Menü

Google öffnet die elektronische Geldbörse

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 189 Beiträge

Wie erwartet führt der US-Internetkonzern Google mit Partnern wie der Citibank und Mastercard ein elektronisches Handy-Bezahlsystem mit NFC (Near Field Communication) ein. Der "Google Wallet" (Geldbörse) genannte Dienst werde derzeit im Rahmen eines Feldtests erprobt und soll in den USA noch im Sommer eingeführt werden, kündigte das Unternehmen an. "Ihr Handy wird zum Portemonnaie", versprach Google-Managerin Stephanie Tilenius am Donnerstag in New York.

Mit Google Wallet können teilnehmende US-Bürger landesweit mit ihrem Smartphone an den Terminals des von Mastercard gestellten PayPass-Systems zahlen. Der NFC-Chip im Handy überträgt die in einem extra abgesicherten Bereich des Chips abgelegten Zahlungsinformationen des Karteninhabers, wenn das Smartphone kurz an das Terminal gehalten wird. Das Paypass-System ist bisher für Kreditkarten mit eingebautem NFC-Chip genutzt worden.

Der NFC-Chip im Smartphone wickelt die Zahlung mit dem Terminal ab.

(Bild: Google)

Für die Nutzung ist zunächst ein Google-Smartphone mit NFC-Chip nötig: Das von Samsung hergestellte Nexus S. Der Internetkonzern bietet selbst eine Prepaid-Karte für den Zahlungsdienst an, darüber hinaus können vorerst nur Besitzer einer Mastercard-Kreditkarte der Citibank teilnehmen. Als weitere Partner sind der Netzbetreiber Sprint und der Zahlungsdienstleister First Data mit im Boot. Google lädt weitere Kreditinstitute oder Kartenanbieter ausdrücklich zur Teilnahme an dem System ein.

Über die Bezahlfunktion hinaus soll die zu Google Wallet gehörende, mit einer PIN geschützte Smartphone-App auch Kredit- und Kundenkarten sowie Coupons verwalten können. Barcodes von Gutscheinen können etwa mit dem Smartphone eingescannt und in Googles Geldbörse abgelegt werden. Bei der nächsten Transaktion bei dem betreffenden Händler kann der Gutschein dann auf Wunsch eingelöst werden. Zu den ersten Partnern im Handel zählen die US-Kaufhauskette Macy's, die amerikanischen Fastfood-Läden von Subways und die Wallgreens-Drogeriemärkte.

Mit dem gleichzeitig erstmals im Detail vorgestellten Dienst "Google Offers" will der Internetkonzern mit dem boomenden Schnäppchenportal Groupon konkurrieren. Nutzer sollen Sonderangebote direkt in ihr E-Mail-Postfach bekommen. "Google Offers" startet im Sommer in den US-Städten New York, San Francisco und Portland und soll dann weiter ausgebaut werden.

Die Funktechnik "Near Field Communication" (NFC) gibt es schon länger, auch Pläne für mobile Bezahlsysteme mit dieser Technik sind nicht neu. Die Deutsche Bahn testet mit "Touch & Travel" bereits seit 2008 ein NFC-Abrechnungssystem für Bahnreisen. Auch die Telekom arbeitet an einem mobilen Bezahlsystem mit NFC-Handys. Ob das noch wie auf dem Mobile World Congress (MWC) im Februar angekündigt in diesem Jahr anlaufen kann, ist aber fraglich.

Denn obwohl Technik und Infrastruktur für solche NFC-Dienste längst vorhanden sind, haben es die mobilen Bezahlsysteme schwer. Zwar war NFC wieder einmal eines der Trendthemen des diesjährigen MWC, doch sind NFC-Handys in unseren Breitengraden noch eine Seltenheit – Googles Nexus S ist eine dieser Ausnahmen. Doch selbst wenn künftig alle Smartphones so einen Chip mitbringen, sind bei einem Bezahldienst vielfältige Interessen und Unternehmen unter einen Hut zu bringen, die alle was verdienen wollen. Das sind schwere Verhandlungen, die etwas dauern können. (vbr)

Anzeige
Anzeige