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Google kauft Prozessorentwickler mit ehemaligen Apple-Mitarbeitern

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Verschlungene Pfade im Silicon Valley: Wie das Private-Equity-Blog PE Hub meldete, hat Google die kleine Entwicklerfirma Agnilux gekauft. Deren Webseite ist schon nicht mehr erreichbar, man findet nur noch eine alte Version im Google-Cache. Die Agnilux-Übernahme heizt Spekulationen über Googles Hardware-Pläne an: Obwohl das Startup Agnilux bisher nicht verriet, was es genau entwickelt, geht man davon aus, dass es sich um sparsame oder effiziente Prozessoren mit ARM- oder PowerPC-Rechenwerken handelt. Einer der bekanntesten Köpfe von Agnilux ist der Halbleiter-Industrieveteran Dan Dobberpuhl, der 2003 das 2008 von Apple gekaufte Unternehmen P.A. Semi gegründet hatte.

Dobberpuhl war in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts als DEC-Mitarbeiter an der Entwicklung der StrongARM-Prozessoren beteiligt; diese Sparte ging 1997 an Intel und war dort die Basis für die XScale-Prozessoren, die mittlerweile bei Marvell gelandet sind. P.A. Semi hatte dann 2005 mit der extrem effizienten Implementierung eines PowerPC-Prozessors Aufsehen erregt.

Über den von Apple beabsichtigten Zweck der wohl rund 278 Millionen US-Dollar teuren P.A.-Semi-Akquisition war lange spekuliert worden, vielleicht stand er im Zusammenhang mit dem von Apple nach eigenen Angaben selbst entwickelten iPad-Prozessor A4, einem sparsamen System-on-Chip (SoC) mit ARM-Rechenwerk und PowerVR-SGX-kompatibler GPU. Mittlerweile wird aber auch davon ausgegangen, dass im A4 weniger P.A.-Semi-Technik steckt als vielmehr Know-how der Firma Intrinsity, die unter anderem in Kooperation mit Samsung einen schnellen ARM-Cortex-A8-Kern mit dem Codenamen Hummingbird entwickelte. Angeblich soll Apple mittlerweile die aus Exponential Technology hervorgegangene Firma Intrinsity mit Sitz in Austin gekauft haben – auch die Intrinsity-Webseite ist nicht mehr erreichbar.

Schon vor der Einführung des iPad war bekannt geworden, dass wichtige Ex-P.A.-Semi-Mitarbeiter, darunter Industrieveteran Dan Dobberpuhl, Apple wieder verlassen hatten, um bei dem in San Jose ansässigen Startup Agnilux mitzuarbeiten. Dessen Name setzt sich nach Firmenangaben aus dem Sanskrit-Wort für Feuer und dem lateinischen Wort für Licht zusammen.

Laut Ashlee Vance von der New York Times arbeiten außer dem ehemaligen P.A.-Semi-Vertriebschef Amarjit Gill, der Agnilux gründete, auch der ehemalige P.A.-Semi-"System Architect" Mark Hayter und weitere Enwickler jetzt bei Agnilux.

Nun schießen Spekulationen darüber ins Kraut, was Google mit Agnilux plant. Ashlee Vance hatte angedeutet, die Firma wolle Server-Prozessoren mit ARM-Kernen für Cisco entwickeln, aber ähnliche Chips wären wohl auch für Google interessant. Da Google mittlerweile Smartphones verkauft, wären typische Handy-SoCs ebenfalls denkbar.

Für die Server-Prozessor-These spricht, dass ARM-SoCs wie Marvell 88F6281 (Kirkwood/Sheeva) oder Freescale MPC8533E (PowerQUICC III) zunehmend in kleineren NAS-Geräten zum Einsatz kommen. Der ARM-Manager Ian Ferguson hatte bereits Mitte 2008 stärkere Konkurrenz gegen sparsame und billige x86-Prozessoren wie den Intel Atom angekündigt. Auch anderen Startups wie SmoothStone aus Austin arbeiten an ARM-SoCs für Server in Rechenzentren. Google betreibt nach Schätzungen mehr als eine Million Server weltweit und setzt dabei zumindest teilweise auf speziell entwickelte (x86-)Systeme; durch die Entwicklung von Android und Chrome OS hat Google auch viel Erfahrung mit dem Einsatz von Linux auf ARM-Prozessoren. (ciw)