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Google attackiert Microsoft: Widerstand bei Yahoo-Übernahme

Während sich Microsoft und Google in der Öffentlichkeit gegenseitig beschuldigen, das Internet dominieren zu wollen, laufen hinter den Kulissen die Telefone heiß; wegen der Microsoft-Offerte für eine Yahoo-Übernahme wird eifrig an allen möglichen Strippen gezogen. Google-Chef Eric Schmidt offerierte Yahoo-Mitgründer Jerry Yang telefonisch seine Unterstützung in jeder Hinsicht. Über eine Kooperation von Yahoo und Google wird heftig spekuliert. Dass Yahoo seine Suche billiger von Google betreiben lassen und sich dann auf sein übriges Portalgeschäft konzentrieren könnte, war schon einmal im Gespräch. So könnte Microsoft am Ende Yahoo in Googles Arme treiben, meinen Beobachter laut dpa. Trotz der bereits lukrativen Microsoft-Offerte lautet die Yahoo-Devise offenbar: Geld allein macht nicht glücklich – oder es sollte zumindest noch mehr sein, wenn Microsoft zum Zug kommen will. Dagegen gilt ein eigenes Übernahmeangebot Googles aus wettbewerbsrechtlichen Gründen als unwahrscheinlich.

Gegengebote anderer Interessenten wie Rupert Murdochs News Corp. halten Beobachter zudem für möglich. Bislang seien aber noch keine anderen Angebote als die Microsoft-Offerte bei Yahoo eingegangen, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Personen. Der Verwaltungsrat von Yahoo habe auch noch keine Entscheidung zum Angebot von Microsoft getroffen. Yahoo hatte zuvor durchblicken lassen, dies werde einige Zeit dauern.

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Mittlerweile ist in einer Eingabe bei der US-Börsenaufsicht SEC auch die E-Mail bekannt geworden, in der Yahoo-Firmenchef Jerry Yang und der neue Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock die eigenen Mitarbeiter zu beruhigen versuchen. In der Mail an die "fellow yahoos" heißt es, man wolle noch einmal betonen, dass es bislang absolut keine Entscheidung über das Microsoft-Angebot gegeben habe. Und es seien, entgegen anderslautender Gerüchte, auch keineswegs bereits Integrationsbemühungen zwischen den beiden Firmen im Gange. Microsofts Offerte sei nur eine von vielen Optionen, die Yahoo untersuche; Ziel könne es nur sein, den Nutzen sowohl für Anteilseigner als auch Mitarbeiter auch auf lange Sicht zu maximieren. Jedenfalls dürfe der Lärm um den Versuch Microsofts, Yahoo zu kaufen, nicht dazu führen, "dass wir vom Kern unserer Mission abgelenkt werden, schreiben Yang (firmenintern "chief yahoo" genannt) und Bostock. "Es ist entscheidend, dass wir uns auf unser Geschäft und auf unsere Strategie konzentrierten sowie darauf, unseren Usern, Anzeigenkunden und Anbietern Nutzen zu bieten."

Die Tech-Gemeinde im Silicon Valley bezweifelt allerdings laut einem dpa-Bericht weitgehend, dass die Yahoo-Übernahme die Lösung für Microsoft ist. In einem fusionierten Konzern "Microhoo!" würden zwei völlig gegensätzliche Kulturen aufeinanderprallen: ein bürokratischer Gigant hier und unkonventionelle Lockerheit dort. Das gilt auch für die Spitzen: Der jugendliche Yahoo-Mitgründer Yang, der erst im Sommer wieder das Ruder übernahm, passt so gar nicht zu dem als Choleriker geltenden Microsoft-Boss Ballmer. "Unsere Stärke: Spaß haben", heißt es auf der Yahoo-Internetseite für Bewerber. "Die größte Bedrohung für den Deal sind Microsoft und Yahoo! selbst", urteilt das US-Magazin Forbes". Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass Yahoo sich derzeit auch als ein Gemischtwarenladen darstellt, der den Eindruck macht, möglichst jeden denkbaren Internet-Dienst anbieten zu wollen – und das dann stellenweise mehr schlecht als recht schafft, und der sich nur schwer in entsprechende Microsoft-Strukturen überführen ließe.

Hinzu kommen Berge von Problemen, die Fusionen immer zu einer Herkulesaufgabe machen und nicht selten scheitern lassen. Bitteres Beispiel der Mediengeschichte: Die zerrüttete Ehe von AOL und Time Warner. Allein die Integration von Technik und Verwaltung beider Seiten werde die Partner mindestens ein Jahr lang beschäftigen und lähmen, warnen Experten. Google könnte unterdessen weiter davoneilen. Und schließlich könnten auch die Behörden dafür sorgen, dass aus der Hochzeit keine Blitzehe wird. Zwar rechnen Beobachter seitens der US-Kartellwächter wegen Googles Übermacht eher nicht mit Widerstand. Doch die EU-Kommission hat mit Microsoft schon so manchen heftigen Strauß ausgefochten. So dauert die Prüfung von Microsofts Kauf der Online-Werbefirma aQuantive bereits Monate – im Fall Yahoo! dürfte es kaum schneller gehen.

Der deutsche Web-Konzern United Internet sieht sich durch einen Schulterschluss von Yahoo mit Microsoft nicht bedroht. "Wir sind mit einer Reichweite von über 19 Millionen monatlichen Nutzern Marktführer", sagte Deutschland-Chef Matthias Ehrlich dem Handelsblatt zur Situation in Deutschland. Yahoo und Microsoft kämen rechnerisch auch auf diese Zahl, hätten aber eine Überschneidung von 42 Prozent der Nutzer. Zu United Internet gehören Online-Angebote wie Web.de und GMX sowie 1&1.

Siehe dazu auch:

(jk)

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