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Google for Jobs - Der neue Heilsbringer im Jobmarkt?

Der erwartete Deutschland-Start von Google Jobs weckt Hoffnungen und Misstrauen. Auf Arbeitgeber wartet ein Kulturschock: Sie sollen das Gehalt offenlegen.

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Mit einem Probestart hat Google seine Stellenanzeigen-Suche für erste Nutzer in Deutschland im März freigeschaltet. Doch bevor die neue Suche auch für die Allgemeinheit verfügbar ist, streitet sich die Branche schon darum: Wird Google den Stellenmarkt zum Besseren umkrempeln oder droht gar eine neue Monopolisierung?

Auch fast zwei Jahre nach dem Start in den USA hat "Google for Jobs“ wenig vom Mysterium verloren. Obwohl die Jobsuche nach Googles eigenen Angaben bereits in über 100 Ländern verfügbar ist, haben nur wenige Unternehmen das neue Angebot definitiv auf ihrem Schirm und feste Pläne, wie sie mit der Jobsuche umgehen wollen.

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Wichtigster Fakt des neuen Angebots: Google for Jobs ist keine eigenständige Jobbörse, sondern eine Erweiterung der Suchfunktion Googles. So können Arbeitgeber verfügbare Stellen nicht direkt bei Google einstellen. Stattdessen durchsucht Google mit Hilfe seiner üblichen Such-Bots Websites nach etwaigen Stellenanzeigen und bereitet sie in einer speziellen Oberfläche auf, ähnlich der Bilder- oder der Nachrichtensuche. Zusätzlich haben international viele große Stellenportale wie LinkedIn beschlossen, ihre Angebote für Google zu öffnen.

Für die Nutzer ist der Zugang zu dem Angebot relativ einfach – wenn es denn freigeschaltet ist. In den USA muss man nur einen Suchterminus wie "Jobs IT administrator New York“ eingeben und auf der normalen Suchergebnisseite erscheint ein hervorgehobener Kasten. Ein Klick darauf führt zum eigenen Jobportal der Google-Suche. Mit einem VPN kann man schon heute Stellenangebote in Deutschland finden. Surft man unter einer deutschen IP, bleibt die Funktion jedoch in der Regel abgeschaltet.

Die Zögerlichkeit Googles, die Suchfunktion in Deutschland einzuführen, kann auch mit dem scharfen Vorgehen der Europäischen Kommission zu tun haben, die im März schon zum dritten Mal eine Milliardenstrafe gegen den US-Konzern verhängt hat, weil der seine Marktmacht in einem Bereich nutzte, um neue Märkte zu übernehmen. Da Stellenanzeigen einer der wenigen verbliebenen Bereiche sind, in dem europäische Konkurrenten bisher ohne Google Gewinne machen, ist der Markteintritt für Google ein brisantes Unterfangen.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf das US-Angebot, dass Google es sorgfältig vermeidet, sich selbst als Marktteilnehmer darzustellen. So findet der Jobsuchende bei Google for Jobs keine Werbeanzeigen vor. Wer sich bewerben will, muss sich zur ursprünglichen Stellenanzeige durchklicken.

"Google for Jobs ist keine separate Stellenbörse, sondern Teil der Suche", betont Arbeitgebermarkenauftrittsoptimierer Henner Knabenreich, Betreiber des Blogs Personalmarketing2Null. Das bedeutet zum einen, dass die Teilnahme an Google for Jobs für beide Arbeitgeber wie Arbeitnehmer völlig kostenfrei ist. Es bedeutet aber auch: Google begnügt sich nicht damit, blumig vorformulierte Textbausteine wiederzugeben, sondern besteht darauf, dass die Informationen aus den Stellenanzeigen vielfältig nutzbar und kombinierbar sind.

Konkret heißt das: Um von Google for Jobs erfasst zu werden, sollen die Stellenanbieter ihre Anzeigen gemäß den technischen Vorgaben von Google aufbereiten. Das heißt zum Beispiel, dass der Arbeitsort maschinenlesbar ist und der Jobtitel für die Google-Bots klar erkennbar ist. Gleichzeitig reichert Google die Stellenanzeigen mit weiteren Informationen an. Wird eine Stelle zum Beispiel bei mehreren Stellenbörsen gleichzeitig annonciert, erhalten die Nutzer eine Auswahl über welche Website sie sich bewerben wollen.

Ein besonderer Parameter wird deutschen Arbeitgebern aber zu denken geben. Denn Google will den Stellensuchenden auch mitteilen, wie viel sie bei dem Arbeitgeber konkret verdienen können. Fehlt diese Angabe, werden die Stellenangebote womöglich als weniger relevant eingestuft und daher auf die hinteren Plätze verbannt. Dem Vergleich müssen sich die Firmen trotzdem stellen. "Wenn ein Arbeitgeber zu einer Stelle keine Gehaltsangaben macht, aggregiert Google Inhalte um einem Interessenten diese Information doch zu liefern", erläutert Knabenreich.

Für Arbeitgeber, die sich sonst gerne von Bewerbern eine Gehaltsvorstellung anfordern, dürfte dies zu einem Kulturschock führen. Für den Personalmarketing-Experten ist es jedoch ein überfälliger Schritt. "Meine Hoffnung ist, dass Arbeitgeber die Gelegenheit nutzen, ihre bisherigen Stellenanzeigen zu hinterfragen", sagt Knabenreich. "Viele Stellenanzeigen heute sind eine Katastrophe." So seien die Texte oft darauf ausgelegt, möglichst viele Bewerber anzulocken. Folge seien unnötige Bewerbungsgespräche von Bewerbern, die gar nicht zu den Unternehmen passten.

Hoffnungen auf Google for Jobs setzt zum Beispiel die Digital-Wirtschaft, die derzeit ohnehin große Probleme hat, ihre Stellen zu besetzen. "Viele Unternehmen werden voraussichtlich von einer Suchmaschine für Stellenangebote profitieren, weil sie es ihnen leichter macht, geeignete Kandidaten zu finden.“, erklärt Lucia Falkenberg, Leiterin der Kompetenzgruppe "New Work“ des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco. Bei Google for Jobs hätten Personaler die Nase vorne, die konsequent auf Digitalisierung setzen.

Damit das aber funktionieren kann, ist Google auf die Beteiligung von Stellenbörsen angewiesen. Doch ob diese ihre Plattformen für den Google-Bot öffnen, ist nicht sicher. Mit Stepstone, Tochter von Axel Springer, hat zum Beispiel bereits eines der Branchenschwergewichte erklärt, bei der Google-Suche außen vor zu bleiben und so die eigenen Angebote nicht auf einer Plattform mit der Konkurrenz zu präsentieren.

In einer Investorenkonferenz begründet Axel Springer-Chef Mathias Döpfner den Schritt mit bisherigen Erfahrungen im Ausland. "In Märkten, in denen wir eine stärkere Position haben wie zum Beispiel in Südafrika, haben wir Google for Jobs nicht erlaubt unsere Inhalte zu nutzen.“ Im Endeffekt habe man damit den Suchmaschinenkonzern daran gehindert, dass seine Jobsuche für die Stellensuchenden eine zentrale Bedeutung bekommt. "Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, dass wir Google for Jobs in unserem größten Markt, Deutschland, nicht unterstützen werden.“

Axel Springer ist dabei nicht alleine – auch kleinere Verlage fürchten, dass ein Markteintritt des großen Internetkonzerns keine gute Nachricht ist. „Google ist eine Art Frenemy für die Verlagsbranche" sagt Holger Kansky, Leiter Digitales beim BDZV. Zwar könnten insbesondere regionale Verlage vermutlich von der größeren Sichtbarkeit ihrer Stellenanzeigen zunächst profitieren. Es sei aber zu befürchten, dass sie im zweiten Schritt zu bloßen Datenlieferanten degradiert würden.

"Neben Immobilien- sind Stellenanzeigen ein wichtiges Segment für deutsche Verlage", erklärt Kansky. "Fast jeder regionale Verlage ist hier in irgendeiner Weise engagiert." Die Befürchtung, dass auch Google diesen noch lukrativen Anzeigenmarkt an sich reißen wird, sind in der Branche lebhaft. Auch heise jobs hat deshalb vorerst keine Pläne, sich von Beginn an für die neue Google-Suche zu öffnen. (axk)