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Google Stadia: Die Cloud-Gaming-Plattform, die Spieler über Youtube zocken lässt

Auf einen Link klicken und direkt in 4K-Auflösung mit 60 FPS losspielen: Die Cloud-Plattform Stadia ist Googles Vision für die Gaming-Zukunft.

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Google Stadia: Die Cloud-Gaming-Plattform, die Spieler über Youtube zocken lässt

(Bild: Google)

Eine Cloud-Gaming-Plattform, die Spiele auf PCs, Notebooks, Handys und Fernseher bringt – das ist Stadia, das Google am Dienstag auf der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco vorgestellt hat. Die Spiele werden bei Stadia auf den Google-Servern gespielt, die das Bild dann über den Chrome-Browser an das Endgerät schicken. So kann man auch ohne teure Hardware aktuelle Titel spielen. Google verspricht, dass Spiele in echter 4K-Auflösung mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde laufen sollen.

Vom Konzept ähnliche Streaming-Dienste gibt es zum Beispiel auch von Nvidia, Sony und künftig Microsoft. Google hat gegenüber der Konkurrenz allerdings einige Asse im Ärmel. Einer davon ist Youtube: Über 200 Millionen Spieler schauen täglich bei der Videoplattform vorbei, um sich Spiele-Inhalte anzusehen. Dank Stadia können Youtuber einen Link zu einem Spiel in ihr Video einbauen. Klickt ein Zuschauer darauf, kann er selbst einfach losspielen – laut Google dauert es so nicht länger als fünf Sekunden, bis man selbst im Spiel ist.

(Quelle: Stadia)

Ein besonders interessantes Feature für Let's-Player und deren Fans: Mit "State Share" kann man seine aktuelle Spielposition abspeichern und als Link teilen. Das umfasst zum Beispiel den Aufenthaltsort, die Items im Inventar, und das Level der Spielfigur. Youtuber können also besonders bemerkenswerte Momente aus ihrem Stream mit ihren Zuschauern teilen, die sie dann direkt nachspielen können. Für Entwickler ergibt eine solche Funktion außerdem zusätzliche Möglichkeiten beim Spieldesign.

Über die Funktion "Crowd Play" holen Streamer ihre Zuschauer außerdem direkt in ihre Multiplayer-Partie. So bringt Google die einflussreichen Influencer und deren Fans näher zusammen – die Marketing-Gelegenheiten, die sich daraus für Entwickler ergeben, dürften Stadia bei den Developer-Studios auf Anhieb populär machen.

Google benutzt für die Cloud-Gaming-Plattform dasselbe Server-Netzwerk, das auch für die Google-Suche verwendet wird. Damit sei man besser aufgestellt als alle anderen Anbieter, verspricht Google. Das soll sich in niedrigerer Latenz auswirken – Verzögerungen gehören zu den größten Herausforderungen bei der Umsetzung des Cloud Gamings.

Weil auch Mehrspieler-Partien komplett über das Google-Netzwerk abgewickelt werden, könnten sich demnach für Entwickler neue technische Möglichkeit öffnen. Statt hunderten Spielern könnten so künftig tausende Spieler auf einem Server zocken.

Jederzeit spielen auf jedem Gerät: Mit Google Stadia kann man Spiele direkt über einen Link starten.

(Bild: Google)

Die Stadia-Server laufen mit Hardware, die speziell für den Streaming-Dienst gebaut wurde. Die GPU kommt von AMD und hat 10,7 Teraflops, die jeder Spiel-Instanz zur vollen Verfügung stehen sollen. Damit ist Stadia deutlich schneller als die Spielekonsolen PS4 Pro und Xbox One X. Aktuelle Spiele sollen laut Google in 4K-Auflösung, stabilen 60 Bildern pro Sekunde, HDR und Surround-Sound laufen. In Zukunft sei sogar 8K-Auflösung bei 120 FPS denkbar. Stadia läuft mit Linux-Betriebssystem und basiert auf der Grafik-Schnittstelle Vulkan. Zu den Partnern von Google zählen auch die beiden meistverbreiteten Spiele-Engines Unity und Unreal.

Ein Fragezeichen gibt es noch beim Spiele-Angebot: Bisher war aus der Testphase von Project Stream lediglich bekannt, dass Ubisofts Assassin’s Creed Odyssey unterstützt wird. Im Laufe des Live-Events wurde außerdem noch das kommende Doom Eternal für Stadia bestätigt. Mit offiziellen Zusagen sieht es ansonsten noch etwas mau aus. Laut Google arbeiten aber bereits über 100 Spielefirmen daran, ihre Spiele zu portieren oder neue Titel für die Plattform zu entwickeln.

Google-CEO Sundar Pichai outete sich gleich zu Beginn des Events als Nicht-Gamer. Trotzdem hat Google nun ein eigenes Entwicklerstudio unter der Leitung der erfahrenen Spiele-Produzentin Jade Raymond. "Stadia Games and Entertainment" entwickelt eigene Titel für Stadia – von denen allerdings noch keiner angekündigt wurde. Außerdem hilft das Google-Studio den Partnern dabei, ihre Spiele für Stadia anzupassen.

Entgegen der Spekulationen im Vorfeld hat Google keine auf den Cloud-Gaming-Dienst ausgelegte Spielekonsole angekündigt. Zumindest ein bisschen Hardware gab es dann aber doch: Google hat einen speziellen Stadia-Controller entwickelt. Der erinnert von der Form her an das Xbox-Gamepad, hat seine Sticks aber wie der Playstation-Dualshock in paralleler Position. In diesem Gamepad gibt es ein Mikrofon und einen Button für den Assistant. Google stellt sich vor, dass man einfach den Assistenten fragen kann, wenn man an einer Stelle im Spiel nicht weiterweiß. Wie das praktisch funktioniert, bleibt abzuwarten.

Google Stadia soll noch 2019 in den USA, Kanada, Großbritannien und dem Großteil von Europa starten – dazu dürfte auch Deutschland gehören. Die Preispolitik von Stadia ist noch nicht bekannt. Die Anbieter anderer Streaming-Dienste verlangen von ihren Nutzern eine monatliche Gebühr, um spielen zu können. Ob darüberhinaus noch eine Zahlung für jedes einzelne Spiel nötig wird oder ob Stadia ein Komplett-Abo im Stil von Spotify und Netflix anbietet, ist offen. (dahe)