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Google bietet Verlagen mehr Kontrolle für den Zugriff auf ihre Inhalte an

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Verleger sollen künftig die Möglichkeit haben, den freien Zugriff auf ihre Online-Inhalte über Google zu beschränken. In dem Programm "First Click Free" sollen sie auf Wunsch bestimmen können, dass Nutzer nur bis zu fünfmal täglich direkt über Googles Suchmaschine und den Nachrichtenaggregator auf ihre Inhalte zugreifen können. Nach jedem weiteren Klick werde eine Registrierung oder ein Abonnement nötig, erklärt Google-Manager Josh Cohen in einem Weblog-Eintrag.

Google bietet außerdem an, nur die Inhalte abzusuchen, zu indexieren und als zugänglich zu betrachten, die Verleger als frei gekennzeichnet haben. Das heißt Googles Crawler sollen künftig die gleiche Perspektive einnehmen wie der Internetnutzer, der auf eine zugangsbeschränkte Seite eines Inhalte-Anbieters kommt, und beispielsweise nur noch die Überschrift und den ersten Abschnitt eines Artikels erfassen. Zugangsbeschränkte Artikel sollen in Google News mit dem Label "subscription" gekennzeichnet werden. Auf das Ranking in Googles Nachrichtensammlung soll diese Kennzeichnung keinen Einfluss haben. Zugangsbeschränkte Artikel sollen ebenso wie frei zugängliche weiter oben in der Rangliste platziert werden, je populärer sie bei Nutzern und anderen Websites sind.

Googles Neuerungen sind beispielsweise auf Websites wie die des Wall Street Journal zugeschnitten. Ein Link zu einem Artikel dort auf Google News führt den Leser auf den kompletten Artikel, selbst wenn dieser bei einem direkten Besuch der Zeitungswebsite zugangsbeschränkt ist und ein Abonnement erfordert. Der Medienunternehmer Rupert Murdoch, zu dessen News Corporation das Wall Street Journal gehört, hatte bereits gefordert, dass Suchmaschinenbetreiber für das Abgreifen von Nachrichten bezahlen sollen. Vor Kurzem ergänzte Murdoch, es sei sogar eine Sperre gegen Google denkbar – für die sich Microsoft sogar zu zahlen bereit gezeigt hat. Der Zeitungsverlegerverband BDZV begrüßte die Initiative.

In Googles Webmaster Central Blog heißt es nun in einem aktuellen Eintrag, der Internetdienstleister wolle möglichst viele Inhalte bereitstellen, erkenne aber auch, dass es nicht einfach und oft auch nicht kostengünstig sei, hochqualitative Inhalte zu erstellen. Google hofft, dass durch die Möglichkeit, den freien Zugang zu beschränken, mehr Verleger als bisher ihre Inhalte zur Verfügung stellen.

Google beteiligt sich an einer Tagung der US-Behörde Federal Trade Commission zum "Journalismus im Internetzeitalter" gestern und heute in Washington D.C. Aus diesem Anlass betonte das Unternehmen, jeden Monat 4 Milliarden Klicks auf Nachrichtenseiten zu lenken. Murdoch sagte auf der Tagung, den Verbrauchern müsse bewusst gemacht werden, dass hochqualitativer Journalismus nicht frei und billig erhältlich sei. Außerdem erneuerte der Unternehmer seine Kritik an Webseitenbetreiber, die von fremden Inhalten profitierten, berichtet das Wall Street Journal.

Die prominente Bloggerin Arianna Huffington erwiderte, die tradtionellen Medienunternehmen sollten mit dem Jammern aufhören und sich stattdessen damit vertraut machen, dass viele von ihnen mangels Konkurrenz und dank guter Profite eingelullt das Internet falsch verstanden hätten, als sie damit konfrontiert wurden. Sie hätten sich auf Konsolidierung und Kostenbeschränkungen konzentriert und nicht auf Modernisierung und darauf, die Leser anzusprechen. Nun, da der Zug ohne sie abgefahren sei, verlangten sie nach einer Auszeit, betrieben massives Lobbying bei den Politikern und attackierten die neuen Medien. (anw)

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