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Google leitet Datenverkehr nach google.kz um

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Der US-amerikanische Internetdienstleister Google wehrt sich gegen Auflagen der kasachischen Regierung. Sie verlangt seit Mai, dass physische Server, die Anfragen an Adressen mit der Top Level Domain des Landes (.kz) verarbeiten, auch in Kasachstan stehen müssen. Falls Google der Aufforderung folgte, würde es sich an der Aufsplitterung des Internets beteiligen, heißt es in einem Eintrag des Google-Managers Bill Coughran im offiziellen Firmenblog. Das Unternehmen folge dem Prinzip des offenen Internet; das heißt, der Datenverkehr richte sich nicht nach Ländergrenzen, sondern danach, welche technischen Voraussetzungen die besten sind.

Anstatt wie verlangt alle Anfragen an google.kz an einen Server in Kasachstan weiterzuleiten, will Google nun den Datenverkehr dorthin zur Adresse google.com mit einer kasachischen Sprachversion des internationalen Angebots weiterleiten. Dadurch würden die kasachischen Nutzer nicht mehr wie gewohnt die für ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Dienste geboten, teilte Google mit. Wenn im Internet Grenzen aufgezogen würden, rufe das – neben Fragen zur Effizienz des Netzes – auch Besorgnis um die Meinungsfreiheit und die Privatsphäre der Nutzer hervor, schrieb Coughran.

Kasachstan hatte vor knapp zwei Jahren eine Internet-Zensur eingeführt. Dabei wurden Meinungsbeiträge in Blogs und Chats unter besondere Kontrolle gestellt. Google hatte voriges Jahr vorübergehend eine automatische Weiterleitung von Anfragen auf google.cn (für China) nach google.hk (für Hongkong) mit ungefilterten Suchergebnissen eingerichtet. Damit zog der Konzern die Konsequenz an seiner Kritik auf die von China praktizierte und geforderte Zensur. In der Zeit ist der Anteil Googles am chinesischen Suchmarkt nach Angaben dortiger Marktforscher von 35 auf 19 Prozent zurückgegangen. (anw)