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Google, Yahoo und AOL wollen Werbung auf Piraterie-Sites eindämmen

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In den USA haben sich Betreiber großer Werbenetzwerke einer freiwilligen Selbstverpflichtung unterworfen, die Werbeschaltungen auf Websites verhindern soll, deren Inhalte gegen Urheberrechte verstoßen. Damit soll eine der Haupt-Einnahmequellen professioneller Copyright-Sünder ausgetrocknet werden. Zu dem Verhaltenskodex, der federführend von der US-Regierung ausgearbeitet wurde, haben sich laut Bericht des Fachblatts Adweek Schwergewichte wie Google, Yahoo und Microsoft sowie 24/7 Media, AOL und Condé Nast bekannt.

Die Unternehmen verpflichten sich, eine Sperranfrage seitens der Rechteinhaber zu akzeptieren, wenn ihre Werbung bei illegalen Inhalten geschaltet ist. Diese Anfrage soll mit entsprechenden Belegen unterfüttert werden, etwa durch Screenshots mit Zeitstempel, bei denen eine Werbe-Einblendung im rechteverletzenden Umfeld dokumentiert ist. Daraufhin wollen die Werbenetzwerke die Vorwürfe prüfen und gegebenenfalls die Werbeschaltungen stoppen. Dabei sollen auch die Seitenbetreiber Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

Im Text der Richtlinie wird explizit darauf hingewiesen, dass die Werbenetzwerke keine direkte Kontrolle über die Copyright-Sünder und ihre Websites ausüben. Ebensowenig könne man selbst umfassend prüfen, ob die Werbung in eventuell urheberrechtsverletzenden Umfeldern ausgeliefert werde. Hier seien die Rechteinhaber gefragt.

Florian Drücke, der Geschäftsführer des deutschen Bundesverbandes Musikindustrie (BMVI), begrüßte auf Anfrage von heise online die Initiative in den USA. Die Selbstverpflichtung sei ein „wichtiger Schritt, Geldflüsse hin zu den Betreibern von Webseiten, deren Geschäftsmodelle auf Urheberrechtsverletzungen aufbauen, zu verhindern und den Sumpf trocken zu legen.“ Ob die Einigung auch ein Modell für Deutschland sein könne, sei abzuwarten – der „Realitäts-Check“ müsse zeigen, wie gut die US-amerikanische Regelung funktioniert.

Die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) bewertet die Initiative ebenfalls als einen guten Anfang. Allerdings kritisieren die Copyright-Schützer der Filmbranche den Aufwand für die Rechteinhaber, ständig einschlägige Seiten und die dort auftauchende Werbung prüfen zu müssen. Zudem seien die Belieferungsketten von Onlinewerbung so komplex, dass sich nicht nur die großen Werbenetzwerke, sondern auch die vielen zwischengeschalteten Dienstleister an diese Verpflichtung binden müssten, etwa die Affiliate-Netzwerke. Letztendlich müsse eine Lösung her, die alle Beteiligten an einen Tisch bringt.

In Deutschland ist die unerwünschte Liaison aus Werbeerlösen und Urheberrechtsverletzungen spätestens seit dem Prozess gegen die "Moviez"-Seite kino.to im Sommer 2012 stärker ins Blickfeld geraten. Das Portal, über das rund 135.000 raubkopierte Filme, Serien und Dokus verfügbar waren, zog nicht nur sehr schnell Nutzer, sondern auch Werbekunden an, die in diesem Umfeld ihre Banner schalteten. Zwischen 2008 und 2011 sollen so knapp 6,6 Millionen Euro an Werbegeldern geflossen sein. (axk)

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