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Google eröffnet Datenschutz-Zentrum in München

Googles Standort in München wird um ein neues Zentrum für Datenschutz erweitert, das Tools für mehr Privatsphäre entwickeln soll.

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Bei Google warte man keineswegs auf die Regulierung, sagte Kent Walker, Google Vice President Global Affairs und Chief Legal Officer.

(Bild: Monika Ermert/heise online)

Google am Dienstag das neue Google Safety Engineering Center (GSEC) am Standort München eröffnet. Das Team in München soll bis zum Jahresende von 100 auf 200 Mitarbeiter wachsen und Datenschutz-freundliche Werkzeuge "Made in Germany“ bereitstellen. Wenn es in Deutschland funktioniert, dann ist das Tool auch gut für den Rest der Welt, erklärte Stephan Michlitz, Director Engineering des GSEC.

Michlitz hatte 2009 mit Googles Dashboard ein erstes Privacy Tool von München aus gelauncht. Bei der GSEC-Eröffnung im schnieken Münchner Büro des Konzern resümierten Michlitz und sein für Chrome zuständiger Kollege Jochen Eisinger unter anderem über die Weiterentwicklungen des Dashboards zum 2015 gestarteten „Google-Konto“ als zentraler Schaltstelle für die eigenen Datenschutzeinstellungen.

Google habe bei der Entwicklung der Datenschutz-Tools nicht auf gesetzliche Vorgaben gewartet, lobte Kent Walker, Senior Vice President of Global Affairs und Chief Legal Officer, seinen Arbeitgeber. Walker erkannte zwar an, dass die EU mit der Datenschutzgrundverordnung andere Regionen dazu veranlassen könnte, eigene Datenschutzgesetze zu entwickeln. Viele Google Privacy Tools seien aber älter als die DSGVO, und gingen durchaus über geltendes Gesetz hinaus, sagte Walker. Micklitz verwies zum Beispiel auf die seit 2011 mögliche Portabilität von Daten aus Google Diensten.

Zu der Anfang des Jahres von der französischen Datenschutzbehörde CNIL ausgesprochenen Strafe von 50 Millionen Euro sagte Walker, Google habe dagegen Berufung eingelegt. Die CNIL hatte beanstandet, dass für Nutzer nicht einfach und verständlich nachvollziehbar sei, welche Daten Google zu welchen Zwecken verarbeite. Das Unternehmen sei mit den französischen Datenschützern im Gespräch, versicherten Walker und Micklitz. Flagge zeigen will Google auch bei FakeNews und extremistischen Inhalten. Bei der Umsetzung des NetzDG bekomme man zufriedenes Feedback von Reguliererseite, versicherte Kristie Canegallo, Vice President of Trust & Safety.

Mit den 100 neuen Entwicklerinnen und Entwicklern für das GSEC, durch die die Belegschaft in München erstmals auf über 1000 wachsen wird, sollen ungeachtet der politischen Diskussionen Sicherheit und Datenschutz fortentwickelt werden. Ein spannendes Projekt ist dabei etwa der Versuch, neben klassischen Angriffen – etwa geklaute und im Netz verfügbare Passwörter – bösartiges Browser Fingerprinting durch Webseiten zu erkennen.

Damit App-Entwicklern dabei nicht Informationen vollständig entzogen werden, die für ihre Apps wesentlich sind, könnte aktives Fingerprinting eingeführt werden. So müsste der Server nachfragen. Auch die Arbeit um die zur Verschlüsselung von DNS Anfragen verfolgt man in München aus. Doch solche Infrastruktur-Themen werden in der Zentrale in Mountain View beackert.

Parallel zur Eröffnung des GSEC kündigte Google auch eine Geldspritze für Konzepte gegen Hass und Extremismus an. Insgesamt 10 Millionen Euro in Tranchen von bis zu einer Million pro Projekt lobt man im Rahmen des bereits im vergangenen Jahr abgehaltenen "Impact Challenge“ aus. Bewerben können sich Universitäten, Nicht-Regierungsorganisationen oder private Forschungsinstitute. Auch Projekte aus dem Bildungsbereich können aus dem Topf unterstützt werden. (axk)