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Google eröffnet neues Gründerzentrum in Berlin

Google baut sein Startup-Engagement in Berlin aus mit einem Campus für Gründer in Kreuzberg mit 2400 Quadratmeter. Das Zentrum soll von 2017 an eine Anlaufstelle für Information, Trainings und Zusammenarbeit bilden.

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Google eröffnet neues Gründerzentrum in Berlin

Nach London, Madrid, Warschau und zwei weiteren Städten weltweit erhält auch die geyhpte Startup-City Berlin einen Google-Campus für Firmengründer. Dazu soll das Umspannwerk Kreuzberg am beschaulichen Paul-Lincke-Ufer umgebaut und von Ende 2017 an als "Anlaufstelle für Information, Trainings und Zusammenarbeit" dienen, erklärte Googles Deutschland-Chef Philipp Justus in der Einrichtung vor Ort, die derzeit vor allem als Event-Location genutzt wird.

Auf 2400 Quadratmetern sollen laut Justus künftig unter anderem "eine frei bespielbare Event-Fläche" und ein Café einen "Ort der Zusammenkunft mit Kapitalgebern" und für den Austausch unter Gründern bieten. "Wir wollen den Gedanken des Networkings weitertragen", betonte der Manager. Der US-Internetkonzern unterstreiche damit seine Begeisterung für Deutschland, Berlin und für Gründer. Der Unternehmer, der Ende des 20. Jahrhunderts in einem Kreuzberger Hinterhof seine ersten Startup-Erfahrungen bei der von eBay aufgekauften Auktionsplattform Alando sammelte, ergänzte: "Wir fühlen uns auch mit 18 noch immer ein wenig wie ein Startup."

Googles Deutschland-Chef Philipp Justus, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sowie Bridgette Beam und Sarah Drinkwater von Google for Entrepreneurs (v.l.n.r.)

Die Entscheidung für Berlin begründete Justus damit, dass die Hauptstadt eine "feste Größe in der europäischen Technologie-Landschaft" geworden sei. "Es gibt so etwas wie einen neuen Gründergeist in der Stadt", dieser sei häufig technologiegetrieben. "Das ist ein Umfeld, in dem wir uns sehr wohlfühlen." Man wolle nun dazu beitragen, diese innovative Klima zu verstärken. Schließlich könne inzwischen "mit Hilfe Internets jeder zum Unternehmer und Entwickler werden". Es gebe viele technologische Plattformen, auf denen aufzubauen sei.

Google hat an seinen bisherigen sechs Gründerzentren nach eigenen Angaben über 4600 neue Stellen geschaffen und 170.000 Menschen mit den Einrichtungen "verbundenen". Schnelles WLAN und starker Kaffee gehörten zu den Kernelementen eines solchen Campus, scherzte Sarah Drinkwater vom übergreifenden Projekt "Google for Entrepreneurs" in London. Daneben seien natürlich "auch gute Verbindungen mit anderen Unternehmern" wichtig. Die Britin unterstrich: "Jeder kann kommen", es würden im Umspannwerk aber auch einige ausgewählte Startups fest angesiedelt.

Mitte 2014 eröffnete in Berlins besonders hipper Mitte bereits das Gründerzentrum Factory, das Google ebenfalls unterstützt. Diese Partnerschaft laufe weiter und sei gerade ausgebaut worden, gab Justus zu Protokoll. "Das ist für uns keine Konkurrenz, sondern eine starke Ergänzung." Es gebe künftig noch mehr Projektraum. In der Factory seien bereits mehr als 2500 Mitarbeiter aus- und weitergebildet worden. Niclas Rohrwacher von der Factory freute sich über eine weitere "Innovations-Community im Herzen der Stadt". Man kooperiere mittlerweile auch verstärkt mit dem Mittelstand, um die digitale Transformation voranzutreiben.

Über die genaue Höhe der Investitionen in das neue Campus schweigt sich Google aus. Bridgette Beam, Leiterin des globalen Entrepreneur-Programms, gab nur preis, dass der Konzern "jährlich mehrere zehn Millionen US-Dollar" auf die Startup- und Gründerförderung verwende. Diese flössen in den Betrieb der Treffpunkte und "tausende Stunden an Training", die dort durchgeführt würden. Das Campus in Berlin sei "auf unbeschränkte Zeit" ausgerichtet, man wolle nicht bald wieder abziehen. Vom Umspannwerk werde auch nur der historische äußere Rahmen bewahrt, innen lege Google wert auf ein besonderes Design.

Beam zeigte sich zuversichtlich, dass Berlin "mit seiner kreative Klasse ein wachsender Hub für Europa werden wird". Damit goss sie Wasser auf die Mühlen des Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der von einem "guten Tag" für die Hauptstadt sprach. Der SPD-Politiker begrüßte, dass "sich ein großes amerikanisches Unternehmen hier weiterentwickelt", was auch mit einer gewissen wirtschaftlichen Erwartung verknüpft sei. "Wir haben rund 60.000 bis 70.000 Arbeitsplätze im Startup-Bereich, noch einmal so viele im Digitalsektor bei etablierten Unternehmen", erläuterte Müller. In kurzer Zeit sei es zudem in Kooperation mit Universitäten und der Wirtschaft gelungen, 50 neue IT-Professuren zu etablieren.

Justus kündigte zugleich an, dass Google auch sein Berliner Büro ausbaue und dann an zwei Standorten in der Hauptstadt präsent sei: "Wir werden gegenüber der Museumsinsel in der ehemaligen Universitäts-Frauenklinik 2018 ein neues Büro beziehen." Dort sei Platz für die Google-Mitarbeiter. Zugleich betonte der Manager: "Wir sind sehr froh, in Hamburg zu sein mit unserem Hauptsitz." (jk)