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Google Photos: Unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und Videos

Googles Photodienst soll das gesamte Leben seiner Benutzer speichern und organisieren - mit Hilfe einer neuen App und viel künstlicher Intelligenz auf den Servern.

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Google Photos: Unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und Videos

Googles Bilderdienst erkennt Gesichter und gruppiert alle Bilder einer Person.

Eine Kampfansage an Flickr und alle anderen Foto-Speicherdienste. Noch im Laufe der Nacht will Google seinen neuen Dienst Google Photos freischalten, auf dem jedermann unbeschränkten kostenlosen Speicherplatz für seine Fotos und Videos erhält, und zwar für Fotos bis zu einer Größe von 16 Megapixeln und Videos bis hin zu einer Full-HD-Auflösung. Die zugehörige App für Android und iOS soll ebenfalls noch im Laufe der Nacht zum Download bereitstehen.

Attraktiv machen soll den Dienst auch die neue Photos-App, die Produktmanager Anil Sabharwal im Rahmen von Googles Entwicklerkonferenz I/O vorstellte. Sie soll "alle wichtigen Momente" des Lebens automatisch von allen Android-Geräten in Googles Cloud synchronisieren, in der sie sich einfach durchsuchen, bearbeiten und auch mit anderen teilen lassen.

Google I/O 2015

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So kann man zum Beispiel mit der neuen App Tag für Tag durch die Bilderflut wischen, wie bisher – oder mit einer Pinch-Geste auf eine Monats- und mit einer weiteren auf eine Jahresansicht wechseln. Viel, viel KI im Hintergrund hilft dabei, sehr schnell bestimmte Inhalte zu finden. So erkennt Google Photos Gesichter und kann virtuelle Ordner für alle Personen anlegen, die auf mehrere Bildern vorkommen.

In der Demo funktionierte das auch mit Fotos der Nichte von Sabharwal in ihren ersten Jahren – in denen sich ein Gesicht noch stark verändert. Sabharwal war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Ansichten allesamt privat sind und nur der Benutzer sie zu Gesicht kriegt.

Google Photos kann aber dank der KI auch Bilder zu Suchbegriffen wie "Snowstorm in Toronto" automatisch heraussuchen – offenbar ohne dass die Bilder vorher mit Schlagworten versehen wurden. Mit den Bildern kann Google unter anderem Collagen, Animationen oder Filme generien. Auch das Teilen von Bildern soll Google Photos viel einfacher machen: Mit einer einfachen Geste lassen sich auf dem Gerät Dutzende Fotos auswählen. Zu diesen generiert der Dienst einen Link, der sich einfach teilen lässt. Der Empfänger kann über diesen einen Link wiederum alle in seinen Google-Photos-Account übernehmen.

Update 29.5.15, 8.00: Am Abend des ersten I/O-Tages ließ sich Sabharwal dann Näheres zur Komprimierung der in Google Photos gespeicherten Licht- und Laufbilder entlocken. "Die Bilder kommen aus den Kameras als mäßig komprimierte JPEGs", sagte er auf einem Treffen mit Journalisten, "Wir können das ohne Verluste (bei der Bildqualität) um 20 bis 30 Prozent komprimieren, und vom Rest, mit geringfügigen Verlusten, noch einmal 30 bis 40 Prozent sparen", sagte der Photos-Manager. Aber auch dann ließen sich damit noch problemlos Poster drucken.

Den Nutzern stehe es frei, ihre Originalbilder in Google Drive zu speichern. Diese Dateien werden allerdings auf den Speicherplatz angerechnet. Gratis ist die Speicherung der in Google Photos automatisch komprimierten Bilder und Videos; sie können ebenfalls über Google Drive abgerufen werden und sollen nicht auf den Speicherplatz angerechnet werden. Sabharwal verglich die Reduktion der Bildqualität mit MP3 bei Musik: "Wenn Sie über Bluetooth-Lautsprecher Spotify-Streams hören, sind Sie auch mit MP3 zufrieden." Für Enthusiasten, die besondere Anforderungen an Qualität stellen, gebe es spezialisierte Anbieter.

Geld macht Google mit den Fotos und Videos indirekt, indem es deren Inhalte auswertet. Neuronale Netze versuchen, den Bildinhalt zu erkennen, Metadaten verraten oft den Standort, und Bilderkennung wertet in den Bildern erkennbaren Text aus. Zielgerichtete Werbung wird nicht lange auf sich warten lassen. (jo)