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Google lässt die Muskeln spielen

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In letzter Zeit war die Liebesaffäre zwischen Google und Börsianern zeitweise leicht getrübt. Die Bilanzen für das erste Quartal allerdings dürften die Investoren aber erfreuen, sowohl Umsatz als auch Nettogewinn stiegen kräftig. Der Suchmaschinenprimus behauptet unangefochten seinen ersten Platz und wartet immer wieder mit neuen Diensten und Initiativen auf, die die Konkurrenz unter Druck setzen sollen – so zuletzt mit einer eigenen Kalenderanwendung zur Terminverwaltung, dem Ausbau der Suchmaschinenangebote für Unternehmen oder mit einer Beteiligung am Online-Dienst AOL.

Google bestätigte im abgelaufenen Quartal, dass die Geschäfte der Webfirmen mit Online-Anzeigen gut laufen: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs konnte Google nun den Umsatz im Jahresvergleich um 79 Prozent auf 2,25 Milliarden US-Dollar steigern. Der Nettogewinn lag bei 592 Millionen US-Dollar, im gleichen Quartal des Vorjahrs waren es noch 369 Millionen US-Dollar. Der Nettogewinn pro Aktie lag bei 1,95 US-Dollar; ohne Berücksichtigung von Sonderbelastungen etwa für Aktienoptionsprogramme lag der Gewinn pro Aktie bei 2,29 US-Dollar, Analysten hatten hier 1,98 US-Dollar erwartet.

Die Traffic Acquisition Costs (TAC), also die für die Platzierung von bezahlten Suchmaschinen-Links auf anderen Web-Seiten an die Partner weitergereichten Umsätze, schlugen im ersten Quartal mit 723 Millionen US-Dollar zu Buche. Der Umsatz ohne TAC (1,530 Millionen US-Dollar) lag damit trotz im Vergleich zum Vorquartal höherer TAC über dem vergleichbaren Wert des Vorquartals. Bei den Umsätzen ohne TAC lag die Erwartung der Börsianer bei 1,44 Milliarden US-Dollar. Mit den eigenen Sites generierte Google einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar, 58 Prozent des Gesamtumsatzes und ein Plus von 97 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Partner-Sites waren mit 928 Millionen US-Dollar für 41 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich, diese Umsätze wuchsen um 59 Prozent im Jahresvergleich. Außerhalb der USA machte Google im ersten Quartal 42 Prozent des Umsatzes.

Diese Bilanzen des ersten Quartals dürften Balsam für die Börse sein. Einige Analysten hatten eine gewisse Beliebigkeit der Vorhaben von Google kritisiert, es sei nicht recht ersichtlich, worin die langfristige Strategie des Unternehmens bestehe, um seine Position zu halten und seine Umsätze weiter auszubauen. Auch die zunehmende Kritik, Google halte sein eigenes Motto "don't be evil" nicht mehr ein, lässt manchen Börsianer nervös werden, lebt Google doch zu einem guten Teil von seinem – mittlerweile angekratzten – guten Ruf unter den Surfern. Selbst versehentlich veröffentliche Prognosen, die prompt dementiert wurden, versetzen die Börse mittlerweile in Aufregung. Und wenn dann der Finanzchef entgegen den von Google gewohnten Gepflogenheiten doch einmal einen Ausblick wagt, der eher vorsichtig ausfällt, gerät die Google-Aktie schwer unter Druck. Die Schwankungen im Kurs des Papiers, das von einem Hoch bei über 475 US-Dollar im Januar auch schon mal unter 340 US-Dollar im März auf knapp über 300 US-Dollar absackte, zeigen recht nervöse Reaktionen auf Aktionen der Firma und Äußerungen der Google-Manager.

Im offiziellen Handel an der Nasdaq, bevor Google seine Bilanzen für das erste Quartal nach Börsenschluss vorlegte, konnte sich der Kurs allerdings um über ein Prozent verbessern, zum Schluss lag er bei 415 US-Dollar: Die Vorgaben von Yahoo, einem der größten Konkurrenten Googles waren gut, auch wenn durch Änderung in der Verbuchung von Aktienoptionen den Gewinn drückten. Und die ersten Reaktioen der Börse auf die Google-Bilanzen des ersten Quartals waren ausgesprochen positiv, nach der Enttäuschung des vorangegangenen Quartals schienen die Investoren nun richtig erleichtert zu sein: Zu Beginn des nachbörslichen Handels kletterte der Google-Kurs nach der Vorlage der Bilanzen gleich einmal auf fast 450 US-Dollar.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Google in US-Dollar

Quartal Umsatz Gewinn/
Verlust
4/03 515,2 Mio. 27,2 Mio.
1/04 653,0 Mio. 63,0 Mio.
2/04 700,2 Mio. 79,1 Mio.
3/04 805,89 Mio. 51,98 Mio.
4/04 1.031,5 Mio. 204,1 Mio.
1/05 1.256 Mio. 369 Mio.
2/05 1.384 Mio.
(890 Mio. ohne TAC)
343 Mio.
3/05 1.578 Mio.
(1.048 Mio. ohne TAC)
381,2 Mio.
4/05 1.919 Mio.
(1.290 Mio. ohne TAC)
372,2 Mio.
1/06 2.253 Mio.
(1.530 Mio. ohne TAC)
592,3 Mio.