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Google Maps erkundet den hohen Norden Kanadas

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Mit Hilfe Freiwilliger aus der lokalen Bevölkerung möchte Google für seinen Kartendienst Google Maps mehr Informationen über entlegene Siedlungen im Norden Kanadas sammeln. Kartographische Daten sind dort rar und Sehenswürdigkeiten nur lokal bekannt. Ohne Straßenverbindungen könnte Google für Street View Aufnahmen selbst dann nicht wirtschaftlich erstellen, wenn es vor Ort Werbetreibende gäbe.

Street-View-Dreirad im Norden Kanadas im Einsatz

(Bild: Google )

Um den hohen Norden trotzdem ein bisschen für Netzbürger zu öffnen, hat Google ein neues Projekt im Nunavut-Territorium lanciert. Ein Google-Team brachte ein dreirädriges Lastenrad und ein Dutzend Chromebooks in die Gemeinde Cambridge Bay , die unweit des 70. Breitengrads liegt. Mit Hilfe des Dreirads wurden Street-View-Bilder angefertigt. Abgesehen von einem Flughafen an der Nordküste Alaskas wird Cambridge Bay bald der nördlichste auf Street View zu betrachtende Punkt der Welt sein.

Die Chromebooks wurden für eine lokale Karten-Veranstaltung ("Community Map Up") eingesetzt. Dabei kamen Schulkinder, Senioren und lokale Kartografie-Experten zusammen, um bislang nicht verzeichnete Straßen, Flüsse und Seen in Google Maps einzutragen. Sie fügten auch lokale Einrichtungen wie Krankenhaus, Kindergarten, Golfplatz und Überreste eines Gebäudes aus Stein aus der Zeit der Dorset-Kultur (500 vor bis 1.000 nach Christus) hinzu.

Das Projekt soll Schule machen. Es beruht auf der Initiative des Anrainers Chris Kalluk, der auch das Map Up leitete. Er und einige seiner Nachbarn werden nun geschult. Sie sollen dann in andere Nunavut-Gemeinden reisen, um auch dort, jeweils mit lokaler Unterstützung, Kartendaten zu sammeln.

Kanada, das zweitgrößte Land der Welt, ist etwa 28 mal so groß wie Deutschland und zählt rund 34 Millionen Einwohner. Daraus ergeben sich rechnerisch drei Einwohner je Quadratkilometer – die meisten Bürger leben aber auf einem schmalen Streifen entlang der Südgrenze zu den Vereinigten Staaten.

In den Nordwest-Territorien verteilen sich gut 41.000 Bürger auf eine mehr als dreimal so große Fläche wie Deutschland, in Nunavut sind es gar nur 32.000 Personen auf einem Gebiet, das über fünfmal so groß ist wie die Bundesrepublik. Nunavut ist nur auf dem Luft- oder Seeweg erreichbar, Straßen gibt es keine.

Cambridge Bay ist mit 1.375 Ansässigen (Zählung 2011, Tendenz stark steigend) die fünftgrößte Siedlung Nunavuts. Sie ist seit rund 4.000 Jahren bewohnt und heißt in Inuinnaqtun, der autochtonen Sprache, Iqaluktuuttiaq. Laut Wikipedia weist das auf einen guten Platz zum Fischen hin. Auf Englisch wurde der Ort nach Prinz Adolph Friedrich, dem 1. Duke of Cambridge benannt. (hb)