Google I/O: Smartphone, Uhr, Fernseher und Auto wachsen zusammen

Auf seiner Entwicklerkonferenz führt Google hauptsächlich neue Software vor. Sogar die nächste Android-Version war dabei fast Nebensache, im Vordergrund stand das Zusammenspiel verschiedener Geräteklassen.

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  • Jörg Wirtgen
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Alles spielt zusammen, das ist die Hauptaussage auf der Google I/O. Das Android TV steuert man per Smartwatch, das Chromebook zeigt Smartphone-Anrufe, am Auto-Touchscreen bedient man das Handy, Spieler am TV und Tablet spielen Multiplayer-Games gemeinsam, die Smartwatch entsperrt Chromebook und Smartphone. Google spendiert allen Geräten eine einheitliche Bedienoberfläche mit einer Material-Metapher. Dabei geht es nicht um Leder- oder Gebürstetes-Alu-Grafiken, sondern um Tiefeneffekte, Schattenwurf und Animationen bei Nutzeraktionen.

Eine Milliarde Nutzer habe Android inzwischen, doch ob die nächste Android-Version 4.5 oder 5.0 heißen wird, beantwortete Google nicht, sondern sprach konsequent nur von "Android L". Einige Details verriet Google dann doch: Es wird eine 64-Bit-Version geben und passend dazu die Runtime-Umgebung ART statt Dalvik. Stromsparender soll es zudem sein. Einige Grafikfunktionen werden ins Android Extension Pack ausgelagert.

Erster Blick auf Android L (8 Bilder)

Die nächste Android-Version "L" gibt App-Entwicklern die Möglichkeit, jedem Element eine Ebene im virtuellen Raum zuzuweisen.

Verstärkt will Google auch die Updates aus dem Android-Kern auslagern. Die Play-Dienste sollen Sicherheitsupdates bringen, da sie sich einfacher aktualisieren lassen und mehr Nutzer erreichen. 93 Prozent aller Android-User haben laut Google die aktuelle Version.

Die Wearable-Variante von Android zeigte Google auch. Sie nutzt Sprachsteuerung beispielsweise zur Suche, zum Anlegen von Notizen (was während der Pressekonferenz misslang), zum Musikabspielen oder Stellen eines Weckers. Die Bedienoberfläche besteht hauptsächlich aus der Informationstechnik Google Now, die allerdings selten wirklich sinnvolle Informationen anzeigt.

Android Wear für Smartwatches (8 Bilder)

Heute sollen die ersten Smartwatches mit dem Betriebssystem Android Wear in Googles Play Store erhältlich sein: Die Gear Live von Samsung ...

Gleich mehrere Smartwatches mit Android Wear zeigte Google: Die LG G Watch und die Samsung Gear Live kann man inzwischen auch im deutschen Google-Store für 200 Euro bestellen, ausgeliefert werden sie Anfang Juli. Die schicke Moto 360 von Motorola mit rundem Display konnte man immerhin kurz ausprobieren auf der Google I/O, doch ein konkreter Liefertermin wurde nicht genannt.

Eine weitere Android-Variante soll das Wohnzimmer erobern: Android TV läuft auf Fernsehern und Set-Top-Boxen, eine Vorabversion führte Google vor. Das Hauptmenü blendete die gezeigte Beta-Version über das weiterlaufende Fernsehprogramm, es besteht aus installierten Apps und Multimedia-Vorschlägen, die nach Benutzungshäufigkeit sortiert sind. Apps sollen ihre Inhalte in das Vorschlagssystem einbinden können. Bedienen soll man Android TV mit dem Smartphone oder der Smartwatch – auch per Sprache.

(Quelle: Google)

Im Herbst soll Android TV nebst Rubrik im Play-Store fertig sein; Fernseher mit Android TV wollen dann Sony, Sharp und TV Visions (ehemals Philips) bringen, Set-Top-Boxen kommen unter anderem von Razer und Asus.

Dem kleinen Streaming-Stick ChromeCast spendierte Google einige Updates. So soll die Kopplung mit einem Handy zukünftig auch dann funktionieren, wenn beide nicht im gleichen WLAN angemeldet sind. Er verkaufe sich blendend, sagte Google, die Zahl der Cast-fähigen Apps steige rasant. Die Technik soll parallel zu Android TV bestehen bleiben; Android TVs arbeiten auch als Cast-Empfänger.

Auch im Auto will Google präsent sein. Android Auto ist keine eigenständige Betriebssystem-Variante, sondern eine Schnittstelle zum Koppeln des Fahrzeug-Infotainmentsystems ans Handy. Ein Touchscreen im Auto dient dabei nur als Bedienschnittstelle zum Smartphone, alle dort dargestellten Apps laufen direkt auf dem Smartphone. Ob die Datenübertragung per Kabel oder Funk funktionieren soll, wurde nicht so ganz klar.

Android im Auto (7 Bilder)

Google zeigt, wie Android-Smartphones in Zukunft mit Autos zusammenspielen sollen.

Die Unterstützung durch die Autoindustrie ist groß, alle bekannten Automarken haben sich mit Google in der Open Automotive Alliance zusammengeschlossen.

Die hierzulande weiterhin wenig beliebten Chromebooks arbeiten zukünftig besser mit dem Smartphone zusammen. Koppelt man sie mit einem Smartphone, entsperrt sich das Chromebook, wenn das Smartphone in der Nähe ist und zeigt dessen Statusmeldungen an. Google Now kommt ebenfalls auf Chrome OS. Schließlich zeigte Google eine frühe Version eines Android-Emulators, der Android-Apps direkt auf dem Chromebook ausführte, wobei die Apps Zugriff auf die Kamera des Notebooks hatten.

Ein wenig Hardware erwähnte Google doch, das Projekt Android One. Dabei will Google Smartphone-Referenzdesigns herausgeben, die Hersteller mit geringem Aufwand an ihre Bedürfnisse anpassen und verkaufen können. Android-Updates werden ähnlich den Nexus-Geräten direkt von Google kommen, ohne Mitwirkung des Herstellers. Die Hersteller können eigene Apps installieren, nicht aber die Android-Oberfläche komplett umkrempeln. Unter 100 US-Dollar soll so ein Smartphone mit 4,5-Zoll-Display kosten. Google will damit die nächsten Milliarden Nutzer ins Android-Ökosystem bringen, und so startet Android One mit drei Herstellern in Indien. (jow)