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Google Pixel 4 und Pixel 4 XL: Googles neue Smartphones mit Radar-Chip und Astro-Fotografie

Google schickt das Pixel 4 und Pixel 4 XL ins Rennen – mit radarbasierter Gestensteuerung, neuem Belichtungsmodus für die Kamera und Offline-Spracherkennung.

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(Bild: Stefan Porteck)

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Google hat die vierte Generation seiner Pixel-Smartphones vorgestellt. Das Pixel 4 kommt in zwei Größen: Das Standardmodell bietet ein 5,7 Zoll großes Display, beim Pixel 4 XL sind es 6,3 Zoll in der Diagonale. Eine Einkerbung (Notch) gibt es in beiden Fällen anders als beim Vorgänger nicht. Die wichtigsten Neuerungen sind der Astro-Modus der Kamera sowie die Motion Sense genannte Gestensteuerung, für die Google auf das Radarsystem Soli setzt.

Für Aufsehen dürfte aber die neue Kamera sorgen. Hier setzt Google erstmals eine Dual-Kamera: eine mit Weitwinkel (77 Grad) und 12 Megapixeln und eine Tele-Linse mit 16 Megapixeln bei einem Öffnungswinkel von 52 Grad sowie einem Spektral- und Flickersensor.

Das Google Pixel 4 in 6 Minuten - Supercut

Wie bei den bisherigen Pixel-Generationen liegt das Geheimnis der guten Fotos zum Großteil auch an der Kamera-App, die mittels KI entweder täuschend echte Bokeh-Effekte erzeugt oder mittels mehrfacher Langzeitbelichtungen im sogenannten Nachtmodus auch bei schwachem Umgebungslicht recht brillante und dabei rauscharme Fotos erzeugt.

Auch die vierte Generation gibt es in zwei Größen: Das Pixel 4 (rechts) bietet ein 5,7 Zoll großes Display, beim Pixel 4 XL sind es 6,3 Zoll.

(Bild: Stefan Porteck)

Beim Pixel 4 treibt Google den Nachtmodus nun auf die Spitze und ergänzt ihn um eine Astro-Modus, der ebenfalls mit Hilfe mehrerer Langzeitbelichtungen beeindruckende Fotos von nächtlichen Sternenhimmeln ermöglichen soll – zumindest die Fotos, die wir auf den Vorführgeräten im Rahmen der Präsentation vorfanden, scheinen das zu bestätigen.

Ein weiteres Feature hört auf den Namen Dual Exposure. Fotografiert man mit einem herkömmlichen Smartphone ins Gegenlicht, beispielsweise Personen vor einem Sonnenuntergang, musste man sich bislang entscheiden: Entweder setzte man die Belichtung auf die Personen, was dann meist zur Überbelichtung des Himmels führte. Wählte man stattdessen eine kurze Belichtungszeit, zeichneten sich die Personen nur als schwarze Silhouetten ab.

Dual Exposure erlaubt es hingegen, mit zwei virtuellen Schiebereglern in der Kamera-App die Belichtungszeit – also die Helligkeit – von Hintergrund und Hauptmotiv getrennt voneinander einzustellen, wodurch sehr ansehnliche HDR-Bilder entstehen.

Eine Pixel-4-exklusive Funktion ist die Motion Sense genannte Gestensteuerung, die den am oberen Ende des Gehäuses platzierten Radar-Chip Soli nutzt. Zum Einsatz kommt Motion Sense bei der Anwesenheitserkennung, beim Greifen nach dem Smartphone sowie bei Fingergesten.

So sorgt die Anwesenheitserkennung dafür, dass sich das Display unabhängig vom eingestellten Timeout nicht abschaltet, solange die Nutzer das Smartphone in der Hand halten. Liegt das Smartphone dagegen ungenutzt auf dem Tisch, schaltet sich das Display bereits automatisch ein, sobald man die Hand danach streckt um es zu greifen. Hierbei aktiviert sich auch bereits die Gesichtserkennung. In unserem Hands-On war das Pixel 4 praktisch sofort entsperrt, wenn wir es in die Hand nahmen.

Der Radar-Chip sitzt oberhalt des Displays – neben verschiedenen weiteren Sensoren, die unter anderem für den Face-Unlock benötigt werden.

(Bild: Stefan Porteck)

Die Gesichtserkennung funktionierte bei fast jeder Geräteorientierung, wofür ein ganzes Sensoren-Array aus Kamera, Soli-Chip, Helligkeits- und Distanzsensor, zwei Infrarot-Kameras, einer Leuchte und einem Projektor, der Infrarot-Punkte auf das Gesicht des Users wirft, zum Einsatz kommen. Google scheint der Zuverlässigkeit und der Sicherheit des Face-Unlock so sehr zu trauen, dass die 4er-Pixel keinen Fingerabdrucksensor mehr haben. Die biometrischen Daten verbleiben laut Google im Smartphone und wandern zu keiner Zeit in die Cloud.

Zu Guter Letzt eignet sich der Soli-Chip für die Gestensteuerung, ohne das Smartphone berühren zu müssen. So konnten wir während der Präsentation der Telefone bei Spotify und Youtube Musik einen Song weiter springen, indem wir die Hand übers Telefon schwenkten. Hier offenbart sich eine Schwäche von Motion Sense: Apps müssen diese Art der Bedienung explizit unterstützen. Hinzu kommt eine regionale Einschränkung. Da der Soli-Chip im Frequenzbereich zwischen 57 und 64 GHz arbeitet, ist eine Zulassung der zuständigen Behörden notwendig. In Deutschland sowie einigen andere Ländern wurde diese erteilt, in vielen anderen bislang jedoch nicht.

Die KI wird auch dem Google Assistant zu einem Sprung nach vorne verhelfen: Auf der diesjährigen Google I/O hatte Google-Chef Sundar Pichai angekündigt, dass Fortschritte bei Deep Learning es ermöglichen, das rund 100 GByte umfassende KI-Modell auf ein halbes Gigabyte zu reduzieren, sodass es nun auf Telefone passt.

In der Praxis bedeutet das, dass der Google Assistant auf Pixel-4-Telefonen keine Internetverbindung für die Spracherkennung benötigt. Das bringt nicht nur mehr Datenschutz, sondern sorgt auch für eine merklich schnellere Reaktionszeit des digitalen Assistenten. Einfache Befehle, wie etwa das Starten einer gewünschten App, führte der Assistant bei unseren Tests quasi verzögerungsfrei aus.

Viele der Software-Neuerungen wie den Astro-Kameramodus und die Offline-Spracherkennung will Google per Update auch an ältere Pixel-Smartphones verteilen.

(Bild: Stefan Porteck)

Zudem ermöglicht die Offline-Erkennung eine Funktion, die man als Suche in Audiodateien umschreiben könnte. Schon bei den ersten Leaks zum Pixel 4, kam die Frage auf, was es mit der vorinstallierten Audiorecorder-App auf sich hat. Des Rätsels Lösung: Der Rekorder transkribiert automatisch die Audioaufnahmen, sodass hinterher eine Volltextsuche bereitsteht, mit der man in der Wiedergabe an die gesuchte Stelle springen kann. Künftig soll der Rekorder sogar mehrere Sprecher unterscheiden können.

Doch leider hat die Sache einen Haken: Bislang steht der neue Assistant nebst seiner Offline-Spracherkennung nur für Englisch zur Verfügung. Das deutsche Sprachmodell wurde noch nicht eingedampft und auf die Handys verfrachtet. Das will Google aber im nächsten Jahr nachholen.

Apropos nachholen: Viele neue Software-Funktionen des Pixel 4 will Google auch auf ältere Modelle bringen. Mit etwas Geduld dürfen sich also auch Besitzer eines Pixel 2 oder Pixel 3 auf den neuen Assistenten oder den Astro-Modus der Kamera freuen.