Google als Planungshilfe für Unternehmen

Der Webanalyse-Dienst Insights for Search des Suchmaschinendienstleisters bilde Entwicklungen in der Gesellschaft schnell ab, erläutert Google-Manager Hal Varian. Er beteuert, dass der Datenschutz eingehalten und Daten nicht verkauft würden.

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Von
  • Andreas Wilkens

Der US-amerikanische Suchmaschinendienstleister Google hat festgestellt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Häufigkeit, mit der Nutzer nach einer Sache suchen, und realen Ereignissen. Googles Chefökonom Hal Varian erläutert im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit, wenn beispielsweise die Arbeitslosigkeit in einer bestimmten Region steige, gäben mehr Personen Begriffe wie "Arbeitsagentur" oder "Arbeitslosigkeit" ein. "Der Zusammenhang ist bemerkenswert robust. Das Ganze funktioniert bei vielen Themen." Google könne zwar nicht, wie es bei Newsweek geschildert wurde, in die Zukunft schauen, wisse aber viel über die Gegenwart.

Google hat für die vergangenen 30 Tage in Hessen mehr Interesse an "Michael Jackson" als in anderen Bundesländern festgestellt.

(Bild: Google Insights for Search)

Die Daten, die der Suchmaschinenbetreiber über den im vorigen Jahr gestarteten Analysedienst Insights for Search kostenlos bereitstellt, stünden Privatnutzern wie Unternehmen gleichermaßen zur Verfügung, beteuert Varian. Die Daten sollen nicht an Dritte verkauft werden, sie seien ein Service und ein Anreiz. Wenn ein Unternehmen feststelle, dass viele Menschen bei Google nach ihrem Produkt suchen, sei das auch der "natürliche Ort, um für dieses Produkt zu werben".

Firmen könnten herausfinden, wo und wie sie mit ihrer Werbekampagne erfolgreich waren, sagt Varian. Makler könnten herausfinden, wo die Nachfrage nach Immobilien am größten ist. Große Ketten könnten feststellen, ob die Nachfrage nach einem Produkt in einer bestimmten Region steigt oder fällt. Die Daten seien aktuell, während Regierungsstellen oder Firmen Wochen bräuchten, um solcherlei zu ermitteln. Google gebe nur aggregierte Daten weiter, die nicht auf einzelne Nutzer schließen lassen. Erst wenn 50 Suchanfragen zu einem Begriff von verschiedenen IP-Adressen einträfen, werde die Information öffentlich sichtbar.

Varian räumt ein, dass auch Daten anderer Anbieter wie MSN oder Twitter auswertbar seien. Auf den Einwand, dass Google mächtiger sei, sagte der Ökonom im Einklang mit der Argumentation gegenüber Kartellwächtern, die Annahme, dass sein Unternehmen den Markt für Onlinewerbung dominiere, sei falsch. "Je nach Schätzung entfallen nur rund 30 Prozent der Online-Marketing-Budgets und sogar nur 3 Prozent der gesamten Werbeausgaben auf uns." Jeder Konkurrent sei nur einen Klick entfernt. (anw)