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Google investiert eine Milliarde US-Dollar in Wohnbau gegen Obdachlosigkeit

Nach Microsoft, Amazon-Chef Bezos und Facebook-CEO Zuckerberg öffnet auch Google den Geldhahn, um Obdachlosigkeit zu bekämpfen. Ihre Ansätze unterscheiden sich.

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Google-Chef Sundar Pichai möchte helfen.

(Bild: dpa, Eric Risberg/AP)

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Eine Milliarde Dollar (etwa 885 Millionen Euro) wird Google in den nächsten zehn Jahren investieren, um die Wohnungsnot im Silicon Valley und San Francisco zu lindern. Das hat Google-CEO Sundar Pichai am Dienstag angekündigt, womit er dem Beispiel anderer Westküsten-Konzerne folgt.

Die Bay Area gennante Region von San Francisco und dem Silicon Valley ist von zunehmender Obdachlosigkeit geprägt. Durch den rasanten Erfolg von Datenkonzernen und Startups sind die Immobilienpreise explosionsartig gewachsen Das macht immer mehr Arbeitnehmer, Senioren und andere Menschen obdachlos.

Googles Wohnbaumilliarde setzt sich zusammen aus Grundstücken im Wert von 750 Millionen Dollar und einem Investmentfonds von 250 Millionen Dollar. Dazu spendet Google.org zusätzliche 50 Millionen Dollar an Wohltätigkeitsorganisationen, die sich gegen Obdachlosigkeit und die Verdrängung von Einwohnern in billigere Regionen einsetzen.

Die Grundstücke gehören Google bereits, sind aber bislang für Büros oder Gewerbebetriebe gewidmet. Das Unternehmen ersucht nun die lokalen Kommunen um Umwidmung. Anschließend sollen die Grundstücke an Immobilienfirmen verpachtet werden. Das soll in zehn Jahren mindestens 15.000 zusätzliche Wohnungen und Häuser zeitigen. Vergangenes Jahr seien in der Region lediglich 3.000 Wohneinheiten errichtet worden, verweist Pichai auf einen Vergleichswert.

Der Investmentfonds soll mit einer Viertelmilliarde Dollar Bauherren dazu bewegen, mindestens 5.000 günstigere Wohneinheiten zu errichten. Grundsätzlich scheint Google speziell jenen helfen zu wollen, die geringe oder mittlere Einkommen haben und schon lange in der Region leben.

Im Januar hatte die Partnerschaft für die Zukunft der Bucht bereits eine halbe Milliarde Dollar zur Linderung der Wohnungsnot in der Region in Aussicht gestellt. Ein kleinerer Fonds soll politische Entscheidungen in der Region beeinflussen, ein größerer Investmentfonds durch günstige Kredite in fünf bis zehn Jahren 8.000 zusätzliche Wohneinheiten bringen.

Außerdem soll er 175.000 bestehende leistbare Wohnungen vor dem Abriss schützen. Die Partnerschaft wird von einer Reihe von Organisationen unterstützt, darunter die Hewlett-Stiftung, die Ford-Stiftung, Facebook, und die von Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan gegründete Stiftung.

Schon im November hatte Airbnb fünf Millionen Dollar zur Linderung der Obdachlosigkeit in San Francisco gespendet. Es war die größte Spende in der Geschichte der Firma. Alle diese Initiativen großer Unternehmen zusammen bleiben aber Tropfen auf den heißen Stein. Die erwähnte Partnerschaft erwartet, dass die Region in 20 Jahren 820.000 zusätzliche Haushalte wird beherbergen müssen.

Auch Seattle und Umgebung ist von Wohnungsnot gezeichnet. Konzerne wie Boeing, Amazon, Microsoft, Costco, Walmart, Starbucks und T-Mobile USA haben tausende gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen, was ebenfalls zu einem starken Anstieg der Immobilienpreise geführt hat.

Die Skyline Seattles vom Meer aus betrachtet

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Anfang des Jahres hat Microsoft angekündigt, 475 Millionen Dollar zu investieren. 225 Millionen davon werden als günstige Wohnbaudarlehen vergeben, um in sechs ausgewählten Kommunen Wohnstätten für Bezieher mittlerer Einkommen zu erhalten oder neu zu errichten. Weitere 250 Millionen Dollar werden mit marktüblichen Zinsen für den Wohnbau in der gesamten Region Seattle zur Verfügung stehen, in der Hoffnung, dass das günstigeren Wohnraum schafft. Dazu kommen 25 Millionen Spenden an einschlägige Wohltätigkeitsorganisationen.

Gleich zwei Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen hat Amazon-Chef Jeff Bezos bereits im September angekündigt. Eine Milliarde soll für bessere Vorschulen sorgen, die andere Milliarde obdachlosen Familien helfen. Im selben Monat hat der inzwischen verstorbene Microsoft-Mitgründer Paul Allen 30 Millionen Dollar für ein Wohnbauprojekt samt Obdachlosen-Einrichtung gespendet. Das Gebäude wird derzeit in Seattle errichtet.

Für die Datenkonzerne an der Westküste der USA wird es immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu finden. Außerdem ist kein Ende des Immobilienpreisanstiegs in Sicht. Amazon hat daher schon vor Jahren entschieden, ein "zweites Hauptquartier" in einer anderen Stadt zu eröffnen, anstatt noch mehr Büros in Seattle einzurichten.

Hunderte Städte in den USA und Kanada haben sich um den attraktiven Arbeitgeber beworben. Doch auch das zweite Hauptquartier hätte die unerwünschten Nebenwirkungen nach sich gezogen, weshalb es dann zwei halbe zweite Hauptquartiere geben sollte: Eines in New York City und eines vor den Toren der US-Hauptstadt Washington, jeweils mit etwa 25.000 gut bezahlten Arbeitsplätzen.

Inzwischen plant Amazon aber nicht mehr, eine neue Zentrale in New York zu errichten. Der Widerstand lokaler Organisationen und Politiker war einfach zu groß – was New Yorks Bürgermeister stinksauer gemacht hat. (ds)