verwenden. Die History nutzt Chrome um dem User beim Eintippen einer Adresse Vorschläge bisher häufig besuchter Sites zu unterbreiten. Diese werden dann gleich im Hintergrund geladen und gerendert. Das spart in vielen Fällen Zeit, erhöht aber die Datenmenge, wenn Chrome falsch geraten hat.

Für das vor zehn Wochen auf den Markt gebrachten Google Drive haben sich nach Angaben des Unternehmens inzwischen mehr als zehn Millionen User angemeldet. Die Öffnung für iOS dürfte das Wachstum noch beschleunigen. Am Donnerstag führte Google vor, wie genau es die hochgeladenen Dokumente analyisiert: Reine Bilddateien werden nicht nur einer automatischen Texterkennung unterzogen, sondern die Server versuchen auch Objekte zu erkennen. In der Vorführung förderte die Suche nach "Pyramiden" in einem Google Drive Fotos der ägyptischen Bauwerke zu Tage, die der Benutzer im Urlaub geschossen hatte. Mit passenden Stichwörtern wurden Scans von Kassenbons gefunden.

[Update 29.06.2012 7:50]:

Das Chrome-Erlebnis auf iOS wird nicht unbedingt so flott sein wie auf anderen Plattformen. Denn Apple lässt neben dem eigenen Safari eigentlich keine anderen Browser zu. Opera Mini wird als Dokumentenbetrachter eingestuft, weil die Webseiten auf Opera-Servern gerendert werden. Auch Googles "Chrome for iOS" ist kein vollwertiger Browser, sondern beruht im Kern auf Apples Safari, ähnlich wie andere Alternativ-Browser, die im Apple-Store verfügbar sind. Damit fehlt Googles eigene Javascript-Engine V8. "Wir mussten Zugeständnisse machen, um Chrome auf iOS zu bringen", gestand Pichai ein.

Benutzer von iPhones und iPads sind also weiter auf die langsamere Safari-Engine beschränkt. Chrome for iOS kann aus Usersicht trotzdem schneller sein, führt aber unter Umständen zur Übertragung nicht benötigter Daten: Vom Nutzer vermutlich bald aufgerufene Webseiten werden, wie auf echten Chrome-Browsern seit Version 17, im Hintergrund geladen und gerendert, und zwar auch ohne entsprechende Hinweise im Code der aktuell dargestellten Webpage. Google vertraut vielmehr auf die Nutzungsgewohnheiten des Anwenders. Sobald ein paar Zeichen in die Adresszeile eingetippt werden, schlägt Google bisher aufgerufene Adressen vor und beginnt Daten zu laden. Dafür ist es aber erforderlich, die Surf-History des Users zu kennen – mit ein Grund, die Nutzerdaten über alle Geräte abzugleichen. (jkj)