Google-Klinik: Digitalkonzerne sind auf Gesundheitsdaten aus

Über die digitale Verwaltung von Krankenakten will insbesondere Google in den Medizinsektor einsteigen.

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(Bild: Google, Shutterstock/M-vector/officeku)

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Dass die großen Datenkonzerne den Gesundheitsmarkt für sich entdeckt haben, ist kein Geheimnis mehr. Doch während die Nutzer noch über Apps und Wearables reden, drehen die Digitalkonzerne schon das nächste große Rad: Sie steigen in das Geschäft mit Krankenversicherungen und Krankenhäusern ein. "Nur mit Apps und Wearables kommen die Kon­zerne nicht weit. Sie haben zwar Daten, aber keine wirklich medizinisch relevanten", sagt Michael Forsting, ein Pionier bei medizinischen KI-Anwendungen in Deutschland. "Deshalb werden sie bald eigene Krankenhäuser aufmachen", so der Chefradiologe von der Uniklinik Essen gegenüber Technology Review in der neuen Ausgabe 06/20.

Denn während immer weniger Profit mit Medikamenten gemacht wird, werden Daten immer lukrativer. Eine Studie von Arthur D. Little, GSMA, Allied Market Research, Accenture, IHS Global Insight und MarketsandMarkets prognostiziert für das Jahr 2020 einen Gesamtumsatz von 233,4 Milliarden US-Dollar auf dem weltweiten digitalen Gesundheitsmarkt.

Erste Projekte mit Medizindaten hat Google bereits begonnen: So gewährt Ascension, der größte gemeinnützige Krankenhausbetreiber in den USA mit 2.600 medizinischen Einrichtungen, Google Zugriff auf Millionen von Patientendaten: von Laborergebnissen bis hin zu Namen und Geburtsdatum. Google trainiert mit den Patientendaten seine Computer in medizinischer Mustererkennung.

Auch der britische National Health Service (NHS) gewährt der Google-Tochter DeepMind Zugriff auf Daten von rund 1,6 Millionen Patienten; darunter eine Million anonyme Augen­scans. Damit werden Computer darauf trainiert, Muster bei Augenfehlern zu identifizieren. Die Software soll Ärzten helfen, Erblindung frühzeitig zu erkennen. Ein in den USA entwickeltes DeepMind-System warnt zudem vor akutem Nierenversagen – bis zu 48 Stunden früher als herkömmliche Methoden. Laut einer Publikation in der Fachzeitschrift Nature wird dabei eine Genauig­keit von knapp 90 Prozent erreicht.

TR 6/2020

Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 6/2020 der Technology Review. Das Heft ist ab 14.5.2020 im Handel sowie direkt im heise shop erhältlich. Highlights aus dem Heft:

Im Gegenzug nutzen Kliniken die Technik, um beispiels­weise die Aufenthaltsdauer von Patienten besser einzuschätzen – und so Kosten zu sparen. Forsting geht nicht davon aus, dass die Digitalkonzerne mit den Daten handeln wollen. "Sie wollen stattdessen lernen, wie das Medizinsystem funktioniert und dann Dienste dafür entwickeln. Das muss nicht schlecht sein, denn Konkurrenz belebt das Geschäft." Wenn Google und die anderen Digitalkonzerne bessere Services bieten würden als etablierte Kliniken, dann "werden die Patienten eben zu ihnen kommen".

Den vollständigen Artikel "In der Google-Klinik" lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Technology Review, das online bestellbar und auch im Handel verfügbar ist. (jle)