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Google Ideas: Mit Mitteln der Online-Werbung gegen die IS-Terrormiliz

Die IS-Miliz hat es geschafft, im Internet mächtiger zu wirken, als sie tatsächlich ist. Das müsse aber nicht so bleiben, meinen zwei Vertreter des Think Tanks Google Ideas. Es gebe bereits die Technik, mit der die Propaganda gekontert werden könnte.

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Google: Mit Mitteln der Online-Werbung gegen die IS-Terrormiliz

Google-Forscher plädieren dafür, Techniken aus der Online-Werbung zu benutzen, um die Terrormiliz IS zumindest aus dem offenen Internet (im Gegensatz zum sogenannten Darkweb) zu verdrängen. Ihre Überlegungen erklärten Jared Cohen und Yasmin Green von Google Ideas auf einer Veranstaltung des britischen Think Tanks Chatham House. Zwar gestanden sie ein, dass der physische Kampf gegen die Terroristen im Nahen Osten vorrangig sei, aber deren Aktivitäten im Internet seien wichtiger, als oft angenommen und leichter zu bekämpfen. Die Mittel dafür seien bereits vorhanden; als Grundlage dienen dafür Mittel des milliardenschweren Markts der Online-Werbung.

Jared Cohen, der Chef der Google-Denkfabrik Ideas, erläuterte, dass es seiner Meinung nach so etwas wie einen Cyberspace nicht gebe. Beim Kampf gegen den IS gebe es eine physische Front und eine digitale Front, beide seien aber Teil unserer Welt. Letztlich müssten die Terroristen in dem Gebiet besiegt werden, das sie geographisch beherrschen. Aber bis das erreicht werde, könnten an der digitalen Front viel kurzfristiger Etappensiege errungen werden. Aus dem sogenannten Darknet, also beispielsweise nicht von Google indexierten Seiten, seien solche Organisationen nicht zu verdrängen; aber der Bereich, den die meisten Menschen als das Internet kennen, müsse man ihnen nicht überlassen.

Yasmin Green von Google Ideas schlägt vor, potenziellen IS-Rekruten online Inhalte anzuzeigen, um sie umzustimmen.

(Bild: Chatham House)

Die Terrormiliz IS besteht Cohens Meinung nach nicht aus besonders technikversierten Menschen. Ihr scheinbar überraschend routinierter Umgang mit Messengern, sozialen Medien und Web-Diensten entspreche lediglich der heutigen Welt. Wenn sich der IS etwa mit Armeen ferngesteuerter Social-Media-Accounts größer erscheinen lasse als er ist, funktioniere das wie Spam. Dagegen könne man aber etwas unternehmen, das Problem sei ja nicht neu.

Anschließend erklärte Yasmin Green, die sich bei Google Ideas mit dem Kampf gegen Radikalisierung beschäftigt, wie man die Online-Aktivitäten des IS ihrer Meinung nach verstehen muss. Die Terrormiliz agiere im Internet wie ein Publisher (Herausgeber), dessen Ziel die Verbreitung von Inhalten zur Radikalisierung potenzieller Rekruten ist. IS-Propaganda gebe es beispielsweise nicht nur in arabischer und englischer Sprache, sondern mehreren weiteren, darunter auch Hebräisch und sogar in Gebärdensprache. Die Terroristen wollten damit vor allem darstellen, welche militärischen Erfolge sie erringen.

Abseits davon gebe es im Internet aber auch viele Dokumente, die Niederlagen des IS dokumentierten, ruft Green in Erinnerung. Dabei gehe es nicht nur um militärische Verluste und verwundete IS-Kämpfer, sondern beispielsweise auch Zeugnisse, die die IS-Propaganda von einer Konfrontation zwischen dem Islam und dem Rest der Welt entkräften. Was, wenn Anhänger des IS bei ihrer Suche im Internet solche Inhalte zu sehen bekämen, oder Berichte von desillusionierten IS-Aussteigern, fragte Green. Online-Werber kennen diese Werkzeuge vom Targeted Advertising, also von der zielgerichteten Werbung. Green gab sich überzeugt, dass der IS damit an der digitalen Front vom Rest der Welt abgeschnitten werden könnte. Ob und inwiefern sie diese Ideen auch bereits an ihren Arbeitgeber – immerhin die weltgrößte Internetsuchmaschine Google – herangetragen hat, sagte sie aber nicht.

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(mho)

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