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Google: Offener Suchalgorithmus würde Nutzern schaden

In der Diskussion über Googles Marktmacht werden immer wieder Forderungen laut, die Suchmaschine müsse ihre Methode offenlegen. Das würde den Nutzern am Ende schaden, kontert der Internet-Konzern.

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Google: Offener Suchalgorithmus würde Nutzern schaden

(Bild: Oliver Berg, dpa)

Google hat sich gegen Forderungen deutscher Politiker gewandt, den geheimen Algorithmus seiner Suchmaschine vollständig offenzulegen. Google-Manager Philipp Justus, der unter anderem Googles Deutschlandgeschäft leitet, verwies in einem Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit auf Versuche, die Ergebnisseiten zu manipulieren und bestimmte Suchergebnisse in der Trefferliste gezielt nach oben zu ziehen. "Wir betreiben einen erheblichen Aufwand, diese Art von Manipulation zu verhindern", schrieb Justus.

Würde Google verraten, wie genau die Schutzmechanismen aussehen, sei das System leicht austricksbar, die Ergebnislisten könnten mit Webseiten gespeist werden, die mit Viren und anderer Malware verseucht seien, argumentierte Justus. "Meinungsrelevante Algorithmen" offenzulegen würde den Nutzern nicht helfen, sondern schaden.

Der Google-Manager reagiert damit auf einen Debattenbeitrag des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) vor zwei Wochen in der Zeit. Der Politiker hatte dort eine "Transparenzverpflichtung für meinungsrelevante Algorithmen" gefordert und außerdem angeregt, dass Suchmaschinen immer auch ein öffentliches Informationsangebot unter den obersten Suchergebnissen anzeigen müssen. "Nur so stellen wir sicher, nicht in die Falle privater medialer Manipulation zu laufen." Auch Justizminister Heiko Mass (SPD) ist dafür, den Google-Algorithmus offenzulegen.

Justus erwiderte, Suchmaschinen beschränkten sich nicht darauf, Informationen auszuwählen. "Sie ermöglichen den Zugang zum Wissen der Welt." Erschwert werden könne dieser Zugang allenfalls durch technische Vorkehrungen der Seitenbetreiber oder andere Eingriffe von außen, etwa durch politische Zensur. Google biete den Nutzern viele Möglichkeiten, ihre Anfragen individuell zu gestalten: Die Suche könne zum Beispiel zeitlich oder geografisch eingeschränkt werden. "Und anders als Zeitung, Radio und Fernsehen entscheidet eine Suchmaschine weder darüber, was publiziert wird, noch kommentiert sie, was richtig oder falsch ist." (anw)