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Google Pixel 2: aus eigener Kraft mehr wie Apple sein – ein Kommentar

Mit dem Nexus One führte Google einst das pure Android-Gerät ein. Mit dem Pixel veränderte Google den Kurs in Richtung integrierter Premium-Anbieter. Der Erfolg blieb aus. Jetzt legt Google nach – und kann dabei auf eigene Stärken bauen.

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Google Pixel 2: Mehr wie Apple sein - ein Kommentar

(Bild: Google)

Googles Nexus-Geräte waren solide und preiswert, aber sie spielten im Markt keine Rolle. Allein der Verkauf über die Google Website war einfach nicht genug. Kein Carrier wollte die Geräte, im Handelskanal tauchten sie nicht auf. Der Marktanteil lag eher im Promillebereich. Mit den Pixel-Geräten änderte Google alles: Nun tauchte der Hersteller nicht mehr auf, Pixel und Pixel XL waren "by Google". Aber auch diesmal reichte es nicht. Trotz wunderbarer Kamera konnten sich die Pixel nicht im Markt durchsetzen. Galaxy und iPhone kennt jeder, aber Pixel kennen nur die Nerds.

Mit dem Pixel 2 und den anderen neu vorgestellten Geräten wird erkennbar, wie Google mit Nachdruck an der eingeschlagenen Richtung festhält. Die Pixel 2 sehen auf Anhieb aus wie die ersten Pixel. Mit den verschiedenen Home-Lautsprechern und den "Taucherbrillen" Daydream etabliert Google ein wiedererkennbares Design. Statt jedes Jahr modischen Trends nachzurennen, beweist das Unternehmen Ruhe.

Die Parallelen zu Apple sind klar erkennbar. Auch das iPhone sieht seit Jahren ungefähr gleich aus und wird doch konsequent weiterentwickelt. Ein Rechteck, darin noch ein Rechteck, ein Strich darüber, ein Kreis darunter – diese Skizze wird sofort als iPhone erkannt. Erst mit dem iPhone X wagt Apple einen Bruch. Dabei bietet Apple eine beachtliche Preisspanne. Das günstigste kostet aktuell 409 Euro, das teuerste 1319 Euro Listenpreis. Und diese Listenpreise kann Apple auch durchgehend erzielen. Das kommt dem Handel zu gute, weil die Händler nicht befürchten müssen, teuer eingekaufte Ware billig verramschen zu müssen.

Beim Pixel 2 ist der Preisbereich enger gefasst, "noch" sollte man vielleicht anfügen. Er reicht von 799 Euro bis zu 1049 Euro und liegt damit an der Oberkante dessen, was im Android-Markt gehen könnte. Der Kunde muss sich entscheiden: reichen ihm 64 GByte oder will er lieber 128? Die Aufpreise entsprechen denen von Apple. Und wie bei Apple bietet Google ein ganzes Ökosystem von verzahnten Geräten und Diensten. Alles passt zusammen und arbeitet gut miteinander.

Dabei kann sich Google sowohl von Apple als auch von anderen Android-Anbietern absetzen. Während Samsung gerade erst versucht, mit Bixby Fuß zu fassen, liegt Google Assistant anscheinend unerreichbar vorne. Google Maps ist voll integriert, mit Lens erkennt das Pixel Inhalte von Bildern, die Google Photos mit voller Auflösung als Bild oder Video unbegrenzt speichert. Das entlastet den Speicher des Telefons. Während ein iPhone irgendwann voll läuft, schiebt Google einfach alles in die Cloud und lässt nur einen Cache auf dem Pixel. Bei Machine Learning und AI liegt Google weit vorne; der Stolz auf diese Leistung war deutlich spürbar. Selbst der Babelfisch wurde durch die drahtlosen Kopfhörer eindrucksvoll demonstriert.

(Bild: Google)

Wer die Pixel-Geräte anhand technischer Daten einzuordnen versucht, der sieht nicht, was Google hier unternimmt. Wer ein iPhone kaufen will, der fragt sich allenfalls, welches. Bei Android sieht das anders aus. Da werden Chipsets und Kerne verglichen, RAM-Ausstattungen, Akkugrößen etc. Und genau davon macht sich Google frei. Bei "made by Google" soll sich der Anwender um solche Details nicht sorgen. Ob er nun ein Pixel 2 oder ein Pixel 2 XL kauft, beide haben von allem genug. Die Frage reduziert sich auf groß oder klein.

Pixel 2 und Pixel 2 XL (6 Bilder)

Das Pixel 2 XL
(Bild: Google)

Über den ruhigen Umgang mit dem Design und der perfekten Integration hinaus versucht sich Google an zwei Fronten von der OEM-Konkurrenz abzusetzen: Die Pixel erhalten stets die neueste Software und zwar sofort, ab dem Pixel 2 sogar für drei Jahre. Und dann ist da noch die wichtigste Eigenschaft eines Premium-Smartphones: die Kamera. Dank Computational Photography und Machine Learning schießen die Pixel überragend gute Bilder und zeigen sie auf den OLED-Displays auch perfekt an, ganz ohne Doppelkamera und randloses Design, die dieses Jahr so à la mode sind.

Bleibt nur ein Problem: Google hat keine Stores, keine weltweite Carrier-Kanäle, keine Präsenz im Handel. Mit Verizon geht Google das Problem im Heimatmarkt an. Überall sonst gilt: Highend-Produkte lassen sich nicht einfach nur über eine Website verkaufen. Google wird es weiter versuchen. (vowe)

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